Im DFB-Pokal-Achtelfinale gibt es siebenmal das Duell Klein gegen Groß. Beste Chancen auf eine Überraschung darf sich wohl ein Drittligist machen. Für den Rest wird es ungeheuer schwer.

Im ewigen Kampf des Großen gegen den Kleinen sind die sehr, sehr Kleinen schon lange nicht mehr dabei. Ins Achtelfinale des DFB-Pokals (Dienstag und Mittwoch jeweils ab 19:00 Uhr live bei uns im Scoring und auf Sky) hat es noch genau ein Amateurverein geschafft - wenn man denn eine Institution wie Kickers Offenbach als Amateurklub betiteln mag.

Formell mag das für einen Regionalligisten so sein, auf einen Drei-Klassen-Unterschied sollte sich Gegner Borussia Mönchengladbach aber besser nicht verlassen.

Die Partie der Kicker gegen die Borussia weist die größte Unwucht im Kräfteverhältnis der verbliebenen 16 Mannschaften aus, auf dem Papier sollte da für den Bundesligisten nicht viel anbrennen. Nur kann der Bieberer Berg in Offenbach für Gästemannschaften zur reinsten Hölle werden, in der ersten Runde hat das Zweitliga-Spitzenreiter Ingolstadt schmerzhaft erfahren müssen, danach der Karlsruher SC.

Eintracht Braunschweig muss zum FC Bayern München

Fußballerisch sollten Mönchengladbach den Gastgebern mannshoch überlegen sein, die spezielle Konstellation mit einem Flutlichtspiel im Pokal und die Tatsache, dass in einer einzigen Partie tatsächlich einiges möglich ist, lässt den Kickers aber einen spaltbreit die Aussicht auf eine Sensation - und nicht weniger wäre das Weiterkommen der Hessen.

Weniger Chancen werden gemeinhin nur Eintracht Braunschweig eingeräumt. Die gehen zwar als gesetzter Zweitligist ins Rennen, mussten aber dummerweise die Reise nach München antreten - zum FC Bayern München, nicht zum TSV 1860. Die Eintracht hat in der Rückrunde bisher kaum überzeugt, die Bayern schießen seit einigen Wochen alles kurz und klein.

Zuletzt gab es acht, dann sechs, dann immerhin noch vier FCB-Tore. Alle gegen Bundesligisten. Wie soll das erst gegen die armen Braunschweiger enden? Die Chancen der Löwen aus dem Norden dürften jedenfalls noch unter denen der Offenbacher Kickers liegen…

Andre Schürrle und Co. verbreiten Angst und Schrecken

Einen Hauch besser steht es bei RB Leipzig. Die sind mit den neuen Trainer Achim Beierlorzer rechtzeitig vor dem Duell mit dem VfL Wolfsburg wieder in der Spur und haben zudem ein Heimspiel. Das alleine feit die Defensive der Bullen aber nicht vor der Offensivpower der Gäste: Bas Dost, Kevin de Bruyne, Andre Schürrle oder Daniel Caligiuri verbreiten derzeit Angst und Schrecken.

Die Leipziger Spezialität des Nachvorneverteidigens steht gegen die Blitzkombinierer aus Wolfsburg mehr denn je auf dem Prüfstand. Vermutlich wird es für den Zweitligisten gegen die zweitbeste Mannschaft der Bundesliga nicht reichen.

Vergleichbar ist das Szenario in Dresden. Dynamo Dresden hat sich bisher als Ruhrpott-Schreck einen Namen gemacht, erst Schalke und danach den VfL Bochum rausgeworfen. Das wiedererstarkte Borussia Dortmund dürfte aber ein anderes Kaliber darstellen.

Vor drei, vier Wochen wäre die Ausgangslage gegen einen zu diesem Zeitpunkt zittrigen BVB eine bessere gewesen. Jetzt muss das nächste Wunder her, um den Traum von der ersten Finalteilnahme im DFB-Pokal am Leben zu halten. Das kann nur zusammen mit den Fans funktionieren - und mit den Toren von Justin Eilers. Drei der vier Dresdener Pokaltreffer gehen auf das Konto des 26-Jährigen, am Wochenende traf er in der 3. Liga gegen Regensburg dreifach.

Damit ist Eilers auf Platz zwei der Torjägerliste in der 3. Liga gerückt - und trotzdem noch weit entfernt vom derzeit führenden Fabian Klos. Dessen 18 Tore sind der Grundstein für die souveräne Tabellenführung von Arminia Bielefeld. Insgesamt 56 Tore hat die Arminia in dieser Saison bereits erzielt und ist damit die gefährlichste Mannschaft der 3. Liga.

Wie geht Werder Bremen mit dem Rückschlag um?

Pokalgegner Werder Bremen hat zwei Klassen höher bereits 49 Gegentore kassiert und ist damit Schlusslicht in dieser Statistik. Das 3:5 zuletzt gegen Wolfsburg hat den Höhenflug von Viktor Skripniks Mannschaft ausgebremst. Wie wird Werder mit so einem Rückschlag umgehen? Auf der Alm stehen die Chancen auf eine Überraschung jedenfalls nicht schlecht, auch wenn Bremen die beste Pokalrunde seit fünf Jahren spielt.

Nicht ganz so optimistisch dürfte der VfR Aalen in sein Duell mit 1899 Hoffenheim gehen. Aalen ist weiter auf der Suche nach seiner Form, während die Gäste in der Bundesliga an die internationalen Plätze heranschnuppern und mit Kevin Volland einen der derzeit formbesten Angreifer Deutschlands in ihren Reihen haben.

Als vierter verbliebener Zweitligist steht dem 1. FC Kaiserslautern bei Bayer Leverkusen eine ungeheuer schwere Aufgabe ins Haus. Der überzeugende Sieg Bayers in der Champions League gegen Atletico Madrid hat die Stimmung bei der Werkself merklich aufgehellt. Zudem sinnt Leverkusen auf Revanche: Im Vorjahr hat der FCK im Viertelfinale in der BayArena die Überraschung geschafft und den Favoriten rausgekegelt. "Das wird am Dienstag nicht noch einmal passieren", kündigt Leverkusens Trainer Roger Schmidt an. "Wir gehen den Pokal mit großer Ernsthaftigkeit an."

Alle Partien im Überblick

SpielzeitHeim Auswärts
Dienstag
19:00 Uhr
LeverkusenK'lautern
AalenHoffenheim
20:30 UhrFreiburgKöln
DresdenDortmund
Mittwoch
19:00 Uhr
LeipzigWolfsburg
BielefeldBremen
20:30 UhrOffenbachGladbach
FC BayernB'schweig