Gute Lose für die deutschen Klubs: Dortmund sollte keine großen Probleme bekommen, selbst Bayer Leverkusen ist nicht chancenlos und die Bayern haben ihren Lieblingsgegner erwischt. Nur einer sieht das anders: Mesut Özil.

Was war da nicht alles im Lostopf: Wahre Horror-Duelle wurden prognostiziert, gegen Barcelona, Paris Saint-Germain, Manchester City. Nach der Auslosung des Champions-League-Achtelfinals am Montag können die deutschen Klubs einigermaßen aufatmen.

Benfica, Arsenal und Atletico heißen die Gegner von Borussia Dortmund, dem FC Bayern und Bayer Leverkusen.

Das vermeintlich leichteste Los hat sich Borussia Dortmund mit seinem Remis im Bernabeu vor wenigen Tagen noch erspielt. Der BVB war der einzige deutsche Gruppensieger und durfte deshalb auf einen machbaren Gruppenzweiten hoffen. Mit Benfica ist dieser Wunsch wohl auch in Erfüllung gegangen.

Achtelfinal-Auslosung in der Champions League Wie viele deutsche Teams schaffen's ins Viertelfinale?
  • A
    Keins!
  • B
    Wenigstens ein Team packt's
  • C
    Zwei kommen weiter
  • D
    Alle drei!

Benficas glorreiche Zeiten sind längst passé, auch das kleine Zwischenhoch vor einigen Jahren ist wieder beendet. Im Konzert der Großen Europas ist Benfica ein gern gesehener Ausbildungsklub, quasi Jahr für Jahr verlassen die besten Spieler den Verein und heuern im zahlungskräftigen Ausland an.

BVB: Weiterkommen ist Pflicht

In der Gruppenphase haben sich die Portugiesen in einer schwachen Gruppe gerade so als Zweiter durchwurschteln können und dabei am letzten Spieltag sogar noch Schützenhilfe von Dynamo Kiew benötigt. Zusammen mit dem FC Porto dürfte Benfica die schwächste aller verbliebenen 16 Mannschaften sein.

Auch wenn BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke pflichtergeben warnt. "Es gab bei den fünf möglichen Gegnern keinen großen Qualitätsunterschied. Benfica ist die beste Mannschaft Portugals, ein großer Name und es werden super Spiele für unsere Fans. Aber wir haben die Chance, zu bestehen."

Das ist natürlich ziemlich untertrieben. Der BVB geht in diesen Vergleich als klarer Favorit, daran ändert auch Benficas gute Saison in der heimischen Liga bislang nichts. International ist Benfica ein Pendler zwischen Europa League und Champions League. Und als solcher ist für die Borussia ein Weiterkommen Pflicht.

Mal wieder gegen Arsenal

Warum man das Los der Bayern eigentlich noch mit großem Tamtam ziehen musste, bleibt ein Rätsel. Da gewinnt Arsenal nach Urzeiten endlich mal wieder seine Gruppe, um den Bayern zu entgehen. Dann werden die Münchener doch überraschend nur Zweiter - und selbstverständlich wieder gegen die Gunners gelost.

Bereits zum elften Mal kommt es in der Königsklasse zu diesem Duell, dreimal davon in der K.o.-Runde. Und dreimal kamen die Bayern am Ende weiter, zuletzt in den Jahren 2013 und 2014. In den letzten sechs Jahren ist Arsenal sechsmal im Achtelfinale gescheitert. Und es hat den Anschein, als ereile die Gunners dieses Schicksal auch in dieser Saison.

Bayern in der Favoritenrolle

Arsenal hat eine gute Gruppenphase gespielt, unter anderem PSG klar hinter sich gelassen. In der Liga läuft es mit nur einer Niederlage nach 15 Spielen auch sehr ordentlich. Dazu spielt Mesut Özil seit Wochen in bestechender Form. Aber: Arsenal ist nicht konstant genug.

Und im Vergleich mit den Bayern fehlt es dem Kader in der Breite an Qualität. Arsenal kann sich keine Ausfälle seiner Stars erlauben. Mit vier Wettbewerben und ohne die erholsame Winterpause ist der Spielplan der Londoner üppig bestückt - keine besonders günstige Voraussetzung, um dann im Februar auf die Bayern zu treffen.

Arsenal ist ganz sicher kein leichtes Los. Aber für eine Mannschaft wie die Bayern sollten die Gunners im Achtelfinale nicht zum Stolperstein werden. "Wir haben mit Arsenal schon einige Erfahrungen in der Champions League gemacht, und ich meine, fast nur positive. Daran gilt es jetzt anzuknüpfen", sagt Jerome Boateng.

Apropos Boateng: Der lieferte sich mit Özil via Twitter einen sehr netten Vorab-Schlagabtausch:

Es ist was drin für Bayer

Auf dem Papier am schlimmsten hat es Bayer Leverkusen erwischt. Die Werkself bekommt es mit Atletico zu tun, dem Finalisten der letzten Saison und einer der unbequemsten Mannschaften des gesamten Wettbewerbs.

Atletico dürfte als leichter Favorit in den Vergleich gehen, die Rojiblancos bringen einfach mehr Erfahrung mit als Bayer. In den engen Spielen der Königsklasse zeigten sie in den letzten Jahren auch mehr Biss. Und trotzdem ist Leverkusen alles andere als chancenlos.

Atletico kommt in dieser Saison nicht so recht ins Laufen, Torjäger Antoine Griezmann hängt derzeit ein wenig durch. Dass Bayer mithalten kann, haben die beiden Spiele vor knapp zwei Jahren gezeigt, als es auch im Achtelfinale zweimal ein 0:0 gab und Leverkusen erst im Elfmeterschießen scheiterte.

Und: Leverkusens Spielweise ähnelt der von Atletico. Das bereitet den Spaniern erfahrungsgemäß größere Probleme als ein Gegner, der viel auf eigenen Ballbesitz aus ist und das Spiel selbst gestalten will.

"Atletico ist eine große Herausforderung, wir freuen uns auf Madrid. Und wir haben mit denen ja noch eine Rechnung offen", sagt Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade.

"Ich erwarte zwei Spiele auf Augenhöhe. An guten Tagen kann Bayer 04 jeden Gegner schlagen - an schlechten allerdings auch gegen jeden Gegner verlieren. Wir müssen bis dahin an unserer Konstanz arbeiten und hoffen, dass wir unsere Verletzten wieder zurückbekommen."