Pierre-Emerick Aubameyang bestätigt gegen Benfica seine starke Form und schießt Borussia Dortmund fast im Alleingang ins Viertelfinale der Champions League. Der BVB-Sieg war aber auch ein Sieg der neuen Effizienz.

Jetzt ist die Sache mit Thomas Tuchel und Pierre-Emerick Aubameyang natürlich wieder gut. Was wurde nach dem Hinspiel in Lissabon debattiert. Aubameyang war der Chancentod, vergab eine Möglichkeit nach der anderen, als Sahnehäubchen noch einen Elfmeter - und wurde vom Trainer beim Stand von 0:1 ausgewechselt.

Ein Aufschrei der Empörung schwappte durch die Republik, befeuert von Ikonen wie Ottmar Hitzfeld, der einen Stürmer wie Aubameyang nie und nimmer ausgewechselt hätte. Der Gabuner war in Lissabon die Speerspitze einer Dortmunder Mannschaft, die offenbar noch nicht einmal wusste, wie man Effizienz buchstabiert.

So besonders viele gelernte Angreifer hat der BVB nicht mehr in seinem Kader und schon gar nicht welche mit der Qualität Aubameyangs. Streng genommen findet sich da gar kein vergleichbarer Spieler mehr. Weshalb das Brennglas in jedem wichtigen Spiel auf den 27-Jährigen gerichtet ist.

Tuchels Beitrag zur Gala

Vor ein paar Wochen hatte Aubameyang eine Phase, in der es einfach nicht laufen wollte. Lissabon war der negative Höhepunkt dieser Entwicklung. "Ich war danach sehr traurig, denn ich hatte in Lissabon viele Fehler gemacht. Deshalb wollte ich meinen Mitspielern heute zeigen, dass ich das viel besser kann." Das sagte der Spieler am Mittwochabend in der zugigen Mixed Zone im Signal Iduna Park. Da stand er, frisch geduscht und mit dem Spielball unter dem rechten Arm und beantwortete alle relevanten und vielleicht auch weniger relevanten Fragen. Wie schon vor drei Wochen in Lissabon. Und doch war diesmal alles anders.

Mit drei Toren hat Aubameyang die Borussia fast im Alleingang ins Viertelfinale der Champions League geschossen. Beim 4:0 über Benfica war der Gabuner - mal wieder - der Spieler des Spiels. Vergessen die Diskussionen um seine Form, seine vergebenen Chancen, seine Leistungsdelle.

"Nachdem wir im Hinspiel mit seinem Zwillingsbruder gespielt haben, war es gut, dass er heute selbst da war und die Dinge geregelt hat", sagte Tuchel danach. Der Trainer hat also doch die richtigen Knöpfe gedrückt im Umgang mit seinem wertvollsten Spieler. Das kann nach der Gala gegen Benfica und den anderen Spielen der jüngeren Vergangenheit niemand mehr anzweifeln.

Aubameyang und die neue Effizienz

Die Auswechslung in Lissabon hatte zum einen spieltaktische Gründe. Und zum anderen schützte Tuchel den Spieler wohl ein wenig vor sich selbst. Nach der Rückkehr nach Dortmund verordnete er Aubameyang einen lockeren Umgang mit der Mini-Krise, gab dem Angreifer in den Trainingseinheiten viele Abschlussmöglichkeiten, übte, übte, übte.

Im zweiten Spiel nach Benfica platzte der Knoten in Freiburg. Dem ersten Doppelpack folgte am Wochenende gegen Leverkusen gleich der nächste und nun gab es eben drei Tore gegen Benfica. "Ich habe es oft genug gesagt: Wir werden kein Ziel erreichen ohne Aubameyang in Topform", sagte Tuchel, der sich sehr wohl bestätigt fühlen durfte, seine innere Genugtuung aber nicht zur Schau stellte.

Das Schicksal eines Angreifers spiegelte auch die Partie im Signal Iduna Park wider. Aubameyang war nicht besonders auffällig, hatte 25 Ballaktionen. Aber eben fünf Torschüsse, von denen vier aufs Tor und drei davon ins Tor flogen. Dazu mit seinen wenigen Ballkontakten gleich sieben Torschussbeteiligungen.

Gleich der erste Versuch landete im Netz, da waren drei Minuten und 50 Sekunden gespielt. Diese neue Effizienz, die der BVB und auch Aubameyang in den letzten Spielen für sich entdeckt haben, war ebenfalls ein Schlüssel zum Weiterkommen. "Auba ist da mit seiner Schnelligkeit und seiner Nase. Er hat jetzt doppelt und doppelt getroffen in der Liga", sagte Tuchel. "Also war es heute der perfekte Zeitpunkt für einen Dreierpack."

Auf gar keinen Fall wollten sich die Dortmunder noch über das Hinspiel ärgern, hatte Tuchel noch erzählt. Das ist an einem denkwürdigen Abend mit Nachdruck gelungen.

"Give some gas"

"Es war ein fantastischer Abend. Ich bin sehr glücklich, dass wir gewonnen haben und weitergekommen sind", sagte Aubameyang, dem erstmals in seiner Karriere drei Tore in einem Champions-League-Spiel gelungen waren und in der Halbzeitpause von Tuchel mit einer Ansage in bester Roman-Weidenfeller-Manier gepusht worden sein soll. "Give some gas", soll Tuchel gesagt haben, wie der Angreifer hinterher lachend behauptete.

Mit jetzt sieben Toren aus sieben Spielen hat Aubameyang in der Königsklasse eine überragende Quote aufzuweisen, doch das dürfte Aubameyang nur am Rande interessiert haben. Der hatte nur Augen für den Ball unter seinem Arm und wo er den noch in der Nacht zu Hause platzieren würde.

"Wenn ich drei Tore schieße, nehme ich den Ball immer mit und schenke ihn meinen Kindern", sagte er. "Die anderen Bälle liegen auch schon im Kinderzimmer." Mittwochnacht ist ein neuer Ball dazu gekommen. Und es muss noch nicht der Letzte sein.