Er ist derzeit der beste Fußballer auf unserem Planeten. An diesem Sonntag könnte Cristiano Ronaldo seine Karriere mit dem EM-Titel krönen. Verdient hätte er es.

Die Frage nach dem besten Fußballer der Welt lässt sich nur anhand zweier Namen beantworten. Lionel Messi sagen die einen, Cristiano Ronaldo die anderen.

Auch wenn uns bewusst ist, dass unsere Meinung nicht überall gut ankommen wird, legen wir uns fest: Cristiano Ronaldo ist der beste Spieler der Welt – und zwar mit Abstand.

Zugegeben: Die Europameisterschaft verläuft für den Portugiesen durchwachsen. Er fand nur schwer in das Turnier. Allerdings hatte er die Wochen zuvor mit verschiedenen Blessuren zu kämpfen, ging also nicht 100-prozentig fit in die EM.

Portugals Superstar wird oft als eitler Arrogantling bezeichnet. Zu Unrecht.

Seine Leistungen gegen Wales und Ungarn waren trotzdem weltklasse. Ohne ihren Superstar wären die Portugiesen am Sonntag nicht im Finale, hätten wohl nicht einmal die Vorrunde überstanden.

Kaum Schwächen als Fußballer

Fußballerisch hat Cristiano Ronaldo eigentlich nur Stärken. Er ist wahnsinnig schnell, kaum vom Ball zu trennen, kommt ansatzlos zum Abschluss, schießt mit beiden Füßen hart und präzise und hat trotzdem immer einen Blick für die Mitspieler. Technisch bewegt er sich nahe der Perfektion, hat ein fast unendliches Repertoire an Offensivtricks und Finten.

In jungen Jahren erinnerte der Fußball von Ronaldo an eine Zirkusnummer. Ein Übersteiger hier, ein Kunststück dort – Hauptsache die Zuschauer sahen, was für ein toller Kicker er ist. Über die Jahre hat er gelernt, seine Ballfertigkeiten im Sinne der Mannschaft einzusetzen.

Klar: Bis hierhin lässt sich selbiges auch von Messi behaupten. Doch ist Ronaldo der komplettere Spieler. Im Kopfballspiel ist der Portugiese klar im Vorteil. Im Stile der Basketball-Legende Michael Jordan setzt er die Schwerkraft außer Kraft, wenn er nach oben steigt.

Bestes Beispiel war sein Kopfballtor gegen Wales. In einer Höhe von 2,61 Meter erreichte er den Ball und beförderte ihn mit einer Geschwindigkeit von 76 km/h ins Netz.

Ronaldo als "Ein-Mann-Mannschaft"

Trotz allem wurde Messi fünfmal zum Weltfußballer ernannt, Ronaldo "nur" dreimal. Das dürfte allerdings auch damit zusammenhängen, dass Messi mehr Titel gewann. Nicht weil er besser als Ronaldo ist. Nein. Er hatte beim FC Barcelona einfach die stärkeren Mitspieler.

Xavi und Andres Iniesta waren bzw. sind Meister darin, Messi perfekt in Szene zu setzen. Ronaldo haben solche Mitspieler bei Real Madrid meist gefehlt. Bis Gareth Bale dazukam und auf der anderen Seite ebenfalls Offensivdrang entwickelte, war Ronaldo praktisch ein Alleinunterhalter.

Überspitzt könnte man sagen: Die Aufgabe der Mitspieler bestand hauptsächlich daraus, den Ball irgendwie zu Ronaldo zu befördern und ihm viel Glück zu wünschen. In der portugiesischen Nationalmannschaft ist es teilweise heute noch so.

Natürlich ist Ronaldo ein Lautsprecher, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Allerdings nutzt er seine verbalen Qualitäten auch im Sinne der Mannschaft. Der 31-Jährige ist ein echter Anführer.

Bestes Beispiel war, wie er seinem Mitspieler Joao Moutinho vor dem Elfmeterschießen gegen Polen Mut zusprach. Seine Botschaft: Du schießt gut. Wenn du nicht triffst, dann ist es eben so. Es liegt nun eh in Gottes Hand.

Auch menschlich ein Ass

Überhaupt hat Ronaldo zuletzt viele Sympathiepunkte gesammelt. Es gibt nicht viele Fußballer, die einem Fan auf dem Spielfeld gewähren, ein gemeinsames Selfie zu machen. Ronaldo tat das schon zweimal - selbst wenn der eine Fan eine gefühlte Ewigkeit brauchte, um sein Smartphone in Gang zu bekommen.

Nun mögen einige Ronaldo-Gegner behaupten, er hätte das lediglich gemacht, um seine Beliebtheit zu steigern. Tatsache ist aber: Wenn Real Madrid Woche für Woche kranke Kinder auf das Trainingsgelände einlädt, nimmt sich niemand so viel Zeit für sie wie Ronaldo – auch ohne Kameras.

Zudem spendet er Geld und sogar Blut. Seine Prämien teilte er zuletzt mit den Physiotherapeuten seiner Mannschaft.

Titel wäre mehr als verdient

Ronaldo hätte den EM-Titel verdient. Zumal es möglicherweise seine letzte Chance ist, um mit Portugal einen großen Titel zu holen. Bei der nächsten Weltmeisterschaft wird er 33 Jahre, bei der nächsten Europameisterschaft 35 Jahre alt sein.

Auch bei Ronaldo, dessen Lebensstil an Professionalität kaum zu toppen ist, wird der Alterungsprozess irgendwann zu spüren sein.

Selbst im Falle eines EM-Triumphs wird es weiterhin viele Fußballfans geben, die dem oft als selbstverliebten Schnösel bezeichneten Star nichts abgewinnen können.

Als er vor einigen Jahren von gegnerischen Fans ausgepfiffen wurde, sagte er: "Sie beneiden mich einfach, weil ich reich, schön und ein großer Fußballer bin."

Diese Aussage war arrogant, sie kostete ihm viele Sympathien. Später bereute er selber, dies gesagt zu haben.

Aber sind wir doch einmal ehrlich: Kein Wort davon war gelogen!