Unvergessene Länderspiele zwischen Deutschland und den Niederlanden

Mit einer guten Nachbarschaft wird es zwischen Deutschland und den Niederlanden zumindest auf dem Rasen nichts mehr werden. Die Erzrivalität der beiden fußballerischen Alphatiere entlud sich in den vergangenen 45 Jahren in zig brisanten Momenten, in denen es meist um sehr viel ging. Immer aber war der Ausgang der Auseinandersetzung eine Frage der Ehre. Ein Rückblick.

Dieses Trauma werden die niederländischen Fußballfans nie mehr los: Bernd Hölzenbein dringt in den Strafraum ein und fällt. Paul Breitner verwandelt den verhängten Foulelfmeter eiskalt zum 1:1, die Wende im Münchner WM-Finale von 1974 ist eingeläutet.
Die spielstarken Gäste sind sich ihrer Sache nach der Blitz-Führung durch Johan Neeskens' Strafstoß in der ersten Minute zu sicher. Der DFB-Elf gelingt durch Gerd Müller noch vor der Pause das 2:1. Leidenschaftlich verteidigt der Europameister in den zweiten 45 Minuten gegen wütend anrennende Niederländer seinen knappen Vorsprung und wird im eigenen Land Weltmeister.
Vier Jahre später kommt es bei der WM in Argentinien in der zweiten Finalrunde zum Wiedersehen. Schon nach drei Minuten gelingt Rüdiger Abramczik, links, das 1:0 für den Titelverteidiger, der sich in seine beste Turnierleistung steigert. Aber auch eine zweite Führung der deutschen Mannschaft reicht ihr nicht zum Sieg. Das 2:2 fällt sechs Minuten vor Schluss. Es ist das vierte Unentschieden im fünften Spiel. Und dann kommt das 2:3 gegen Österreich ...
1980, nächstes großes Turnier, nächstes Duell. Es ist die EM in Italien und der große Tag des damaligen Düsseldorfer Stürmers Klaus Allofs. Alle drei deutschen Tore gehen auf das Konto des späteren Managers. Sie reichen Allofs, um Torschützenkönig zu werden. Ein Debütant namens Lothar Matthäus aber bringt mit seinem Foul an Ben Wijnstekers beim Stand von 3:0 den Sieg noch in Gefahr. Am Ende heißt es 3:2. Deutschland holt acht Tage später den EM-Titel.
Ronald Koeman hat sichtlich Spaß an seiner geschmacklosen Geste: Die Niederländer "rächen" sich im EM-Halbfinale 1988 in Hamburg für die Endspiel-Niederlage von München 14 Jahre zuvor. Diesmal verlieren die Deutschen nach einer 1:0-Führung mit 1:2. Marco van Basten düpiert in der 89. Minute Gegenspieler Jürgen Kohler. Torwart Eike Immel ist chancenlos. Koeman tauscht mit Olaf Thon das Trikot - und fährt sich damit im Siegesrausch übers Gesäß.
Die Erzrivalen qualifizieren sich in der selben Gruppe für die WM in Italien - und treffen erneut aufeinander. Die Schlüsselszene des legendären Achtelfinales ist der Zweikampf zwischen Frank Rijkaard und Rudi Völler.
Weltmeister gegen Europameister: Im Gruppenfinale kommt es bei der EM 1992 in Schweden zum Klassiker. Die Niederländer überfahren die deutsche Mannschaft zu Beginn, benötigen für eine 2:0-Führung nur eine Viertelstunde. Nach der Pause schlägt Holland-Schreck Jürgen Klinsmann per Kopf zu, doch die bessere Mannschaft gewinnt: Dennis Bergkamp stellt den 3:1-Endstand her. Anschließend schlagen die Dänen beide Teams und werden Europameister.
Gut möglich, dass sich an Zoltan Sebescen niederländische Fußballfans besser erinnern als deutsche. Das liegt am unterirdisch schlechten Auftritt des damals 24-jährigen Leverkuseners beim 1:2 am 23. Februar 2000 in Amsterdam. Das Testspiel zur EM ist nach einer halben Stunde entschieden. Boudewijn Zenden spielt Neuling Sebescen schwindelig und krönt seine Leistung mit dem Siegtor. Sebescens DFB-Karriere ist nach 45 Minuten beendet. Ihn ersetzt Sebastian Deisler.
Zum Start in die EM 2004 in Portugal sieht es ganz und gar nicht nach jenem Desaster aus, das die deutsche Nationalmannschaft wie schon 2000 in Belgien und den Niederlanden erleben wird. Das Duell mit dem Dauerrivalen kitzelt aus Rudi Völlers Mannschaft eine klasse Leistung heraus. Torsten Frings' Freistoß schlägt in der 30. Minute in Edwin van der Sars Kasten ein. Ein Fehler von Fabian Ernst aber schenkt Ruud van Nistelrooy spät den 1:1-Ausgleich.
Vier Jahre zuvor ist Mario Gomez bei der EM gegen Gastgeber Österreich im letzten Gruppenspiel für die Fußball-Nation noch der Depp, der aus drei Metern das Tor nicht trifft. Am 13. Juni 2012 in Charkiw läuft der so oft Geschmähte und Kritisierte gegen die Niederlande zur Hochform auf. Seinen Doppelpack zum 2:1-Sieg veredeln technische Feinheiten und ein Spielverständnis, das so mancher Fan zuvor nicht auf dem Zettel hat. Vom "kicker" gibt es die Note eins.
Nico Schulz schätzt das Fachblatt sieben Jahre später nur um eine halbe Note schlechter ein als seinerzeit Gomez. Schulz entscheidet mit seinem zweiten Länderspieltor eine spannende und abwechslungsreiche EM-Qualifikations-Partie für eine engagierte deutsche Mannschaft, der den Sieg nach den Pleiten bei der WM und in der Nations League nur große Optimisten zugetraut haben. Das 3:2 ist aber aufgrund der Vielzahl der Chancen verdient.