Noch nie wurde eine Mannschaft früher Deutscher Meister als der FC Bayern München. Kritiker halten die Münchner Liga-Dominanz nicht nur für langweilig, sondern halten sie sogar für gefährlich für den deutschen Fußball. Doch diese Sicht ist zu einseitig.

Kein Spiel in der Bundesliga verloren, in 27 Spielen nur 13 Gegentore kassiert und bereits im März den Meistertitel geholt: Der FC Bayern München hat in diesem Jahr einen Rekord nach dem anderen aufgestellt. Pure Langeweile? Von wegen! Denn das bringt Chancen für den deutschen Fußball - nicht nur in Hinblick auf die WM 2014 in Brasilien.

Die Bundesliga ist überhaupt nicht langweilig

Die Meisterschaft mag entschieden sein, doch vielmehr nicht. Der Kampf um die Qualifikationsplätze zur Champions-League- und Europa-League ist immer noch offen. Insgesamt können sich die ersten zehn Mannschaften noch Hoffnungen auf einen Europapokal-Startplatz machen - auch wenn Dortmund und Schalke die Plätze zwei und drei wohl unter sich ausmachen dürften.

Auch der Abstiegskampf bleibt spannend. Zwischen Stuttgart auf Platz 17 und Hannover auf Rang zwölf liegen gerade einmal fünf Punkte. Selbst dem Tabellenletzten aus Braunschweig fehlen nur drei Punkte auf den Relegationsplatz 17. Das heißt, dass die Bundesliga für die Zuschauer weiterhin sehenswert bleibt. Und dann gibt es da ja noch eine Frage, die die Fans beschäftigt: Welches ist das erste Team, das die Münchner nach mittlerweile 52 ungeschlagenen Bundesliga-Spielen wieder besiegt?

FC Bayern München macht Werbung für die Bundesliga

Ebenso dominant wie in der Liga ist der FC Bayern München in dieser Saison in der Champions League aufgetreten. Nur eine Niederlage mussten die Münchner hinnehmen, gegen Machester City in der Gruppenphase. Das allerdings erst als der Einzug ins Achtelfinale bereits feststand. Eine Verteidigung des Champions-League-Sieges ist für Bastian Schweinsteiger durchaus "möglich".

Es wäre das erste Mal, dass dies einem Verein gelänge - und wäre eine tolle Werbung für den deutschen Fußball. Damit würde die Bundesliga gerade im internationalen Vergleich noch einmal aufgewertet werden - sowohl sportlich für internationale Fußball-Stars als auch aus Vermarktungsperspektive.

Dominanz belebt das Bundesliga-Geschäft

Immer wieder heißt es, dass den Vereinen gerade in Spanien und England wesentlich mehr Geld zur Verfügung steht - wegen reicher Investoren, mehr TV-Geldern oder höheren Merchandising-Erlösen beispielsweise auf dem asiatischen Markt. Dem Argument wiedersprach DFL-Chef Christian Seifert vergangene Woche im "Spiegel": "Fakt ist, dass viele Bundesligisten mehr finanzielle Möglichkeiten haben als die meisten anderen Klubs in Europa. Wir müssen konstatieren, dass in der Bundesliga acht Klubs einen Etat von mehr als 100 Millionen Euro haben." Diese Potential schöpft neben dem FC Bayern aktuell aber nur Borussia Dortmund aus.

Auch Seifert nimmt die anderen Bundesligisten in die Pflicht: "Für die Bundesliga ist es nicht gefährlich, dass der FC Bayern aktuell allen davon eilt", sagte er im "Spiegel". Statt über die Münchner zu sprechen, so Seifert, "wäre es vielleicht besser, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Wenn man aber nur immer die Bayern besonders stark redet, nimmt man etwas Druck von sich - und den eigenen Ansprüchen".

FC Bayern München bringt Rückenwind für die WM

Aktuell haben die Bayern dank millionenschwerer Investitionen in den Kader mit Sicherheit die qualitativ stärkste Mannschaft. Dass die anderen Bundesligisten nicht so einen hohen Etat wie die Münchner haben und damit kurzfristig auch nicht ähnliche Spieler zu ihren Klubs locken können, stimmt. Bastian Schweinsteiger erklärt den aktuellen Durchmarsch der Münchner aber nicht nur mit einer "unglaublichen Qualität", sondern auch einer besonderen "Mentalität in der Mannschaft".

Das dürfte auch der DFB-Elf im Sommer bei der WM in Brasilien zugute kommen. Im entscheidenden Meisterschaftsspiel gegen die Hertha standen beim FC Bayern mit Neuer, Boateng, Lahm, Kroos, Schweinsteiger, Müller und Götze sieben Nationalspieler auf dem Platz. Damit kann Joachim Löw bei der WM trotz der aktuellen Verletztenmisere bereits auf ein gut funktionierendes und eingespieltes Gerüst zurückgreifen - eine komfortable Situation. Und sollte die DFB-Elf bei der WM ähnlich dominant auftreten wie der FC Bayern München, dürfte das niemanden stören.