Borussia Dortmund hatte nach dem Champions-League-Duell bei Sporting Lissabon eigentlich allen Grund zu feiern. Immerhin machte der BVB mit dem 2:1-Auswärtssieg einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale. Dennoch reagierten Spieler und Vereinsoffizielle nach dem Abpfiff stinksauer. Sporting hatte auf dem Platz für einen Fairplay-Eklat gesorgt.

Das Auswärtsspiel bei Sporting Lissabon war für Borussia Dortmund von enormer Bedeutung, schließlich wird der portugiesische Spitzenklub als direkter Konkurrent um den zweiten Platz in der Gruppe F gesehen - hinter Real Madrid. Insofern war der 2:1-Auswärtserfolg für den BVB mit Blick auf das Achtelfinale richtungsweisend.

Fassungslose Wut überlagert Freude

Die Borussia liegt dank des besseren Torverhältnisses nun sogar vor den "Königlichen" aus Madrid auf Platz eins der Tabelle. Und doch wurde die Dortmunder Freude von fassungsloser Wut überlagert. Sportdirektor Michael Zorc wetterte: "Das ist eine Unverschämtheit, so etwas habe ich in 30 Jahren Fußball noch nicht erlebt!"

Was war passiert?

In der Schlussphase einer hochemotionalen Partie im Hexenkessel Estádio José Alvalade hatte Sporting massiv den Druck erhöht. "Sporting hat mit allen Mitteln versucht, noch den Ausgleich zu erzielen", erklärte BVB-Keeper Roman Bürki und wollte seine Feststellung wortwörtlich verstanden haben.

Den Portugiesen schien in der Tat jedes Mittel recht, um doch noch das 2:2 zu erzwingen. Dabei ignorierten sie auch die ungeschriebene Fairplay-Regel, wonach ein verletzter Spieler behandelt werden kann, sobald die betroffene Mannschaft den Ball bewusst ins Aus gespielt hat. Das andere Team bekommt dann zwar den Einwurf, spielt den Ball aber wieder fair an den Gegner zurück.

Um in solchen Fällen zu verhindern, dass offensichtliches Zeitspiel den Fairplay-Gedanken missbraucht, liegt es im Ermessen des Schiedsrichters, die Nachspielzeit entsprechend zu erweitern.

Genau diese nicht gerade seltene Situation war auch in der hitzigen Schlussphase in Lissabon eingetreten. Bürki hatte den Ball zwei Mal ins Aus geschossen, nachdem ein Dortmunder Spieler länger am Boden liegengeblieben war. Sporting hatten den Ball anschließend aber nicht etwa an den Gegner zurückgespielt, sondern nach dem Einwurf in den eigenen Reihen gehalten.

Zorc: "Das war eine einzige Sauerei!"

"Das wurde vom Publikum noch gefeiert, dass sie den Ball nicht zurückspielen!", echauffierte sich Dortmunds Torhüter. "Wenn ich einen Ball ins Aus schieße, weil einer unserer Spieler verletzt am Boden liegt und die einfach weiterspielen, dann hat das nichts mit Respekt zu tun. So etwas habe ich noch nie erlebt."

Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc wurde noch deutlicher: "Das war eine einzige Sauerei! Die haben zweimal den Ball nicht zurückgespielt, obwohl wir verletzt am Boden lagen. Das war kein Fairplay."

Sporting-Angreifer und Ex-Wolfsburg-Profi Bas Dost zeigte Verständnis für die Wut der Dortmunder: "Normalerweise spielt man den Ball zurück, ich weiß auch nicht, warum das so gelaufen ist."

BVB-Coach Thomas Tuchel versuchte hingegen, die Wogen etwas zu glätten und verwies auf den unverbindlichen Charakter einer ungeschriebenen Regel. Tuchel nahm lieber den Unparteiischen in die Pflicht: "Ich hätte vom Schiedsrichter erwartet, dass er kurz checkt, ob da etwas ist, wenn ein Abwehrspieler am Boden liegt, und nicht die Einwürfe durchwinkt."