Zum ersten Mal in seiner beinahe 110-jährigen Vereinsgeschichte trifft der FC Schalke 04 auf das königliche Starensemble von Real Madrid. Die Gelsenkirchener sehen sich vor dem Duell mit Cristiano Ronaldo und Co. im Achtelfinale der Champions League als "krasser Außenseiter". Doch es gibt für die Schalker auch Grund zur Hoffnung: Und diese beschert ausgerechnet Erzrivale Borussia Dortmund.

"Gegen Schalke kehrt der Gigant zurück" - nicht weniger dramatisch titelt das spanische Sportblatt "Marca" vor der Partie von Real Madrid beim FC Schalke 04 (ab 20:45 Uhr LIVE bei uns im Ticker, im ZDF und auf Sky). Die Rede ist - natürlich - von Cristiano Ronaldo, dem offiziell besten Fußballer der Welt, der in der spanischen Liga wegen einer Roten Karte drei Spiele lang fehlte. "Er wird wie ein hungriger Löwe zu Werke gehen, der drei Wochen in einen Käfig eingesperrt war und nun in einer Savanne voller Gazellen freigelassen wird", schreibt die Hauspostille der Königlichen weiter.

Ronaldo ist "unmenschlich"

Solch respektvolle, ja gar ehrwürdige Worte für den Superstar des spanischen Tabellenführers gibt es nicht nur von der heimischen Presse, sondern auch vom Gegner aus Gelsenkirchen. "Man kann ihn eigentlich nie ganz ausschalten", ist sich Schalke-Chefcoach Jens Keller Ronaldos Qualität bewusst. Kevin-Prince Boateng bezeichnet die Leistung des Portugiesen in der "Sport Bild" gar als "unmenschlich". Mit neun Toren liegt "CR7" in dieser Champions-League-Saison nur einen Treffer hinter Zlatan Ibrahimovic. In Spanien netzte der Linksaußen bereits 22 Mal ein – in 21 Spielen. Angst, dass der Portugiese nach seiner Zwangspause aus dem Spielrhythmus gekommen sein könnte, hat Real-Trainer Carlo Ancelotti nicht: "Ich erwarte ihn mental und physisch in einer Top-Verfassung."

Bei Schalke geht man nicht nur wegen der Rückkehr Ronaldos mit Demut in die Duelle mit Real. Obgleich "Königsblau" nach starkem Rückrundenstart in der Bundesliga (13 von 15 möglichen Punkten) viel Selbstvertrauen haben sollte. Manager Horst Heldt weiß, dass seine Mannschaft gegen die Spanier "krasser Außenseiter" ist. Doch ausgerechnet Revier-Rivale Borussia Dortmund soll als Vorbild dienen. Dieser gewann gegen das Madrider Starensemble in der Vorsaison daheim mit 4:1 und legte im Hinspiel den Grundstein für den Final-Einzug.

Inter-Spiel macht Mut

Aber auch ein Blick in die jüngere Vergangenheit lohnt sich für die Gelsenkirchener, um Mut zu schöpfen. Im April 2011 war Schalke im Duell mit Titelverteidiger Inter Mailand ebenso klarer Underdog – und siegte dann in San Siro mit 5:2. Zudem lässt die jüngste Bilanz in der Bundesliga hoffen: In der Liga hat sich S04 auf Rang vier gepirscht und die Konkurrenz um die direkten Tickets für die Champions League aus Leverkusen und Dortmund wieder im Blick.

Ein Grund dafür ist die Rückkehr von Top-Stürmer Klaas-Jan Huntelaar. Der Niederländer, selbst einmal ein halbes Jahr bei Real unter Vertrag, hat "richtig Bock" auf das Spiel gegen Madrid. Für Schalke wird es wichtig sein, den 30-Jährigen immer wieder gefährlich einzusetzen. Wenn Keller davon spricht, dass seine Mannschaft, "immer die Qualität habe, um ein Tor erzielen zu können", sind damit vornehmlich die Jagd-Künste des "Hunters" gemeint.

Dennoch betont Keller, dass seine Mannschaft "ein kleines Wunder" vollbringen müsse, um Real Madrid ernsthaft gefährlich zu werden. Ob die nach Verletzungen immer noch nicht ganz fitten Benedikt Höwedes und Julian Draxler bei diesem Unterfangen von Anfang an mithelfen können, ist ungewiss. Bei beiden wird sich ein Startelf-Einsatz erst kurz vor Anpfiff entscheiden.

Dabei wäre insbesondere die Rückkehr des Kapitäns für Schalke enorm wichtig. Höwedes wäre der direkte Gegenspieler von Ronaldo. Da zudem mit Atsuto Uchida der etatmäßige Rechtsverteidiger noch wochenlang verletzt fehlt, müssten ansonsten Tim Hoogland oder Kyriakos Papadopoulos einspringen.

Welche Serie reißt?

Doch nicht nur die Schalker Verletzungssorgen sowie die Rückkehr Ronaldos machen Real im Duell zwischen Königlich und Königsblau zum klaren Favoriten. Sowohl die Kader-Qualität (u.a. mit Superstars wie Gareth Bale, Karim Benzema, Sergio Ramos etc.) als auch die aktuelle Form sprechen für die Spanier. Die bislang letzte Niederlage datiert aus dem Oktober 2013, seitdem ging Madrid bei 26 Pflichtspielen in Folge nie als Verlierer vom Platz.

Auch deshalb wird das Achtelfinal-Match gegen Schalke in spanischen Medien nur als Durchgangsstation angesehen, um das große Ziel zu verwirklichen: "La Decima", den zehnten Sieg im Europapokal der Landesmeister respektive der Champions League. "La Decima ist wie eine Obsession, davon ist in Madrid ständig die Rede", betont Ancelotti beim TV-Sender Canal+. "Das ist eine besondere Motivation."

Allerdings sollten die Madrilenen vor ihrem Gastspiel bei Schalke trotz ihrer Favoritenrolle gewarnt sein: Deutschland ist für sie ein verwünschtes Land. In 25 Europacupspielen bei deutschen Klubs gelang Real nur ein einziger Sieg, ein 3:2 im September 2000 bei Bayer Leverkusen. Sechs Gastspiele endeten remis, 18 mit einer Niederlage.

Voraussichtliche Aufstellung

FC Schalke 04: Fährmann - Höwedes, Matip, Santana, Kolasinac - Boateng, Neustädter - Farfan, Meyer, Goretzka - Huntelaar Casillas - Carvajal, Pepe, Sergio Ramos, Fabio Coentrao - Modric, Xabi Alonso, di Maria - Bale, Benzema, Cristiano Ronaldo

Real Madrid: Casillas - Carvajal, Pepe, Sergio Ramos, Fabio Coentrao - Modric, Xabi Alonso, di Maria - Bale, Benzema, Cristiano Ronaldo

Schiedsrichter: Howard Webb (England)