Der Scheich-Klub Manchester City und sein Trainer Pep Guardiola gewannen vergangenes Wochenende die englische Premier League - doch der Pokal stinkt, sagt unser Kolumnist.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

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Die Enthüllungen von Football Leaks im "Spiegel" darf man durchaus kritisch sehen. Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, woher die unbestreitbar echten Dokumente stammen, auf die sich die Berichterstattung stützt. Wurden sie womöglich gestohlen?

Auch rechtfertigt nicht jeder Bericht die Verletzung des Persönlichkeitsrechts und der Vertraulichkeit, die juristischen Schriftstücken innewohnt. Zu viel Belangloses gelangt an die Öffentlichkeit. Und nach seiner Entlarvung hinterließ der selbsternannte Whistleblower "John" keinen sonderlich seriösen Eindruck.

Manchester City: Verstecke Zahlungen halfen beim Aufbau

Angesichts der jüngsten Entwicklungen zu Manchester City muss man aber genauso entschieden feststellen: Solche Enthüllungen, wie jetzt die "New York Times" darlegte, sind Risiken und Nebenwirkungen allemal wert.

Nur so kann das Publikum, das den Fußball liebt, von den Finanztricks und Machenschaften erfahren, wie versucht wird, die Chancengleichheit in den europäischen und nationalen Wettbewerben auszuhebeln.

Da kann Trainer Pep Guardiola seinen erneuten Triumph in der Premier League noch so euphorisch feiern: Sein Pokal stinkt gewaltig.

Die offenbar versteckten Zahlungen der Scheichs halfen ihm beim Aufbau einer Mannschaft, die nicht organisch gewachsen ist, sondern wie in einem Versuchslabor mit den besten Elementen, die zu kaufen waren, entstand.

Alle Klubs, die sich an die Regeln halten, Sponsorengelder akquirieren und allein mit Sachverstand Erfolge erzielen wollen, dürfen sich hintergangen und betrogen fühlen. Auch die deutschen Klubs.

UEFA und FIFA stehen vor einer existenziellen Frage: Ist das der Fußball, den sie beabsichtigen?

Manchester City hat erst am letzten Spieltag seinen Meistertitel in der englischen Premier League verteidigt, steht aber nur einen Tag später vor der möglichen Disqualifikation für die Champions League. Doch wieso?

Liebe UEFA, jetzt muss gehandelt werden!

Football Leaks hat seinerzeit offengelegt, wie Verbandsbosse schützend ihre Hand über Geldgeber aus den Ölstaaten hielten und die Strafe milderten. Allein diese nicht begründbare Milde verletzt alle Grundwerte, die ein Fußballverband für sich in Anspruch nimmt.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat jetzt die Chance, die Fehler seiner Vorgänger nicht zu wiederholen: Er muss der Rechtssprechung freie Hand geben. Nur dann wird die folgende Botschaft bei den Klubvertretern, die mauscheln, vielleicht verstanden:

  • Erstens: Dass alles auffliegt und nicht folgenlos bleibt.
  • Zweitens: Fußball bedeutet mehr als der Gewinn von irgendwelchen Pokalen.
Pit Gottschalk, 50, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit'ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de.
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