Bei Olympiakos Piräus startet der FC Bayern München die Mission Champions-League-Titel. Bis ins Finale ist es ein langer Weg, die Konkurrenz ist wie jede Saison enorm, es lauern Gefahren - und trotzdem deutet einiges darauf hin, dass es die Bayern dieses Mal packen können.

Kein Betriebsausflug ohne das entsprechende Selfie: "Up up and away!" teilte David Alaba in etwas krummem Englisch via Twitter mit und sendete ein Bildchen dazu, das ihn mit den Kollegen Thiago und Douglas Costa im Flieger nach Griechenland zeigt.

Der FC Bayern München startet am Mittwochabend bei Olympiakos Piräus (20:45 Uhr, LIVE im ZDF, bei Sky und bei uns im Ticker) seine Jagd nach dem Henkelpott; im Karaiskakis-Stadion des griechischen Serienmeisters beginnt die Hatz nach der begehrtesten Trophäe des Klubfußballs.

Der Beginn einer langen Reise steht an, die im kommenden Mai im Sehnsuchtsort Guiseppe-Meazza-Stadion in Mailand enden soll. Es wird eine ganz spezielle Königsklassen-Saison für die Münchner, so viel lässt sich bereits vor dem ersten Anstoß sagen.

Das macht Hoffnung

Die Bayern haben ihre Hausaufgaben erledigt. Der Umbruch ist in vollem Gange, aber er macht sich nicht wie bei anderen Klubs in Leistungsschwankungen oder sogar -einbrüchen bemerkbar. Eher im Gegenteil: Die Münchner verstehen es weiterhin blendend, ihr Spiel zu variieren, zu stabilisieren, auch mal Kräfte zu sparen.

Sie können fast frei auswählen zwischen verschiedenen Philosophien, sind flexibel, können agieren oder zur Not auch mal nur reagieren. Sie spielen durch das Zentrum oder über die Flügel, pressen früh oder spät, kontrollieren Ball und Gegner oder schalten blitzschnell um. Kurz: Sie sind kaum ausrechenbar.

Die Mischung im Kader scheint perfekt zu passen: hier die Altgedienten, die bereits wissen, wie sich der Gewinn der Champions League anfühlt. Philipp Lahm, Manuel Neuer, Thomas Müller, Jerome Boateng, David Alaba, Franck Ribéry, Arjen Robben und Javi Martinez bilden immer noch den Grundstock dieser Mannschaft. Dazu kommen Thiago und Xabi Alonso, die bereits mit Barca und Real beziehungswiese Liverpool die Königsklasse gewonnen haben.

Und auf der anderen Seite komplettieren Spieler wie Arturo Vidal, Juan Bernat, Mario Götze, Douglas Costa oder Robert Lewandowski den Kader. Sie bringen vielleicht noch eine Spur mehr Gier mit auf ihren ersten großen internationalen Titel im Klubfußball.

Hier lauern Gefahren

Wie wichtig es ist, im letzten, entscheidenden Saisondrittel noch genügend Kräfte und hochqualifiziertes Personal zu haben, mussten die Bayern in der vergangenen Saison leidvoll erfahren. Die Halbfinal-Partien gegen Barca bestritt der FCB mit einer Rumpfmannschaft, fast ein halbes Dutzend verletzter Spieler konnte selbst Bayerns Luxuskader auf diesem Niveau nicht mehr auffangen.

Zwar wird das Münchner Flügelspiel in dieser Saison in hohen Tönen gelobt, die Ausfälle von Robben und Ribéry dürften auf Dauer aber auch für die Bayern nicht zu verkraften sein. Während beim Niederländer eine Rückkehr absehbar ist, bleibt Ribérys Zukunft ungewiss.

Ebenso wie die Rolle, die Mario Götze in Guardiolas Systemen spielen soll. Der Weltmeister ist drauf und dran, sich besser zu integrieren und zu einem noch wichtigeren Bestandteil der Mannschaft zu werden. Er muss jetzt aber in den entscheidenden Momenten auch zur Stelle sein und sich für den Trainer unverzichtbar machen. Das Problem: Sind alle Offensivspieler fit, lässt sich für Götze nur schwer eine Planstelle finden. Guardiola verzichtete in den wichtigen Spielen fast schon konsequent auf Götzes Dienste, lediglich die angespannte Personalsituation bescherte dem 23-Jährigen einige Einsatzzeiten in den großen Spielen.

Zwei Stufen weiter als Götze ist Robert Lewandowski. Der Pole ist der einzige echte Stoßstürmer im Kader, eine langwierige Verletzung Lewandowskis würde die Bayern wohl vor ziemlich große Probleme stellen. Mit Lewandowskis Gesundheit steht und fällt das Unternehmen Titelgewinn, die Bayern sollten inständig darauf hoffen, dass dem 27-Jährigen nichts passiert.

Und der Trainer? Guardiolas Zukunft ist weiter ungeklärt, Stand heute endet sein Vertrag in München im kommenden Sommer. Es ist also die letzte Chance, aus seinem Engagement bei den Bayern mehr als eine Episode zu machen. "Bei Bayern zählt nur das Triple", hatte Guardiola selbst einst gesagt. Am Abschneiden in der Königsklasse wird er sich messen lassen müssen - selbst wenn die Bayern die historische vierte deutsche Meisterschaft in Serie einfahren.

So stehen die Chancen

Titelverteidiger Barca sowie Real Madrid dürften die ganz großen Favoriten sein. "Barca ist der Topfavorit, wer dahinter kommt, muss man sehen", sagt Jerome Boateng.

Allerdings hat die Vergangenheit zweierlei gelehrt: Noch nie ist es einer Mannschaft seit Einführung der Königsklasse vor 22 Jahren gelungen, den Titel zu verteidigen. Und nicht immer ist auch der Topfavorit am Ende auch ganz vorne gelandet.

Die teilweise vernichtenden Niederlagen der Bayern in den Halbfinals gegen Barca (2015) und Real (2014) sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass der FCB in beiden Vergleichen durchaus hätte bestehen können. So weit weg vom Erfolg wie es die Ergebnisse ausdrückten, waren die Münchner in den vier Partien nicht.

Barca, Real, vielleicht einer der englischen Klubs, vielleicht auch wieder Atlético Madrid oder Paris Saint-Germain und natürlich die Bayern: Das sollten die Favoriten auf den Titel sein.

Die Münchner sind bestens vorbereitet, sie sind heiß und sie haben aus den Fehlern der letzten beiden Jahre gelernt. Das Optimum scheint möglich, kurzum: Dieses Jahr sind die Bayern einfach wieder dran!