Es ist schon eine Krux mit dem Fußball: Eigentlich kann man sich nie so richtig freuen. Denn immer gibt es irgendetwas zu diskutieren. Im Fall des Spiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay ist es vor allem die löcherige Abwehr, die Deutschlands Fußballexperten auf den Plan ruft. Dabei ist es viel zu früh in der Saison, um sich Sorgen zu machen. Mit Sicherheit.

Man braucht das nicht schönreden. Die deutsche Nationalmannschaft stand in der Defensive schon mal sicherer, als das beim 3:3 gegen Paraguay der Fall war. Und Mats Hummels, ja Mats Hummels hatte einfach einen sehr schlechten Tag erwischt. Kann ja mal vorkommen.

Wird es aber nicht mehr. Mit Sicherheit. Da muss man nur Bundestrainer Jogi Löw ganz genau zuhören. "Das wird nicht in dem Maße so weitergehen, weil wir uns mit Sicherheit stabilisieren werden. Wir werden der Mannschaft und einzelnen Spielern die Fehler noch mal zeigen und das Training nutzen, um darauf einzugehen. Das ist ein wichtiges Thema. Da werden wir mit Sicherheit nicht nachlassen", stellt Löw mit Nachdruck klar.

Während Hummels seine Stellungsfehler bei den Gegentoren eins und drei noch zehnmal auf Großbildleinwand vorgeführt bekommt, können sich die Fans trösten. Es gibt noch ein paar andere, ganz logische Gründe, warum man zu Beginn der WM-Saison auf keinen Fall in Panik verfallen muss.

Die Spielpraxis fehlt

August ist naturgemäß ein etwas problematischer Termin für die Nationalmannschaft. Die Bundesligaspieler haben gerade erst mit dem Ligabetrieb begonnen und die Legionäre stecken mitten in der Vorbereitung. In Spanien beginnt die Saison erst am 17. August. Das betrifft immerhin Stammkräfte wie Sami Khedira und Mesut Özil von Real Madrid. Vor allem Özil war die fehlende Spielpraxis gegen Paraguay deutlich anzumerken. Khedira war zwar wie immer äußerst dynamisch unterwegs - manchmal allerdings in die falsche Richtung, wie beim unfreiwilligen Assist zum zweiten Gegentor. Diese kleine Verwechslung wird ab September nicht mehr vorkommen. Mit Sicherheit.

Und auch England beginnt erst am 17. mit dem Ligabetrieb. Dass Arsenal-Innenverteidiger Per Mertesacker seinem Kollegen Hummels an diesem eher bescheidenen Tag nicht viel helfen konnte, ist ohne Spielpraxis auch irgendwie klar.

Der Angriff ist ebenfalls von der Kaltstartproblematik betroffen. In Italien beginnt die Liga sogar noch eine Woche später. Miroslav Klose von Lazio Rom und sein Sturmkollege Mario Gomez vom AC Florenz stecken also noch mittendrin in der Vorbereitung. Und anscheinend sind die Trainingslager in Italien "ein bisschen anders", als man das aus Deutschland kennt. "Ganz speziell" eben, meint Gomez. Ob das härter und leichter heißt, ist eigentlich egal. Tatsache ist, dass keiner der beiden Stürmer vor dem DFB-Spiel gegen Paraguay ein wirklich wichtiges Match bestritten hat.

Schweinsteiger fehlt auch

Und dann wäre da noch das mysteriöse Fehlen von Mittelfeldstratege und Chefstabilisator Bastian Schweinsteiger. Offizieller Grund für sein Fernbleiben ist der Trainingsrückstand nach seiner Fußoperation. Für den FC Bayern hat es allerdings auch gereicht. Wobei man es natürlich schon verstehen kann, dass sich Schweinsteiger nicht unbedingt bei einem halbwegs unbedeutenden Nationalmannschaftskick verletzen will. Da ist es zu Hause auf der Couch auf jeden Fall schöner und sicherer. Wobei ja fast drei Millionen Unfälle jährlich in den eigenen vier Wänden passieren. Aber das nur am Rande.

Jedenfalls ist eine Mannschaft mit Schweinsteiger allemal stabiler als eine Mannschaft ohne Schweinsteiger. Aber wenn es für die deutsche Nationalmannschaft wieder um etwas geht, wie zum Beispiel beim WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich am 6. September, dann wird er voraussichtlich wieder auf dem Platz stehen und lenken, denken und antreiben. Und alle restlichen Spieler haben ordentlich Spielpraxis. Dann sieht das ganze Spiel der Nationalmannschaft bis zum Beginn der Weltmeisterschaft in Brasilien schon wieder ganz anders aus. Mit Sicherheit.