Frankreichs Nationalmannschaft ist eine der besten der Welt - und sie liefert regelmäßig große Skandale. Die Liste der Verfehlung ist lang, sie reicht von Eric Cantona bis Karim Benzema. Es geht um Sex, Rassismus und nun auch Erpressung.

Natürlich beginnt alles mit Eric Cantona, dem schlimmsten aller schlimmen Finger in der gewiss nicht langweiligen Geschichte des französischen Fußballverbands FFF. Der legendäre Kung-Fu-Tritt Cantonas im Trikot seines damaligen Arbeitgebers Manchester United gegen einen Fan beschert dem Angreifer nicht nur eine über achtmonatige Sperre des englischen Fußballverbands - er bedeutet wenig später auch das vorzeitige Aus Cantonas in der Nationalmannschaft.

Trainer Aime Jacquet überwirft sich mit seinen schillernden Stars Cantona und David Ginola, die wiederum mit der Fraktion um Didier Deschamps und Marcel Desailly immer wieder schwerwiegende Differenzen haben. Der große Knall Mitte der 90er Jahre ist im Rückblick der Auftakt auf zwei turbulente Jahrzehnte in und mit der Equipe Tricolor. Eben jener Nationalmannschaft, die heute gegen die deutschen Nationalelf spielt (LIVE bei uns im Ticker).

Zidanes Kopfstoß

Zinedine Zidanes Kopfstoß in der Verlängerung des WM-Finals von 2006 gegen Marco Materazzi erlangt im Laufe der Zeit ebenso zweifelhaften Kultstatus wie Cantonas Tritt. Für den besten Spielmacher der damaligen Zeit ist es aber der unrühmliche Abpfiff einer grandiosen Karriere. Und es soll auch heute noch Mitspieler geben, die zumindest unterschwellig Zidane eine Mitschuld an der Niederlage gegen Italien geben.

Bombendrohung gegen Hotel: Vorbereitung auf Länderspiel gestört.

Schande von Knysna

Vier Jahre später in Südafrika macht sich Frankreichs Nationalmannschaft zum Gespött des Weltfußballs. Bereits im Vorfeld gibt es immer wieder heftige Auseinandersetzungen einzelner Spieler mit dem ungeliebten Raymond Domenech. Während des Turniers eskaliert die Situation im Mannschaftsquartier in Knysna.

Fast täglich macht sich der Tross im fernen Südafrika lächerlich: Die Spieler, die selbst in einer Nobelherberge mit Zimmerpreisen zwischen 600 und 1.200 Euro pro Nacht residierten, weigern sich, ein ehemaliges Township zu besuchen. Angeblich, um damit der Kritik aus der Heimat an der für zu luxuriös erachteten Unterbringung entgegenzutreten.

Dann kommt es in der Halbzeit des Spiels gegen Mexiko in der Kabine zum Eklat zwischen Domenech und Nicolas Anelka. Die Skandalnudel soll den Trainer als "Hurensohn" bezeichnet haben. Der Skandal fliegt auf und ganz Frankreich diskutiert darüber, ob Anelka nicht sofort in den nächsten Flieger nach Hause gesetzt werden solle.

Die Mannschaft hat sich da bereits festgelegt und eine offene Meuterei angezettelt, um ihrem Mitspieler zur Seite zu stehen. Kapitän Patrice Evra prügelt sich beinahe mit Co-Trainer Robert Duverne, seine Mitstreiter Franck Ribery, William Gallas, Jeremy Toulalan und eben Anelka setzen durch, dass die gesamte Mannschaft ein fest angesetztes Training boykottiert.

Der amtierende Vizeweltmeister scheidet nach der Vorrunde sang- und klanglos aus und in der Heimat werden sogar Kabinettssitzungen einberufen, um der "Schande von Knysna" beizukommen. "Frankreichs Nationalmannschaft - tot auf dem Feld der Ehrlosigkeit", schreibt die "L’Equipe", deren Veröffentlichungen den ganzen Skandal erst ins Rollen brachten.

Fans mögen es nicht: Spott und Häme für neues Auswärtstrikot.

Sex-Skandal um Ribery und Benzema

Domenech muss gehen, sein Nachfolger Laurent Blanc sorgt aber keine zwölf Monate später für große Empörung, als eine Diskussionsrunde publik wird, in der sowohl er als auch hochrangige Vertreter des Verbands sich für eine Quotenregelung für Jugendliche mit Migrationshintergrund an Leistungszentren und Sportschulen aussprechen. Ein Jahr später wird die Ehe zwischen Blanc und dem Verband dann schon wieder geschieden: Der Trainer ist zermürbt von den Rassismus-Vorwürfen und entscheidet sich lieber wieder für einen Vereinsjob bei Paris St.-Germain.

Da debattiert das Land längst über die bekannt gewordene "Prostituiertenaffäre" von Franck Ribery, Karim Benzema und Sidney Gouvou. Es geht um Sex mit der damals minderjährigen Zahia Dehar. Ribery und Benzema geben das zu, bestreiten aber vehement gewusst zu haben, dass die leichte Dame damals erst 17 Jahre jung war. Der Prozess gegen die Spieler beginnt 2012, es stehen als Strafmaß drei Jahre ohne Bewährung im Raum. Fast zwei Jahre später werden Ribery und Benzema aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Vor der WM 2014 in Brasilien macht zur Abwechslung mal kein Spieler von sich Reden, sondern eine Spielerfrau. Nachdem der neuen Nationaltrainer Didier Deschamps Mittelfeldspieler Samir Nasri auf den letzten Drücker aus dem Kader streicht, twittert dessen Freundin Anara Atanes relativ unmissverständlich: "Fuck Frankreich, fuck Deschamps. Was für ein beschissener Trainer." Wenige Wochen später tritt Nasri aus der Nationalmannschaft zurück.

Hotel verpasst Kicker schweinischen Namen - der twittert prompt ein Foto.

Benzema wieder im Fokus

Ebenso wie Ribery. Der hat sich in der Equipe und bei seinen Landsleuten nie in der Form gewürdigt gefühlt wie etwa beim FC Bayern. Der offen ausgetragene Streit zwischen Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Ribery auf der einen und dem französischen Trainerstab auf der anderen Seite im Rahmen von Riberys anhaltenden Rückenbeschwerden bringt das Fass zum Überlaufen. Der Spieler habe "Angst vor Cortison-Spritzen", heißt es und das wird bald landläufige Meinung.

"Nach seinem WM-Aus wurde gesagt, dass er Angst vor Spritzen hat, dass er Theater macht, dass Les Bleus ohne ihn besser spielen. Wenn man das hört, treibt einen das Negative", erklärt Berater Jean-Pierre Bernes den Schritt des Superstars. Das war im Sommer 2014.

Seitdem war es lange ruhig - bis vor wenigen Wochen die Affäre um Benzema und Mathieu Valbuena bekannt wird. Ein Sexvideo, das Valbuena mit seiner Freundin beim Beischlaf zeigt, soll in falsche Hände geraten sein. 150.000 Euro fordern die Erpresser von Valbuena, sonst erscheine das Video im Internet.

Die "L’Equipe" veröffentlicht vor wenigen Tagen den Telefonmitschnitt zwischen Benzema und seinem Jugendfreund Karim Zenati, der bereits wegen Drogenhandels hinter Gittern saß. Der soll eine oder mehrere der Personen kennen, die das Video besitzen und Valbuena damit erpressen.

Benzema saß deswegen vor einer Woche schon eine Nacht in Untersuchungshaft. Das Testspiel gegen Deutschland verpassen deshalb sowohl er, als auch Valbuena.