Nach den massiven Ausschreitungen vor und nach der EM-Partie England gegen Russland hat die UEFA ein Disziplinarverfahren gegen den russischen Verband eröffnet. Bei den Krawallen wurden mehrere Menschen verletzt.

Die Disziplinarkommission der UEFA will am Dienstag ein Urteil verkünden, wie der Verband am Sonntag mitteilte. Ermittelt wird gegen Russland auch wegen angeblich rassistischen Verhaltens und des Zündens von Feuerwerkskörpern.

Zahlreiche Verletzte, ein Brite in Lebensgefahr

Bei der Partie in Marseille am Samstagabend waren russische Zuschauer auf in benachbarten Blöcken sitzende englische Fans losgestürmt und hatten diese attackiert.

Einige Anhänger mussten sich wegen der Angriffe sogar im Innenraum des Stadions in Sicherheit bringen. Dabei flüchteten die Attackierten sogar über Zäune bis in den Innenraum des Stade Vélodrome.

Zuvor waren bei heftigen Zusammenstößen zwischen Fangruppen vor dem Spiel mindestens 31 Menschen verletzt worden. Die französische Nachrichtenagentur AFP zählte am frühen Sonntagmorgen schon 35 Verletzte.

Nach Angaben von Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve schwebt ein britischer Fußball-Fan in Lebensgefahr.

An den gewalttätigen Auseinandersetzungen vor dem vierten Spiel der EM 2016 rund um den alten Hafen von Marseille waren neben englischen und russischen auch französische Randalierer beteiligt gewesen. Sechs Krawallmacher wurden festgenommen.

Drei Polizisten wurden bei den Einsätzen leicht verletzt, wie der Polizeipräfekt von Marseille, Laurent Nuñez, dem Sender BFMTV sagte. Auch nach der Partie kam es in Marseille zu weiteren Ausschreitungen.

Mark Whittle, Sprecher des englischen Fußball-Verbandes (FA), appellierte in einer nach dem Spiel verlesenen Erklärung an die englischen Fans, ihre Mannschaft respektvoll zu begleiten. "Die FA ist sehr enttäuscht über die Szenen heute. Nun liegt es in den Händen der Behörden", sagte Whittle.

Die französische Regionalzeitung "Nice Matin" berichtete nach Spielschluss in Marseille von Auseinandersetzungen zwischen nordirischen Fans und Einheimischen in Nizza, die von der Polizei beendet wurden. Dabei gab es nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP sieben Verletzte.

In Marseille setzte die Polizei bei den Krawallen am alten Hafen wie auch an den beiden Vortagen immer wieder Tränengas ein, um die Hooligans auseinanderzutreiben.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Anhänger beider Teams mit großer Brutalität mit Stühlen, Metallstangen und anderen Gegenständen aufeinander losgingen.

Bereits am Donnerstag und Freitag war es mehrfach zu Zusammenstößen mit englischen Fans in Marseille gekommen. Die Polizei setzte auch dabei jeweils Tränengas ein.

Randale englischer Fans hatte es in Marseille schon während der Weltmeisterschaft 1998 gegeben. Damals lieferten sich zumeist betrunkene Anhänger der "Three Lions" über zwei Tage hinweg heftige Auseinandersetzungen mit einheimischen Jugendlichen und tunesischen Fans. Dutzende Menschen wurden verletzt.