Der FC Bayern München enttäuscht im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Porto. Trotzdem haben die Verantwortlichen den Einzug ins Halbfinale noch nicht abgeschrieben - und hinter dieser Überlegung steckt mehr als Zweckoptimismus.

Auf die dicken Zigarren haben sie beim FC Bayern München in der Nacht nach der Enttäuschung im Drachenstadion dann doch lieber verzichtet. Für gewöhnlich stecken sich die Münchner Granden nach großen Champions-League-Abenden noch eine an.

Das hat sich der FC Bayern München selbst eingebrockt: Dem deutschen Rekordmeister droht nach der Niederlage beim FC Porto das Aus im Viertelfinale der Champions League. Bei den Gegentoren hilft der FCB munter mit - und für Portos schärfste Waffe findet Pep Guardiola keine Lösung.

In Porto gab es beim obligatorischen Bankett nur leider gar nichts zu feiern. Das 1:3 gegen den krassen Außenseiter FC Porto schürt die Angst vor dem frühen Ausscheiden in der Königsklasse. Der FC Bayern München ist in Portugal buchstäblich auf dem falschen Fuß erwischt worden, die Mannschaft wirkte lethargisch, körperlich und geistig nicht frisch, ausgelaugt und müde.

Gegen einen Gegner, der von der ersten bis zur letzten Sekunde aggressiv war, der den Bayern mit hohem Angriffspressing dauerhaft zusetzte und dem Kontrahenten in den Zweikämpfen auch körperlich wehtat, war der deutsche Rekordmeister an diesem Abend nicht auf der Höhe.

Schiri-Experte klärt auf: Darum hätte der FCB-Torwart vom Platz gehört.

"Wir waren nicht so sicher im Passspiel und haben uns kaum Torchancen herausgespielt. Das war das eine Manko. Und das andere waren die Fehler, die wir gemacht haben", sagte Manuel Neuer in Anspielung auf die drei Gegentreffer, die allesamt nach furchtbaren individuellen Verfehlungen seiner Vorderleute fielen.

FC Bayern München kriecht auf dem Zahnfleisch

Die Bayern hatten zwar oft den Ball, sie kontrollierten deshalb aber nicht das Spiel. Im Prinzip war die Partie ein Abziehbild der jüngsten Auftritte gegen Mönchengladbach, Dortmund oder Leverkusen. Die Bayern kämpfen sich derzeit durch die Wochen. Die vielen Verletzten lassen den verbliebenen Kader allmählich auf dem Zahnfleisch daherkommen.

Drei Fehler, drei Gegentore: Gegen den FC Porto zeigte vor allem die Hintermannschaft des FC Bayern München haarsträubende Schwächen. Doch erklärt das alleine die 1:3-Pleite gegen das angebliche Champions-League-Viertelfinal-Glückslos aus Portugal? Das schreibt die deutsche Presse.

Vier Spiele in elf Tagen, darunter die beiden Schlachten in Dortmund und im Pokal in Leverkusen, hinterlassen ihre Spuren. Und ein Gegner wie Porto - frisch und motiviert - nimmt die Geschenke dann eben auch dankend an. "Das Ergebnis sagt oft etwas über die Leistung aus", stellte Thomas Müller nach der zweithöchsten Niederlage der laufenden Saison folgerichtig fest.

Und das ist eine der wenigen guten Nachrichten dieses Abends: Die Bayern-Spieler waren größtenteils einsichtig und selbstkritisch, was die Vermutung nahe legt, dass eine solche Leistung im Rückspiel nicht noch einmal denkbar ist.

Kein Rundumschlag der Bayern-Bosse

Die Verantwortlichen gingen mit ihrem Team nicht zu hart ins Gericht. "Das Rückspiel wird schwer, keine Frage", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Aber habe großes Vertrauen in dieses großartige Team und diesen großartigen Trainer. Ich bin nicht bereit, die Mannschaft zu kritisieren. Irgendwann ist der Tag, wo du kaputt bist ..."

Auch Sportvorstand Matthias Sammer fasste seine Gedanken in klare Worte. "Das sind Rückschläge, keine Frage. Aber wenn man eine große Mannschaft sein will, muss man in der Lage sein, das wegzustecken." Der vierte Halbfinaleinzug in Folge dürfte ein hartes Stück Arbeit werden gegen diese Portugiesen. Auf der anderen Seite gibt es im Verlauf einer Kampagne immer wieder diesen einen gefährlichen Moment, den es zu überstehen gilt.

Zahlreiche Verletzte in entscheidender Phase der Saison

Trainer Pep Guardiola war im Hinspiel in punkto Spielausrichtung kaum etwas vorzuwerfen. Es fehlt ausgerechnet dem Glamour-Kader der Bayern derzeit an jener gewissen Individualität, die auf diesem Niveau nur zu oft den Unterschied ausmacht. Es fehlen Franck Ribery, Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger oder David Alaba. Philipp Lahm und Thiago sind noch nicht bei hundert Prozent ihrer Leistungsfähigkeit. Und andere, wie Dante oder Alonso, stecken derzeit in einem Leistungsloch.

Der Spanier und der Brasilianer dürften im Rückspiel kaum noch einmal in der Anfangsformation stehen, so viel muss Guardiola dann zumindest personell ändern. Womöglich sollte er auch schnell ein paar pfiffige Standardvariationen austüfteln - die Eckbälle und Freistöße im Estadio do Dragao waren einer Bayern-Mannschaft nicht würdig.

Auf die Rückkehr seiner Stars wird er nicht hoffen können. Bereits am Dienstag steigt die entscheidende zweite Partie in der Allianz Arena. Also müssen die Münchener im Rückspiel ohne ihre Spezialisten noch mehr über den Teamgeist funktionieren und vor allen Dingen eine andere Passqualität an den Tag legen.

"Wir sind voller Optimismus, wir brauchen eine Topleistung - und wir sind dazu in der Lage", sagte Sammer dann noch. Es war als Aufforderung an seine Mannschaft zu verstehen. Und als Drohung an den Gegner.