Vorne die Chancen nicht genutzt, hinten zwei "Eiertore" kassiert: Der FC Bayern hadert nach der 1:2-Niederlage gegen Real Madrid mit sich selbst. Die Hoffnung auf den Finaleinzug geben die Münchner aber nicht auf.

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Der FC Bayern verliert das Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid unglücklich mit 1:2 und bangt zudem um einige seiner Stars. Dennoch gibt der deutsche Rekordmeister die Hoffnung auf den Final-Einzug nicht auf. "Ich denke, dass wir unverdient verloren haben und dass wir das Spiel hätten gewinnen müssen", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes nach dem Spiel. "Das stimmt mich doch schon ein Stück weit optimistisch."

Heynckes haderte damit, dass sein Team den Madrilenen durch eklatante Fehler zwei Tore geschenkt habe. "Wenn man dann auch noch so viele große Chancen nicht nutzt, darf man sich nicht wundern, wenn man gegen Real verliert."

Die miese Chancenverwertung machten auch die Bayern-Stars als Hauptgrund für die unnötige Niederlage fest. Joshua Kimmich, der in der 28. Minute das 1:0 erzielt hatte, sagte gefrustet: "Ich hätte vor dem Spiel nicht gedacht, das wir so viele hochkarätige Chancen bekommen. So viele Riesenchancen hatten wir nicht mal gegen Hannover letzte Woche."

Müller: "Wir waren zu naiv"

Thomas Müller betonte, dass das Ergebnis ganz anders hätte ausfallen können. "Wir waren zu naiv. Wir hatten mehrere sehr, sehr gute Chancen. [...] Ich musste öfter mal süffisant lächeln, als es mit 1:1 in die Kabine ging. Wir hätten ein viel besseres Ergebnis holen müssen. Das tut weh."

Real sei verwundbar gewesen, aber man habe es leben lassen, so der Nationalspieler, der eine "Killermentalität" seines Teams vermisste. "Es ist ein ganz schwer zu verdauendes Spiel. Wir haben aber gezeigt, was gegen die Mannschaft alles möglich ist. Im Fünfmeterraum haben sich fast schon kuriose Sachen abgespielt." Müller blieb dennoch optimistisch und verkündete trotzig: "Wir geben nicht auf."

Niklas Süle, der für den verletzten Jerome Boateng eingewechselt wurde, sagte sogar, er habe "lange nicht so ein schwaches Real Madrid" gesehen und bezeichnete die Gegentreffer als "Eiertore". "Das war nicht das Real Madrid, was ich kannte. Wir saßen alle in der Kabine und waren geknickt, weil wir die bessere Mannschaft waren", so Süle weiter.

Selbst Real-Star Toni Kroos gab zu, dass der FC Bayern "vielleicht die bessere Mannschaft" war. Sein Trainer Zinédine Zidane sah hingegen ein "gutes Spiel" seines Teams, ähnlich wie Kapitän Sergio Ramos, der von einem "tollen Spiel" sprach.

Sorgen um Boateng, Robben und Martínez

Mit dem 2:1-Erfolg, den die Madrilenen trotz eines schwächelnden Cristiano Ronaldo und dank der Tore von Marcelo und Marco Asensio sicherstellten, geht die Favoritenrolle vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag nun ganz klar an den Titelverteidiger, zumal den Bayern schmerzhafte Ausfälle drohen.

Boateng musste nach einer guten halben Stunde wegen einer Verletzung im Adduktorenbereich vom Platz. "Bei ihm ist es etwas Muskuläres, er wird wohl ausfallen", meinte Heynckes mit Blick auf das Rückspiel.

Arjen Robben und Javi Martínez mussten ebenfalls verletzt vom Spielfeld. Robben humpelte schon kurz nach Spielbeginn in die Kabine. "Wir hoffen, dass es nicht so schlimm ist", sagte Heynckes.

Martínez hatte in der Schlussphase einen Schlag gegen die Schläfe bekommen. "Javi war benebelt", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

FC Bayern gegen Real Madrid: In den ersten 45 Minuten versäumt es der Deutsche Meister, im Halbfinalhinspiel der Champions League für klare Verhältnisse zu sorgen.