FC Bayern gegen Real Madrid: Am Mittwoch kommt es zum Highlight der bisherigen Saison, wenn der deutsche Rekordmeister im Halbfinale der Champions League auf die "Königlichen" trifft. Klaus Augenthaler hat selbst oft gegen Real gespielt - im Interview verrät er unserer Redaktion exklusiv, wie er die Chancen der Bayern auf ein Weiterkommen einschätzt.

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Klaus Augenthaler hat als ehemaliger Spieler des FC Bayern seine ganz eigenen Erfahrungen mit Real Madrid gemacht. Er hat Erfolge gefeiert, die Spanier bis aufs Blut gereizt, ist vom Platz geflogen, hat ihnen die Hörner gezeigt.

Nun kommt es im Champions-League-Halbfinale (Mittwoch, 20:45 Uhr, LIVE bei uns im Ticker) mal wieder zu einer Neuauflage des Duells der Königlichen mit dem deutschen Rekordmeister.

Augenthaler verrät uns im Interview exklusiv, wie er die Chancen der Bayern auf ein Weiterkommen einschätzt und ob Manuel Neuer seiner Mannschaft gerade in diesen Spielen besonders fehlen wird.

Herr Augenthaler, Sie haben ja selbst einige äußerst – sagen wir mal – interessante Partien gegen Real erlebt. Welche ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Mir sind natürlich die Halbfinal-Partien von 1987 am besten in Erinnerung: Wir haben im Hinspiel 4:1 gewonnen, haben sehr gut gespielt, ich habe ein Tor gemacht. Aber vor allem das Rückspiel war denkwürdig. Da stand es 1:0 für Real und ich bin in der 20. Minute nach einer Tätlichkeit an Hugo Sanchez (einer Ohrfeige, Anm. d. Red.) vom Platz geflogen.

Damals soll ja auch der Mythos der "Bestia negra" entstanden sein – auch wenn Oliver Kahn diesen Mythos gerne für sich beansprucht.

Wir haben schon vor Oliver Kahn – ohne ihm etwas wegnehmen zu wollen – einige Male gegen Real gespielt.

Da gab es wirklich hitzige Auseinandersetzungen. Einmal sind wir eben im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister weitergekommen und einmal im Viertelfinale ausgeschieden.

Und bei den Duellen um den Bernabéu-Cup, den wir zweimal geholt haben, oder auch bei einem Vorbereitungsspiel in München, das wir mal 7:1 oder 8:1 gewonnen haben, hat sich Madrid natürlich schon in seiner Ehre gekränkt gefühlt und wollte das so nicht auf sich sitzen lassen.

In den letzten beiden Aufeinandertreffen hat Real der Bestie scheinbar den Zahn gezogen. Kehrt die "Bestia negra" dieses Mal zurück? Was spricht dafür, dass Bayern wieder zum Angstgegner für Real wird?

Angstgegner ist ein blödes Wort. Sie haben schon oft gegeneinander gespielt und beim letzten Zusammentreffen war das Ausscheiden der Bayern etwas unglücklich. Ich möchte da auch gar nicht mehr nachkarten, wer da welche Fehler gemacht hat, ob das die Mannschaft war, oder der Trainer. Das braucht es nicht.

Wenn man jetzt den Vergleich zu den letzten Jahren zieht, glaube ich, dass der FC Bayern sehr gute Chancen hat ins Finale zu kommen, so wie sie drauf sind unter Jupp Heynckes. Die Mannschaft harmoniert, sie spielt erfolgreich und sie spielt schönen Fußball.

In Madrid werden schon im Vorfeld die Verbal-Keulen geschwungen. Trainer Zinédine Zidane kündigt einen "Kampf bis zum Tod" an, Real-Präsident Florentino Pérez glaubt, die Spieler werden "ihre Seelen auf dem Platz lassen". Wie interpretieren Sie diese Aussagen? Ist das Nervosität?

Klar hauen die diese Sprüche raus. Real ist in der Meisterschaft hinter Barcelona abgeschlagen. Denen bleibt nur noch die Champions League, woran sie sich klammern. Da spielt sicherlich auch Nervosität mit rein.

Wer könnte, aus Ihrer Sicht, zum entscheidenden Bayern-Spieler am Mittwoch werden? Der klassische Kämpfer, Arturo Vidal, fällt ja aus …

Man sollte da keinen einzelnen Spieler herausnehmen. Es kommt darauf an, wer auf dem Platz steht. Ribéry und Robben zum Beispiel, die ja seit Jahren auf dem Niveau spielen, können spielentscheidend sein.

Oder Lewandowski, oder Müller. Oder wenn Real wirklich stark ist, dann sind plötzlich die Abwehrspieler im Fokus. Aber vor allem kommt es auf die geschlossene Mannschaftsleistung an.

Ist es ein Nachteil, dass Manuel Neuer gegen Real nicht im Tor stehen wird? Hätte nicht schon seine bloße Anwesenheit, sein Ruf die Madrilenen eingeschüchtert?

Manuel Neuer ist Manuel Neuer, aber Manuel Neuer hat jetzt lange Zeit nicht gespielt. Und Sven Ulreich vertritt ihn hervorragend.

Da braucht man jetzt nicht sagen, wäre Manuel Neuer dabei, hätten die Madrilenen mehr Respekt. Ulreich macht einen hervorragenden Job.

Jean-Marie Pfaff hat im "Kicker" gesagt, das Rückspiel im Bernabéu werde für Ulreich eine neue Erfahrung. Es sei dort eine besondere mentale Herausforderung, "nicht die Nerven zu verlieren". Ist Ulreich dieser Herausforderung gewachsen?

Ulreich hat schon einige Champions-League-Spiele gemacht. Neuer ist ja schon längere Zeit verletzt. Ulreich hat sich enorm entwickelt. Er ist ein ruhiger, sachlich gebliebener Spieler und ein Torwart, der der Abwehr Rückhalt gibt, der Selbstvertrauen ausstrahlt.

Man kann Ulreich nicht mit Neuer vergleichen. Aber es ist nun einmal so, dass Neuer nicht zur Verfügung steht und Ulreich hat das Vertrauen von Trainer und Mannschaft.

Was würden Sie den Bayern-Spielern sagen: Wie tritt man Cristiano Ronaldo, dem Weltfußballer, der auch mal Spiele allein entscheiden kann, am besten gegenüber?

Man weiß ja, wer bei Madrid spielt, wer die entscheidenden, wichtigen Tore schießt und geschossen hat und darauf wird Jupp Heynckes die Mannschaft einstellen.

Aber einen Spieler wie Cristiano Ronaldo kann man einfach nicht hundertprozentig über 90 Minuten ausschalten. Er wird die eine oder andere Möglichkeit bekommen. Aber Bayern wird natürlich versuchen, diese Chancen zu minimieren.

Und wie schätzen Sie die Leistung von Toni Kroos bei Madrid ein?

Er hat sich enorm entwickelt. Das hätte ich nicht gedacht. Er ist inzwischen eine feste Größe bei Real Madrid.

Das hat bei den Bayern wohl viele überrascht. Kroos war wahrscheinlich das Schnäppchen des Jahrtausends …

So etwas gibt es ab und zu (lacht).

Immer wieder gibt es Gerüchte, Robert Lewandowski würde im Sommer einen Wechsel zu Real Madrid forcieren. Inzwischen muss man fast davon ausgehen, dass da auch etwas dran ist. Können solche Überlegungen einen Spieler hemmen, oder sind sie eher ein Extra-Motivationsschub?

Ich glaube nicht, dass Lewandowski aus diesem Grund noch einmal ein paar Prozent drauflegt, weil es gegen Real geht und er vielleicht zu Real möchte. Ich glaube, dass Lewandowski seine Leistung abrufen möchte und abrufen wird, weil er ins Finale kommen will.

Und wie geht es aus?

Ich glaube, ein 1:0 wäre schon ein gutes Ergebnis. Momentan denke ich, dass Bayern wirklich sehr stark ist. Sie haben in den letzten Wochen gezeigt, dass sie gut drauf sind, dass sie Tore erzielen können. Aber ich bin wirklich ein sehr schlechter Tipper.

Da sind wir schon zwei. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Augenthaler!

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