Das beste Mittel gegen eine Mini-Krise ist ein Sieg. Und den hat der FC Bayern München beim 4:1 in der Champions-League-Partie gegen PSV Eindhoven eingefahren. Mit einer veränderten Ausrichtung und einigen Elementen des Pep-Fußballs. Es waren aber auch gegen Eidhoven noch einige Probleme zu erkennen.

Eine Analyse

Das Wichtigste vorweg: Die Bayern können ja doch noch Spiele gewinnen. Das ganze Krisengerede der letzten Tage und Wochen ließ fast schon vermuten, der Rekordmeister sollte seine Lizenzspielerabteilung besser heute als morgen schließen. Keine Dreier gegen Köln und Frankfurt, eine Niederlage bei Atletico. Wo gibt’s denn so was?

Man durfte schon darauf gespannt sein, wie diese vom Erfolg umschmeichelte Mannschaft mit den kritischen Stimmen umgehen und ihre selbst verfassten Zweifel über die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit auf dem Platz beantworten würde.

Vielleicht war es deshalb gut, dass es Thomas Müller war, der den wankenden Riesen schnell zurück auf den rechten Pfad beförderte. Müller, bei den Bayern davor 406 Pflichtspielminuten ohne Tor, schlitzohrte den Ball im zweiten Versuch zur beruhigenden Führung ins Netz. Jetzt haben die Bayern also doch mal wieder gewonnen. Es war ein 4:1 gegen den PSV Eindhoven. Keine Mannschaft aus dem obersten Regal des europäischen Vereinsfußballs, aber immerhin.

Thomas Müller auf links - und doch überall

Müller, der eigentlich im Zentrum oder wenigstens auf der rechten Seite spielen darf, war etwas überraschend auf die linke Angriffsseite versetzt - also zumindest in der Grundordnung der Bayern. In Wirklichkeit trieb sich Müller mal wieder überall auf dem Platz herum und war für den Gegner damit nur schwer zu fassen.

"Die ersten 30 Minuten haben wir intensiv nach vorne gespielt. Wir wollten etwas zeigen, die Zuschauer sofort mitnehmen. Das ist uns gelungen und es hat Spaß gemacht, auf dem Platz zu stehen", sagte Müller.

Sein Chef hatte der Mannschaft eine andere Grundeinstellung und veränderte taktische Maßgaben mit auf den Weg gegeben. Carlo Ancelotti hatte angekündigt, die Zügel wieder etwas anzuziehen, nachdem seine Spieler mit der lässigen Laissez-faire-Einstellung des Italieners offenbar noch nicht so gut umgehen konnten.

Mehr Pressing und Gegenpressing

Die augenscheinlichste Erkenntnis der Anfangsphase war das deutlich aggressivere und frühere Pressing der Bayern und die sehr guten Sequenzen im Gegenpressing und in den Umschaltmomenten nach eigenem Ballverlust. Eindhoven wurde so früh in der eigenen Hälfte attackiert und zu Fehlern gezwungen, dass man sich an die "alten" Bayern erinnert sah - jene unter Pep Guardiola, die ihre Gegner förmlich erdrückten mit ihrer Vehemenz und Dominanz. "Das war die Reaktion, die ich erwartet habe von der Mannschaft", sagte deshalb auch Ancelotti.

Nach dem 2:0 des neuen Goalgetters Joshua Kimmich, der jetzt in seinen letzten elf Pflichtspielen für die Bayern und die deutsche Nationalmannschaft acht Tore erzielt hat, verfiel die Mannschaft aber wieder in alte Verhaltensmuster. Das Gegenpressing funktionierte so lange gut, wie alle beteiligten Spieler auch mitzogen.

Da dies aber gegen Ende der ersten und zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht immer der Fall war, konnte sich PSV befreien und die unzureichend abgesicherten Gegenpressing-Momente der Bayern dann zu gefährlichen Kontern nutzen. Die Diskrepanz zwischen dem Pep-Pressing und dem Ancelotti-Fallen war in dieser Phase sehr auffällig; und damit auch die immer noch zu beobachtende Zerrissenheit der Mannschaft, wie sie sich in einzelnen Spielsituationen verhalten soll.

Arjen Robben legt den Finger in die Wunde

"Nach dem 2:0 sah unser bis dahin super dominantes Spiel auf einmal nicht mehr gut aus. Wir sind nicht mehr gut gestanden", kritisierte Arjen Robben.

"Da muss man aufpassen, wenn man so weit vorne steht und attackiert. Aber da waren wir nicht gut und PSV war gefährlich. Wir haben die Kontrolle verloren über das Spiel. Denn es kann nicht sein, dass beim Umschalten plötzlich ein oder zwei Gegner frei stehen, die den ganzen Platz vor sich frei haben. Da müssen wir besser aufpassen!"

In der Tat kamen die bis dato biederen Gäste aus dem Nichts zu einem zu Unrecht aberkannten Abseitstor, einem regulären Treffer nach einem simplen Konter und zwei Großchancen, die die Partie bis zur 60. Minute hätten kippen können.
Dass es nicht so weit kommen musste, war der starken Offensivleistung der Bayern geschuldet und der individuellen Klasse besonders von Robben, der das 3:1 vorbereitete und das 4:1 selbst erzielte. Trotzdem sind die Bayern irgendwie immer noch auf der Suche nach der endgültigen Ancelotti-Formel.

Und vielleicht auch nach dem geeigneten Personal dafür. Thiago hatte sich zu Beginn der Saison stark verbessert, fällt seit einigen Spielen aber wieder in sein altes Schema zurück. Und Xabi Alonso gönnte sich nach der erschreckend schwachen Leistung am Wochenende in Frankfurt auch gegen Eindhoven einen eher mangelhaften Abend.

Und wenn sich zwei von drei zentralen Mittelfeldspielern nicht am oberen Limit ihrer Leistungsfähigkeit bewegen, kommt selbst eine Mannschaft wie die der Bayern manches Mal ins Schleudern. Das Gute aus Bayern-Sicht ist, dass die Mannschaft selbstkritisch genug mit sich umgeht und die Fehler erkannt hat. Aber ganz abstellen konnte sie die Schwachpunkte noch nicht.