Die Auslosung zur Champions-League-Gruppenphase hat den Bayern eine leichte und Wolfsburg und Leverkusen zumindest eine machbare Gruppe beschert. Borussia Mönchengladbach dagegen hätte es schlimmer nicht treffen können. Die Fohlen gehen ihre "Mission Impossible" mit einem Schuss Sarkasmus an.

Die Töpfe im Grimaldi-Forum in Monaco haben sie also alle wieder ausgespuckt am Donnerstagabend: Die Todesgruppen, die Hammergruppen, die machbaren und die leichten Lose. Es ist jedes Jahr dasselbe, man kennt sie schließlich nahezu in- und auswendig.

Und doch schaut der innere Zirkel des europäischen Klubfußballs jedes Jahr aufs Neue gebannt zu, wenn kleine bunte Kugeln über die Gruppen- und Spieleinteilung der Champions League entscheiden.

Vier deutsche Vertreter schickt die Bundesliga wie schon im letzten Jahr ins Rennen und wie nicht anders zu erwarten, war für die deutschen Klubs so ziemlich alles dabei - lediglich einen der beiden Neulinge KAA Gent (Belgien) und den FC Astana aus Kasachstan bekam keiner aus dem Quartett zugelost.

Die Bayern sind Deutschlands Aushängeschild, sie sind der Dauergast in der Königsklasse, sie waren in Lostopf eins und sie bekamen fast schon zwangsläufig daher auch die auf dem Papier leichteste Gruppe zugeteilt. Beinahe schon traditionell geht es gegen den FC Arsenal - und ebenso traditionell wird sich der deutsche Rekordmeister auch dieses Mal gegen die zwar ambitionierten, aber international nicht besonders erfolgreichen Gunners durchsetzen.

Olympiakos Piräus und Dinamo Zagreb komplettieren die Gruppe F. Sehr stimmungsvolle Auswärtstrips warten da auf die Bayern, sportlich werden weder die Griechen noch der kroatische Abonnementmeister eine große Hürde darstellen.

Piräus ist zwar sehr heimstark und unangenehm zu spielen, gegen die Qualität der Bayern dürfte aber dennoch kein Kraut gewachsen sein. Und Zagreb? In der Liga kickt Dinamo meist vor 4000 oder 5000 Fans und ist wegen der zahlungskräftigen Konkurrenz aus Westeuropa lediglich noch ein Ausbildungs- und Zulieferbetrieb für die ganz Großen.

Etwas heikler erscheint die Mission für den VfL Wolfsburg. Die Wölfe haben Manchester United, PSV Eindhoven und ZSKA Moskau in seine Gruppe gelost bekommen. Allesamt Königsklassen erprobte Teams, wobei United bei seiner Rückkehr in die Champions League als klarer Favorit ins Rennen geht. United hat seinen Kader enorm aufgerüstet, nicht nur dank der Verpflichtung von Weltmeister Bastian Schweinsteiger, die Red Devils bringen die meiste Erfahrung mit und sind auf dem Papier der schwerste Wolfsburger Gegner.

Eindhovens Glanz früherer Tage ist zwar etwas verblasst, die Partien gegen deutsche Teams haben bei der PSV aber schon eine lange und mitunter besonders hitzige Tradition. Rein sportlich muss der Philips-Werksklub aber eine lösbare Aufgabe für den deutschen Vizemeister darstellen.

ZSKA Moskau ist eine vergleichbare Hausnummer. Allerdings scheinen die Russen gefährlicher, weil schwerer zu bespielen als Eindhoven. In der Qualifikation hat der Sportklub der Armee immerhin Sporting ausgeschaltet - und sich dabei wie eigentlich immer auf Toptorjäger Seydou Doumbia verlassen können. Der Ivorer und Regisseur Alan Dzagoev sind die Eckpfeiler dieser sehr routinierten Mannschaft.

"Wir können mit der Auslosung zufrieden sein, wir hätten es auch deutlich schwieriger treffen können, wenn wir in Gruppe D gekommen wären. Manchester United mit Schweinsteiger und van Gaal, da freuen wir uns. Die Gruppe ist machbar", sagt Wolfsburgs Manager Klaus Allofs. Das sind selbstbewusste Worte, an denen sich der VfL messen lassen muss.

Bayer Leverkusen hat keine 24 Stunden nach dem erfolgreichen Umweg über die Qualifikation gleich nochmal Grund zum Jubeln: Zum einen geht es erneut ins Duell mit Titelverteidiger FC Barcelona und zum anderen erscheint die Gruppe E mit den weiteren Gegner AS Rom und BATE Borissov durchaus als machbar.

Barca ist natürlich die Übermannschaft der Gruppe, gegen die Katalanen hat Bayer nach den teilweise verheerenden Schlappen der jüngeren Vergangenheit noch einiges gutzumachen. Dass Leverkusen aber an Barca und Platz eins kratzen könnte, ist eher nicht zu erwarten.

Vielmehr dürfte es mit der Roma um den zweiten Platz gehen. Die Römer haben eine ordentliche, aber keine besonders resistente Mannschaft beisammen, die im internationalen Vergleich zuletzt auch wenig zu melden hatte. Die Roma dürfte in ihrem Leistungsvermögen in etwa Lokalrivale Lazio gleichen, auf den ewigen Francesco Totti und Deutschlands Nationalspieler Antonio Rüdiger dürfen sich die Fans freuen.

Aber auch in Italiens Hauptstadt ist man nicht besonders traurig über das Los. "Zwei Spiele gegen eine deutsche Mannschaft, die ausgerechnet Lazio in der Quali ausgeschaltet hat - da habe ich als Nationalspieler natürlich auch nichts dagegen", sagt Rüdiger selbstbewusst. Nicht zu übersehen ist auch Borissov. Eine unbequeme Mannschaft, gegen die Bayern vor einigen Jahren sogar in der Vorrunde verloren haben.

Aber Leverkusen ist mittlerweile reifer, erfahrener und in der Königsklasse so heimisch, dass der zweite Platz nicht nur das klare Ziel sein muss - sondern dass Bayer dieses Ziel auch erreicht.

Weniger erfreulich verlief der ansonsten ziemlich launige Auslosungsabend für Borussia Mönchengladbach. Die Fohlen hat es bei ihrem Debüt in der Königsklasse ziemlich übel erwischt. Mit Juventus, Manchester City und dem FC Sevilla ist jeweils ein Vertreter aus einer der Topligen Europas in Borussias Gruppe gelandet.

"Da kann man nur sagen: ‚Herzlich Willkommen in der Champions League!‘ Wir haben den Champions-League-Finalisten, den Europa-League-Sieger und den bestbezahlten Kader der Welt als Gegner. Das ist sportlich unfassbar schwer, aber es sind interessante Reisen. Es heißt lernen, lernen, lernen", sagt Sportdirektor Max Eberl.

Juventus ist Favorit in der Gruppe, aber auch die Italiener werden sich gegen Sevilla und ManCity sehr lang machen müssen. Und vielleicht ja auch gegen Mönchengladbach? Sevilla spielt unter Trainer Unai Emery einen fantastischen Offensivfußball und hat in den letzten neun Jahren sage und schreibe viermal den UEFA-Pokal beziehungsweise dessen Nachfolgewettbewerb Europa League gewonnen. Und dass, obwohl quasi Jahr für Jahr die besten Spieler den Klub verlassen.

Manchester City ist wie fast jedes Jahr zwar ein oft gehandelter Name - den Beweis ihrer Stärke haben die Citizens aber ebenso regelmäßig nie erbringen können. Mit dem erneut aufgemotzten Kader soll diese Saison endlich der Angriff auf die Krone Europas gelingen. Und Juve? Die Alte Dame hat zwar wichtige Spieler verloren (u.a. Vidal, Tevez), ist aber immer dann da, wenn es brisant wird.

Mönchengladbach wird es sehr schwer haben, überhaupt Platz drei und damit ein Weiterwirken in der Europa League zu ergattern. Von Platz zwei oder gar eins darf man allenfalls im Stillen träumen. Dafür ist die Gruppe einfach zu stark. Eine echte Todesgruppe eben.