Wer Fußballspiele bei einer Feier mit Freunden in der eigenen Wohnung genießen möchte, sollte sich an ein paar Regeln halten. Das müssen Sie vor der EM 2016 über Grillpartys auf dem Balkon, lauten Jubel oder zu viele Gäste wissen.

Die Vorfreude steigt mit jedem Tag, den die Europameisterschaft näher rückt. Endlich kann man wieder gemeinsam mit seinen Freunden ausgelassene Fußballabende erleben, Tore bejubeln oder lautstark über den Schiri schimpfen. Die heimische Wohnung wird zur Partyzone und der Balkon zur Grillstation.

Doch Vorsicht. Auch beim Feiern gelten in den eigenen vier Wänden einige Regeln. Damit am Ende nicht der Nachbar (oder gar die Polizei) vor der Tür steht und die Feier frühzeitig beendet werden muss, haben wir ein paar Tipps für ein Fußballvergnügen ohne Unannehmlichkeiten gesammelt.

Sonderregelungen gibt es nicht

Dass die Polizei an Spieltagen während Europa- oder Weltmeisterschaften verstärkt wegen Ruhestörung ausrücken muss, ist kein Geheimnis. "Im Sommer, wenn das Wetter schön ist, haben wir während der Spiele mehr Einsätze", erklärt Gottfried Schlicht, Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums, gegenüber unserer Redaktion.

Sonderregelungen gibt es während der Zeit nicht, auch wenn die Polizei natürlich Verständnis für die Situation habe und mehr Toleranz zeige. "Wobei diese Toleranz an ihre Grenzen stößt, wenn Nachbarn sich belästigt fühlen", sagt Schlicht.

Wann ist laut zu laut?

Zwischen den Fußballspielen gibt es im Nachbarland viel zu erleben.

In einem gemischten Wohngebiet sind tagsüber nur 55 Dezibel - entscheidend ist der in dB(A) gemessene Wert - erlaubt, also weniger als ein normaler Staubsauger, informiert der Mieterschutzbund. Verlegt man die Feier auf Terrasse oder Balkon, ist auch das grundsätzlich erlaubt. So urteilte beispielsweise das Landgericht Frankfurt, dass 24 Teilnehmer einer Gartenparty "im Rahmen gesellschaftlicher Gepflogenheiten" seien.

Es liege außerdem in der Natur eines solchen Festes, dass gelacht und auch lauter geredet wird (Az.: 2/21 O 424/88).

Gibt es eine Obergrenze, wie viele Gäste in eine Wohnung eingeladen werden dürfen? "Gerichtlich ist das nicht entschieden", sagt Claus Deese, Geschäftsführer vom Mieterschutzbund in Recklinghausen.

Sprich: Jeder darf so viele Leute einladen, wie er möchte – bis er eben an seine technische Obergrenze stößt. Allerdings ist zu beachten, dass laut Immissionsschutzgesetz ab 22 Uhr Ruhe herrschen sollte. Vor allem an diese Nachtruhe sollten sich Feiernde halten, um Ärger zu vermeiden.

Gar nicht so einfach. Schließlich kann sich das private EM-Vergnügen dank Verlängerung und Elfmeterschießen ganz schön in die Länge ziehen. Polizeisprecher Gottfried Schlicht empfiehlt daher, sich nach 22 Uhr nicht mehr auf Balkon oder Terrasse aufzuhalten.

Bußgeld droht, wenn die Feier eskaliert

Was ist, wenn die Partygäste einfach nicht ruhig feiern wollen? Droht dem Gastgeber dann womöglich ein Bußgeld? Eine nächtliche Ruhestörung durch Partylärm ist rechtlich gesehen ein Verstoß gegen die örtlichen Immissionsschutzbestimmungen und damit eine Ordnungswidrigkeit.

Der Gastgeber der Party kann deshalb ein Bußgeld auferlegt bekommen. In der Regel versuchen die Beamten vor Ort aber, das Problem im Gespräch zu klären. Ein Bußgeld fällt für Gottfried Schlicht in die Rubrik "Ultima Ratio" – also das letztmögliche Mittel.

Achtung bei Dekoration auf dem Balkon

Der Mieterschutzbund empfiehlt, vor der Feier einen Blick in den Mietvertrag und in die Hausordnung zu werfen. Hier ist zum Beispiel festgehalten, ob das Grillen auf Balkon oder Terrasse erlaubt ist.

"Wer grillen möchte, muss Rücksicht nehmen. Es empfiehlt sich daher, Rücksprache mit den Nachbarn zu halten und diese über das geplante Grillen zu informieren", sagt Mietrechtsexperte Claus Deese.

Auch das Dekorieren des Balkons kann untersagt werden. Ist das im Vertrag so festgehalten, sollte man sich daran halten, um eine Abmahnung seitens des Vermieters oder gar eine Kündigung nicht zu riskieren.

Wenn etwas kaputt geht, haftet der Mieter ohnehin für alle Schäden, die seine Gäste anrichten.

Das klingt nach ganz schön vielen Regeln, die einem den Fußballabend schnell vermiesen könnten. So weit muss es nicht kommen. Mit gegenseitiger Rücksichtnahme sei ausgelassenes Feiern durchaus möglich, betont Gottfried Schlicht. Er empfiehlt den Nachbarn, in der Zeit der EM etwas toleranter zu sein.

Immerhin spiele die deutsche Mannschaft nicht jeden Tag. Den Feiernden legt der Polizeisprecher allerdings nahe, diese Toleranz nicht mit Füßen zu treten. Schließlich kann nach dem Halbfinale noch das Finale für die Lieblingsmannschaft folgen. "Und da will man doch auch noch feiern."

Am besten die Nachbarn einladen

Auch der Mieterschutzbund sieht es so: Wenn man die jeweiligen Vorschriften beachtet und ausreichend Rücksicht nimmt, steht einem fröhlichen Fußballabend nichts im Wege. Deese rät: "Laden Sie Ihre Nachbarn doch einfach zum gemeinsamen Anfeuern ein. So vermeiden Sie eventuelle Diskussionen und pflegen ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis."

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