Rückschlag im Tripletraumland! Der FC Bayern München verliert das erste Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid mit 0:1 - und das, obwohl auf dem Statistikpapier alles doch ganz prima aussieht. Bis zum Rückspiel am Dienstag (20:45 Uhr, LIVE bei uns im Ticker und auf Sky) muss sich beim Deutschen Meister jedenfalls noch Einiges ändern.

Das mit den Kontern habe man schon vorher gewusst, darin waren sich die Spieler des FC Bayern München nach dem ersten Halbfinale der Champions League bei Real Madrid einig. Dennoch blickten die Verteidiger Jerome Boateng und Dante äußerst verwundert drein, als sie von Fabio Coentrao und Karim Benzema beim 1:0-Siegtreffer für Real nass gemacht wurden.

Die Bayern hatten also mit Kontern gerechnet, allerdings hatten sie auch erwartet, dass Madrid zumindest ein bisschen am Spielgeschehen teilnehmen würde. "Ich war wirklich überrascht, dass solch eine Weltklasse-Mannschaft so spielt. Sie haben uns den Ball überlassen", sagte Arjen Robben nach dem Spiel und Thomas Müller konnte es überhaupt nicht fassen: "Real Madrid, das müssen Sie sich mal vorstellen, im eigenen Stadion, stellt sich bis 40 Meter vor dem Tor hinten rein." Die Catenaccio-Überraschung ist Carlos Ancelotti gelungen. Der Trainer von Madrid hat sich die Taktik des FC Chelsea geborgt und damit der gefürchteten "Bestia negra" zumindest vorläufig den Zahn gezogen.

Der FC Bayern München war überlegen, aber Real hatte die besseren Chancen. Das 1:0 im Halbfinal-Hinspiel der Champions League bot beiden Seiten viel Raum für Interpretation - den sie zu nutzen wussten. Die Stimmen zum Spiel.

Am Dienstag muss der FC Bayern den 0:1-Rückstand in der Allianz Arena drehen, um in das Finale in Lissabon einzuziehen. "Es wäre auf jeden Fall kein Wunder", wenn der FC Bayern dieses 0:1 noch drehen würde, da hat Thomas Müller ganz recht. Doch an einigen Punkten, muss der Deutsche Meister dringend arbeiten, soll es im Rückspiel gegen Real Madrid besser laufen:

Mehr Stabilität

Champions League: Das Halbfinale zum Nachlesen im Ticker.

In dem ganzen Optimismus, den die restlichen Bayern-Spieler verbreiten wollten ("Ich muss unserer Mannschaft ein Kompliment machen" - Arjen Robben), entfuhr Manuel Neuer doch ein Kritikpunkt: "Wenn das Spiel vorne abläuft, dürfen wir uns in der Defensive keine Fehler erlauben". Der Torhüter war mit seinen Vordermännern offensichtlich nur bedingt zufrieden. Zu oft hatten sich Jerome Boateng und Dante von Ronaldos Glanz blenden lassen und darüber die schnellen Angel di Maria oder Fabio Coentrao komplett vergessen. Dabei ging vom Weltfußballer an diesem Abend nun wirklich keine Gefahr aus.

Das wird sich nächste Woche, wenn der Portugiese seine Verletzung komplett auskuriert hat und auch Gareth Bale wieder von Anfang an eingesetzt werden kann, ändern. Um gegen die schnellen Madrilenen zu bestehen, braucht die Bayern-Defensive mehr Stabilität - zur Not auch auf Kosten des übermäßigen Ballbesitzes. Philipp Lahm hinterließ nach der Einwechslung von Javi Martinez auf der rechten Verteidigerposition einen besseren Eindruck als auf der "Sechs". Im Rückspiel könnte diese Umstellung eine Option für Pep Guardiola sein. Lahms Erfahrung und Souveränität können der ganzen Defensivreihe ihre Sicherheit zurückgeben.

Mehr Zug zum Tor

Die Statistik klingt eigentlich ganz schön. 15:3 Ecken hat der FC Bayern München herausgeholt, 18:9 Torschüsse abgegeben und 72 Prozent Ballbesitz erarbeitet. In einem normalen Spiel, gegen einen Alltags-Gegner läuft das auf einen klaren Sieg für den FCB hinaus. Gegen Real Madrid lautet das Ergebnis aber 0:1. Die ewigen Ballstafetten der Bayern um den Strafraum waren zeitweise nett anzusehen. Gebracht haben sie nichts. Denn: "Was uns gefehlt hat, war der Abschluss", analysierte Trainer Guardiola nach dem Spiel ganz richtig. Kaum ein Spieler traute sich aufs Tor zu schießen. Stattdessen wollten die Münchner das Spielgerät über die Torlinie tragen. Und wenn aus Versehen doch einmal ein Ball in Richtung des Kastens von Iker Casillas flog, dann prallte er an spanischen Waden ab.

Erst als Thomas Müller und Mario Götze für Bastian Schweinsteiger und den enttäuschenden Franck Ribery das Spielfeld betraten, war etwas mehr Zug zum Tor da. Und den brauchen die Bayern im Rückspiel dringend. Die drängendste Erkenntnis des Hinspiels ist nämlich: Tiki-Taka schießt keine Tore. Ballbesitz ist schön und gut, doch letztlich zählt nur, was man mit dem Ball anstellt. Das hat Madrid eindrucksvoll bewiesen.

Mehr Überraschungsmoment

Die mangelnde Torgefährlichkeit war nicht zuletzt auch das Resultat der leicht auszurechnenden Lauf- und Passwege der Bayern. Real Madrid hat schon zu oft gegen den FC Barcelona gespielt, als dass sich die Spieler von Kurzpassspiel noch verunsichern lassen würden. Im Rückspiel braucht es die vielleicht die unkonventionelle Spielweise eines Thomas Müller, um die "Königlichen" vor Probleme zu stellen.

Mehr Publikum

"Wir werden nächste Woche alles geben, brauchen zuhause aber auch unser Publikum", holte Pep Guardiola gleich nach Schlusspfiff auch die Fans der Bayern mit ins Boot. Auch Sportdirektor Matthias Sammer und Karl-Heinz Rummenigge richteten einen Appell an die Bayern-Anhänger. Die Botschaft: "Nur mit unseren Fans können wir den Finaleinzug schaffen!"