Die Rechte für die Ausstrahlung der Champions League und der Europa League in Deutschland werden in Kürze neu vergeben. Und es zeichnet sich ab: Sehr wahrscheinlich werden ab 2018 keine Spiele mehr im Free-TV ausgestrahlt. Was bedeutet das für die deutschen Fans?

Es gab mal eine Zeit, da zeigte ein kleiner Sender namens tm3 die Champions League.

Der Privatsender aus München sicherte sich um die Jahrtausendwende fast schon sensationell die Ausstrahlungsrechte.

850 Millionen D-Mark kostete das Rechtepaket damals für vier Jahre; tm3 übertrug dann selbst eine Saison lang, ehe der Sender an RTL und Premiere, den Vorläufer des heutigen Sky, verkauft wurde.

Aus tm3 wurde später 9Live und noch später ging der Sender vom Netz. In wenigen Tagen versucht der Sender ein Comeback. Dann aber ganz bestimmt ohne die Champions League.

Champions League wohl nicht mehr im Free-TV

In dieser Woche soll die Entscheidung bei der Rechtevergabe fallen. Es geht dabei um die Rechte an der Königsklasse sowie an der Europa League.

Eigentlich war die Einigung schon Mitte April erwartet worden, die Verhandlungen seien aber "schwierig", wie es aus UEFA-Kreisen heißt.

In Frankreich und England sind die Rechte vor einigen Tagen vergeben worden, die deutschen Fans müssen aber noch warten - und sich vermutlich auf einige Änderungen einstellen.

Es sieht alles danach aus, dass sich die Königsklasse ab 2018 aus dem frei empfangbaren Fernsehen verabschiedet.

Ihre Meinung Ab 2018 gibt es womögliche keine Champions League mehr im Free-TV - wie finden Sie das?
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    Schlimm! Ich will Fußball sehen und zahle dafür gern Rundfunkgebühren.
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    Gut! Warum soll ich mit meinen Gebührengeldern diesen Wahnsinn finanzieren?
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    Das ist mir egal.

Wie der "Kicker" berichtet, werde das ZDF ab dem kommenden Jahr leer ausgehen; die Mainzer hätten die Rechte am wichtigsten Vereinswettbewerb der Welt "offenkundig verloren".

Der Sender dementiert alle Spekulationen. "Aus unserer Sicht gibt es bei dem Thema keinen neuen Stand, wir warten die offizielle Erklärung der UEFA dazu ab", wird ein Sprecher zitiert.

Das ZDF betonte am Dienstag, dass es Anfang April ein Angebot abgegeben habe, "das weiter Bestand hat". Der Sender sei nicht aus dem Bieterverfahren ausgestiegen.

Trotzdem sieht es danach aus, als werde die Champions League ab kommendem Sommer nicht mehr im ZDF zu sehen sein.

Sky und DAZN als große Gewinner?

Sky und die Streamingplattform DAZN sollen demnach als die großen Gewinner aus der Vergabe hervorgehen.

Der Pay-TV-Sender will sich zur Vergabe der Rechte nicht äußern, solange der Bieterprozess noch läuft.

Gerüchteweise soll Sky aber den Großteil der Spiele bekommen, darunter exklusiv alle Spiele mit deutscher Beteiligung.

Erst die Halbfinalspiele und das Finale müssen im Free-TV zu sehen sein. Aber hierfür hat Sky mit der Freischaltung seines Spartenkanals Sky Sport News HD längst entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Analog zur Rechtevergabe der Bundesliga, als 40 Spiele an Eurosport gingen, soll es neben Sky mit DAZN einen anderen Player geben, der eine gewisse Zahl an Spielen übertragen darf. Welche und wie viele das sein werden, stehe noch nicht fest.

Jedenfalls geht das zur englischen Perform Group gehörende DAZN am Markt recht aggressiv zu Werke und formuliert offensiv seine Ziele.

Kay Dammholz, Managing Director Rights & Distribution bei DAZN, sagte dem NDR-Medienmagazin "ZAPP" etwa: "Wir schätzen unsere Chancen recht gut ein. Finanziell können wir mit den Großen mitspielen. Und wenn es unsere Ziele erfordern oder die Umsetzung unserer Ziele erfordert, dann tun wir das auch."

Für die Europa League, die sich derzeit Sky und Sport1 aufteilen, soll der Plan so aussehen, dass RTL als neuer Europa-League-Sender fungieren soll.

Auch von RTL ist keine Stellungnahme zu bekommen. "Wir kommentieren keine Spekulationen", heißt es von den Kölnern.

Kassiert die UEFA 700 Millionen für die Rechte?

In Frankreich wurden einigermaßen moderate 380 Millionen Euro für den Dreijahresvertrag aufgerufen, in England aber - dem wichtigsten und zahlungskräftigsten Markt - die neue Rekordsumme von 1,38 Milliarden.

Auf der Insel hat sich die UEFA für das "All pay"-Modell entschieden, das einem Sender exklusiv alle Rechte sichert. BT Sport hält damit das Monopol in England.

Ein solches Szenario ist in Deutschland eher unwahrscheinlich. Zum einen, weil sich Sky nicht annähernd in diesen Preissphären bewegt.

... und hat mit seiner Entscheidung vollkommen recht. Die Schiri-Kolumne.

Vor allem aber, weil sich die UEFA auf dem deutschen Markt nicht auf den "unsicheren" Partner DAZN als einzigen Verwerter verlassen will.

Die Königsklasse soll im TV bleiben und nicht nur im Internet bei einer vergleichsweise jungen Plattform abrufbar sein. Wie hoch die Gesamterlöse für die UEFA sein werden, ist reine Spekulation.

In einem Bericht der "Bild"-Zeitung heißt es, das ZDF sei bereit gewesen, rund 70 Millionen Euro pro Saison für das neue Rechtepaket in die Hand nehmen - und nach dem Überschreiten dieser Grenze sei der Sender aus dem Poker ausgestiegen.

Bisher hat der öffentlich-rechtliche Sender rund 50 Millionen Euro pro Saison an die UEFA bezahlt.

Durch die vermutete Vergabe an zwei Bieter dürften die Einnahmen für die UEFA aus dem deutschen Markt auf jeden Fall deutlich höher liegen als bisher. Experten rechnen mit einem Volumen von 600 bis 700 Millionen Euro.

Was bedeutet das für die Fans?

Sollte die Königsklasse bis auf Halbfinale und Finale aus dem Free-TV verschwinden, müssten sich die Fans auf einige Mehrkosten einstellen. Sowohl Sky als auch DAZN im Internet sind kostenpflichtige Modelle.

Je nach Abonnement können bei Sky monatliche Kosten von rund 30 Euro entstehen - je nachdem, wie der Sender in Zukunft seine (Sport-)Pakete definiert und verkauft.

Sky-Kunden können die Partien dann über TV oder im Netz sehen.

DAZN bietet seit dem vergangenen August für 9,99 Euro im Monat Live-Sport etwa aus der Premier League und weiteren europäischen Top-Ligen an.

Die Spiele der Königsklasse wären für den Anbieter aber ein echter Durchbruch im deutschen Markt, unter Umständen wäre dann mit einer entsprechenden Preiserhöhung zu rechnen.