Die Hoffnungen des FC Bayern München auf das Erreichen des Endspiels der Champions League erhalten im Halbfinal-Heimspiel gegen Real Madrid einen gehörigen Dämpfer. Die Gäste aus der spanischen Hauptstadt gewinnen nach turbulenten 90 Minuten mit 2:1 (1:1).

Mehr CL-Meldungen

Von Beginn an setzte der Deutsche Meister den Champions-League-Sieger mit engagiertem und schnellem Offensivspiel unter Druck. Der "Überfall" aber verpuffte zunächst.

Kimmich jagt den Ball zum 1:0 ins Netz

Real rettete sich immer wieder aus brenzligen Situationen. Erst, als James Rodriguez in der 28. Minute einen fabelhaften Pass in die Schnittstelle der spanischen Deckung in den Lauf Joshua Kimmichs servierte, klingelte es. So sehenswert Kimmichs Schrägschuss von der rechten Seite war: Reals Keeper Keylor Navas sah in dieser Szene schlecht aus.

Zu diesem Zeitpunkt fehlte den Bayern bereits Publikumsliebling Arjen Robben.

Thiago ersetzt Robben

Der Flügelspieler musste schon nach acht Minuten ausgewechselt werden, nachdem er bei einem Flankenversuch unglücklich mit einem Gegenspieler kollidierte. Für den Fußball-Routinier kam Thiago in die Partie.

Noch vor der Pause wechselte Bayern-Coach Jupp Heynckes ein zweites Mal, weil sich auch Jérôme Boateng ohne Fremdeinwirkung verletzte. Den Verteidiger ersetzte Nationalmannschafts-Kollege Niklas Süle.

Nationalverteidiger Jerome Boateng, Mitte, wird am 25. April 2018 in der ersten Halbzeit des Halbfinalhinspiels der Champions League zwischen dem FC Bayern und Real Madrid verletzt vom Platz geführt. Für den Münchner kommt in der 34. Minute Niklas Süle.

Auf der Tribüne sah Bundestrainer Joachim Löw, wie Boateng in der 34. Minute von Bayerns Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt gestützt vom Spielfeldrand in die Katakomben humpelte.

Der Weltmeister griff sich dabei an den linken hinteren Oberschenkel. Eine ernste Verletzung könnte Boateng die WM-Teilnahme in Russland kosten.

Marcelo schockt die Bayern

Für die Bayern aber kam es noch schlimmer. Marcelo traf aus dem Nichts in der 44. Minute zum Ausgleich. Ein Schock kurz vor der Pause. Die Bayern hatten ein starkes Spiel gezeigt, sich aber nicht belohnt.

Nach dem Seitenwechsel unterlief Routinier Rafinha ein kapitaler Fehlpass im Mittelfeld. Der für Isco zur zweiten Hälfte eingewechselte Marco Asensio spielte einen schnellen Doppelpass mit Lucas Vázquez und ließ Sven Ulreich im Kasten der Platzherren keine Abwehrchance.

Das 2:2 will nicht mehr fallen

Der Rest der Begegnung war bis in die 94. Minute hinein geprägt vom verzweifelten Versuch der Bayern, sich eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel im Santiago Bernabeu zu verschaffen.

Dort scheiterten der Bundesliga-Primus bereits im Vorjahr nach einem 1:2 zu Hause im Viertelfinale.mit 2:4 nach Verlängerung höchst knapp und unglücklich.

Müller: "Wir waren zu naiv"

"Es steht am Ende ein 2:1 für Madrid, wir haben unseren Teil dazu beigetragen, obwohl viel mehr möglich war. Das tut weh, aber zeigt auch, dass im Rückspiel etwas drin ist", sagte Münchens Kapitän Thomas Müller: "Wir hätten aus dem Spiel ein viel besseres Ergebnis holen müssen. Wir waren zu naiv."

Kimmich meinte: "So viele Riesenchancen hatten wir nicht mal gegen Hannover letzte Woche. Real hat 2:1 auswärts gewonnen, da sind sie jetzt leicht favorisiert, aber wir werden alles reinhauen."

Kroos: "Nehmen dieses Ergebnis mit"

Madrids deutscher Weltmeister Toni Kroos sah eine "durchschnittliche Leistung" seiner Mannschaft und ergänzte: "Es war ein hartes Stück Arbeit. Bayern hat uns vor eine Aufgabe gestellt, aber wir nehmen das Ergebnis mit - und das ist gut. Wir können aber noch besser spielen."

Jupp Heynckes, vor 20 Jahren Champions-League-Sieger mit Real Madrid, sprach im ZDF von einem "kuriosen Spiel" und beklagte die vielen ausgelassenen Torchancen seiner Elf.

Boateng schwerer verletzt als Robben

Hinsichtlich der Boateng-Verletzung wusste Heynckes von einem Stich in den Adduktoren, der einen Ausfall nach sich ziehen könnte. Bei Robben sehe es wohl nicht ganz so schlimm aus, so der Erfolgstrainer.

Zu den Aussichten, mit den Bayern trotzdem wie schon 2013 ins Finale vorzustoßen, ergänzte der 72-Jährige: "Wir waren nicht hungrig genug. Der Abschluss passte nicht. Aber wir geben uns nicht auf. Wir haben nicht mehr viel zu verlieren."

(hau/dpa)

Teaserbild: © imago/Eibner