Auch wenn der FC Bayern München mit dem Remis im Viertelfinale der Champions League gegen Manchester United zufrieden ist, ein Spaziergang wird das Rückspiel nicht. Denn die Sperre von Bastian Schweinsteiger muss kompensiert werden. Und ein Mittel gegen das englische Abwehrbollwerk scheinen die Bayern auch noch nicht parat zu haben.

"Das 1:1 ist ein großartiges Ergebnis", befand Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beim obligatorischen Bankett nach dem Hinspiel des Viertelfinals der Champions League bei Manchester United. Vor fünf Jahren hätte ihm jeder zugestimmt. Ein Auswärtstor in der Königsklasse ist immer eine gute Sache. Doch die Erwartungen an den FC Bayern München sind inzwischen höher. Viel höher. Man hat sich daran gewöhnt, dass der Deutsche Meister immer gewinnt.

Deshalb ging der FCB als unumstrittener Favorit in dieses Viertelfinale gegen United. Das Weiterkommen sei ein "walk in the park". Die Engländer wurden kleingeredet. Nach dem 1:1 ist klar: zu Unrecht. Ein Spaziergang wird auch das Rückspiel nicht. Im Gegenteil.

"To park the bus" heißt das im Englischen, wenn sich eine Mannschaft sehr defensiv ausrichtet. Und zeitweise müssen sich die Bayern tatsächlich so gefühlt haben, als hätte Manchester seinen Mannschaftsbus vor David de Geas Tor geparkt. Fast jeder bayerische Schuss blieb an englischen Gliedmaßen hängen. Oder wie es Toni Kroos ausdrückte: "Es ist sehr schwer gegen eine Mannschaft zu spielen, die mit allen Leuten um den eigenen Strafraum steht."

Viel Ballbesitz, wenige Chancen

Das Konzept der "falschen Neun" wollte gegen die Engländer einfach nicht greifen. Zwar kreisten die Bayern wie hungrige Hyänen um den United-Strafraum, doch Thomas Müller kam zu selten vor das Tor, um tatsächlich Gefahr ausstrahlen zu können. Philipp Lahm fasste das Spiel in nur einem Satz prägnant zusammen: "Trotz viel Ballbesitz haben wir zu wenig den letzten Pass gefunden." Die Konsequenz daraus: Wenn Manchester im Rückspiel ähnlich kompakt steht und seine Konterchancen nur minimal besser nutzt, dann ist ein Sieg der Engländer in der Allianz Arena möglich. Denn Ballbesitz bedeutet eben nicht automatisch Durchschlagskraft.

Das wird auch Pep Guardiola erkannt haben, auch wenn er "ganz zufrieden" war. Es ist zu vermuten, dass der Spanier daher im Rückspiel Mario Mandzukic von Beginn an bringen wird. Denn Mandzukic ist ein Typ, der sich körperlich durchsetzen kann. Ein menschliche Brechstange. Das braucht man gegen hart kämpfende Engländer. Doch Typen dieser Art werden beim FC Bayern immer mehr zur Mangelware, nun da auch noch Bastian Schweinsteiger und Javi Martinez für das Rückspiel gesperrt sind.

Bastian Schweinsteigers Sperre ist bitter

Besonders der Ausfall von Schweinsteiger, dem einzigen Torschützen, tut den Bayern weh. Nicht nur, weil er für die wichtigen Tore gut ist, sondern auch, weil er die Teamkollegen mit seinem Kampfgeist mitreißen kann. Wenn es noch einen "aggressive leader" beim FC Bayern gibt, dann ist es Schweinsteiger. Zwar werden die Bayern "auch in München mit elf Leuten spielen", wie Pep Guardiola der Sportpresse versichert, "aber es ist sehr schade". Im Rückspiel muss demnach die Stunde von Toni Kroos schlagen. Er wird Schweinsteiger auf der zentralen Position vertreten - falls Pep Guardiola nicht mit einem unvorhersehbaren taktischen Coup überrascht. Toni Kroos ist zweifellos ein großartiger Fußballer. Doch sein pomadiger Auftritt in Manchester in Halbzeit zwei lässt daran zweifeln, dass er die Rolle des Chefs ausfüllen kann. Schweinsteigers Sperre ist ein herber Rückschlag für den FC Bayern und eine Chance für Manchester United.

Verletzten darf sich bei den Bayern jedenfalls niemand mehr. Im Mittelfeld hat Guardiola nicht mehr allzu viele Alternativen, zumal auch Thiago Alcantara weiterhin verletzt fehlt. Der Trainer wird sich etwas einfallen lassen müssen gegen Engländer, die italienisches Catenaccio für sich entdeckt haben. Sonst geht es den Bayern womöglich wie dem FC Barcelona im Halbfinale der Saison 2011/12. Damals lief das Tiki-Taka-Ensemble verzweifelt gegen die Defensive des späteren CL-Siegers FC Chelsea an, nur um dann am Ende doch auszuscheiden.