ManCity? Barca? Celtic? Borussia Mönchengladbach kann diese Gegner an einem guten Tag schlagen. Um die Hammer-Gruppe in der Champions League aber auch zu überstehen, muss Trainer André Schubert ein lästiges Problem endlich in den Griff bekommen. Ob das heute in Manchester bereits klappt?

Wenn Borussia Mönchengladbach in der vergangenen Champions-League-Saison für etwas stand, dann für Spektakel. 20 Tore sind in Partien mit Borussia-Beteiligung gefallen - trotz eines mauen 0:0 gegen Juventus. Am Ende reichte es für Gladbach nicht mal mehr für die Trostrunde Europa League, zwölf Gegentore in sechs Spielen waren dann doch zu viel.

Nun unternimmt die Borussia einen erneuten Anlauf im wichtigsten Vereinswettbewerb der Welt. Heute tritt man bei Manchester City an - hier im Live-Ticker.

Wieder hat Gladbach die schwerste aller Gruppen erwischt mit den Titelfavoriten Barcelona und Manchester City sowie Schottlands Serienmeister Celtic. "Wenn man sich für die Champions League qualifiziert, will man nicht in Molde auf Kunstrasen spielen, sondern im Camp Nou, einem der tollsten Stadien Europas. Klar ist aber: Wir fahren da nicht hin, um uns die Stadien anzugucken und die Hymne zu hören", sagt Christoph Kramer selbstbewusst.

Er war letzte Saison nicht dabei. Aber auch Kramer dürfte aufgefallen sein, dass die Borussia einen Schritt weiter ist als damals. Die Mannschaft hat aus den Erfahrungen gelernt, aus ihren Fehlern und den Dingen, die bereits damals schon ganz gut funktioniert haben.

... und RB Leipzig hat tatsächlich Fans - die Lehren des 2. Spieltags.

Punktuell sehr gefährlich

Die Offensive ist etwas zu spät ins Laufen gekommen - aber sie war existent. Gladbachs ungewöhnliches 3-4-1-2-System ist auf schnelle Umschaltbewegungen nach Ballgewinn ausgelegt und sehr ausgereift. Gegnerische Mannschaften, die auch nur einen Tick zu spät anlaufen, werden von der Borussia teilweise gnadenlos dafür bestraft.

Die Beweglichkeit des Systems, das ohne echten Keilstürmer auskommt und stattdessen mit den Positionswechseln von Raffael, Stindl, Hazard oder Hahn viele Räume schafft, ist schwer auszurechnen. Dazu kommt die Tatsache, dass sich Mannschaften wie Barcelona oder Pep Guardiolas Manchester City über viel Ballbesitz und Positionsspiel definieren - in der jüngeren Vergangenheit aber nicht immer die notwendige Absicherung in der Defensive hatten.

Es sind Ansatzpunkte, die darauf schließen lassen: Borussia Mönchengladbach hat Fähigkeiten und Fertigkeiten, die auch den ganz Großen des europäischen Fußballs wehtun können. Das hat auch Pep Guardiola in diesen Tagen schon einige Male betont. Nun ist der Katalane dafür bekannt, dass er alles und jeden erstmal lobt und wohl selbst vor einer Bezirksliga-Mannschaft warnen würde.

In diesem Fall aber darf man Guardiolas Worte vor dem Duell am ersten Spieltag ernst nehmen. Lediglich gegen die Borussia konnte er in der letzten Saison in der Bundesliga mit den Bayern nicht gewinnen, das 1:3 in Mönchengladbach war sogar die einzige Vorrunde-Niederlage Guardiolas in seiner Zeit in Deutschland überhaupt. Insgesamt nur zwei von sechs Spielen gewann Guardiola gegen Gladbach. Der neue Coach der Citizens weiß also, wie gefährlich dieser Gegner sein kann.

Borussia bleibt unkonstant

Es gibt aber auch einige Probleme, die Trainer André Schubert in knapp einem Jahr als Cheftrainer nicht in den Griff bekommen hat. Die Wankelmütigkeit der Mannschaft bleibt ein Charakteristikum. Gladbach ist eine Wundertüte, einem schillernden Auftritt in der Champions League kann wenige Tage später eine schmachvolle Niederlage gegen ein Bundesliga-Kellerkind folgen. Das 1:3 in Freiburg am Wochenende war ein Paradebeispiel dafür.

So viel Freiraum die Ausrichtung mit der Dreierkette auch in der Offensive bringt, so anfällig ist die letzte Linie, wenn die beiden äußeren Mittelfeldspieler im defensiven Umschalten nicht dicht genug an die Abwehrkette rücken. Das hat dann einiges von Kamikaze-Fußball, der solch wundersame Ergebnisse zu Tage fördert wie ein 4:2 gegen Sevilla - oder ein 2:4 gegen City.

Beim Spiel im Etihad Stadium sah Schubert "60 Minuten lang eine fast perfekte Leistung" seiner Mannschaft. Gladbach führte bereits 2:1, ging dann aber noch böse ein und verspielte Platz drei und damit die Europa League.

Neue Verteilung der CL-Gelder lässt kleinere Klubs in die Röhre gucken.

Gladbach braucht Mut

Ein wichtiges Schlagwort für den Auftakt bei City, aber auch die gesamte Champions-League-Saison ist "Mut". "Wir gehen immer mit dem Gefühl rein, dass wir mehr Bock darauf haben, etwas zu gewinnen, als Angst davor zu haben, etwas zu verlieren", sagt Schubert.

"Wir wissen, dass wir ans Limit gehen und alles abrufen müssen. Und wir wissen, dass wir gegen eine individuell sehr, sehr starke Mannschaft spielen. Für mich ist es eine der besten Mannschaften der Welt, mit großen Chancen, Titel zu gewinnen."

Besonders großen Eindruck hat Mönchengladbach auf der Insel offenbar nicht hinterlassen. Das Derby gegen United war auch am Montag noch Stadtgespräch Nummer eins, die Zeitungen waren voll mit Geschichten über Guardiolas Sieg gegen Jose Mourinho und der ewigen Torhüterdebatte. Von Gladbach gab es kaum etwas zu berichten.

Vielleicht sollte die Borussia dieses Mal einfach nicht nur 60, sondern die kompletten 90 Minuten "fast perfekt" spielen. Und wenn sie schon dabei sind, auch gleich eine perfekte Vorrunde abliefern. Denn nicht weniger wird es brauchen, um in die K.o.-Phase einzuziehen.