Wenn die deutsche Nationalmannschaft gegen Weißrussland und Nordirland ihre letzten Punkte zur EM-Qualifikation einsammeln möchte, sind die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw auch ein bisschen die Schaufensterpuppen für den DFB-Ausrüster.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Die deutsche Nationalmannschaft geht wieder auf Werbetour. Samstag in Mönchengladbach (gegen Weißrussland) und Dienstag in einer Woche in Frankfurt (gegen Nordirland) will die DFB-Auswahl die EM-Qualifikation für 2020 abschließen und nicht nur Punkte für die Abschlusstabelle der Qualifikationsgruppe C gutmachen.

In den zwei Heimspielen geht's um den guten Ruf: dass die Deutschen ihre Nationalelf wieder liebhaben. Rechtzeitig stellte man beim DFB das neue Trikot vor. Eine komplett weiße Weste hat Deutschland nicht mehr.

Der DFB und Adidas verpassen eine Chance

Wenn der DFB und damit sein Premiumpartner Adidas jemals seit der WM-Blamage 2018 die Absicht hatten, gemeinsam das lädierte Image in der Bevölkerung zu reparieren, dann hat diese Partnerschaft jetzt ihre beste Chance verpasst.

Bei den Deutschland-Trikots gilt: alles so unverschämt teuer, wie es immer schon war. 89,95 Euro für die Fan-Variante, sogar 129,95 Euro für die Profi-Version. Die Kindergrößen schlagen mit 64,95 Euro zu Buche, dazu kommt die jeweils passende Hose zwischen 32,95 und 49,95 Euro.

Ein Familienvater, der seine zwei Kids für den EM-Sommer ausstatten will, ist also mit etwa 200 Euro dabei. Dann hat Papa aber noch kein eigenes Trikot.

Verständlich ist die Preispolitik nicht. Anders als die Bundesliga-Vereine muss der DFB mit den Trikot-Erlösen keinen Profikader finanzieren. Wenn der Verband anführt, dass mit dem Hemdenverkauf nicht nur der eigene Verwaltungsapparat unterhalten wird, sondern als Abgabe auch dem Fußball an der Basis zugute kommt, dann wäre dieser Umweg gar nicht nötig gewesen.

Dem Fußball an der Basis hilft nichts besser als ein Bekenntnis, dass die DFB-Spitze die Zwänge in den Haushaltskassen von Familien und Fans kennt.

EM-Trikot: Keine Spur von Nähe zum Fan

Das weiterhin hohe Preisniveau bei Trikots zeigt nur: Die versprochene Rückkehr zur Fannähe hört dort auf, wo der Schatzmeister das letzte Wort hat.

Bei der Gewinnspanne, die bei Trikots möglich ist, hätte Adidas auch mit einem günstigeren Preis einen guten Schnitt gemacht. Aber Fannähe allein ist selten eine Herzensangelegenheit bei einem börsennotierten Unternehmen.

So bedient das neue DFB-Trikot den meistens ungerechten Vorwurf der Kommerzialisierung. Man könnte jetzt lange darüber streiten, ob die schwarzen Querstreifen schick sind oder Kinderabteilung, ob das Schwarz-Rot-Goldene am Ärmel verspielt ist oder Krabbeltisch. Aber das bringt nichts. Das ist letztlich Geschmackssache. Mode ist ja immer eine Zeiterscheinung.

Und vielleicht muss man auch nur ein bisschen warten. Das alte DFB-Trikot gibt's inzwischen ab 16,45 Euro bei Amazon.

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Pit Gottschalk, 51, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de.
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Teaserbild: © adidas/Presse