Eine Entschuldigung ist nur dann etwas wert, wenn sich die reumütige Person danach tatsächlich ändert. Im Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel ist Jürgen Klopp ausgerastet. Mal wieder. Und die Reue, die der Trainer von Borussia Dortmund danach an den Tag legt, wirkt schon lange nicht mehr authentisch.

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Die Ausraster des Jürgen K.

Ob Schiri-Pöbler oder Trainer-Streit: Klopps Mimik spricht Bände. Der BVB-Coach ist nicht erst seit dem Samstag für seine grausigen Gesichter bekannt.

Jürgen Klopp stürmt auf den Vierten Offiziellen zu. Das Gesicht zur Fratze verzogen. Der Trainer von Borussia Dortmund sieht aus, als wolle er den Schiedsrichter auffressen. Sein Verhalten ist furchteinflößend und bleibt nicht ohne Folgen. Klopp wird auf die Tribüne verbannt. Danach gibt er sich reumütig: "Ich mach' da draußen den Affen! Das war wirklich doof."

Doof ist sein Verhalten in der Tat. Doof ist aber auch, dass es nicht das erste Mal vorkommt, dass Klopp die Beherrschung verliert und sich danach entschuldigt. Seine Emotionalität an der Seitenlinie mag legendär sein. An guten Tagen sind Klopps Jubelsprünge definitiv ein Spektakel für die Fans. Doch wehe, wenn der Übervater der Dortmund-Jungs eine Ungerechtigkeit wittert. Kaum ein Trainer wird so schnell von Dr. Jekyll zu Mister Hyde wie Klopp. Dann fletscht er die Zähne und springt bedauernswerten Schiedsrichtern fast ins Gesicht.

Würde sich ein Fan gegenüber einem Polizisten derart verhalten, er säße schneller in einer Ausnüchterungszelle als er "Affe" sagen könnte. Nur weil Jürgen Klopp der Trainer eines der erfolgreichsten Vereine der deutschen Bundesliga ist, darf er sich nicht so aufführen. Oder anders: Gerade weil er den BVB trainiert, darf er das nicht. Als Person der Öffentlichkeit hat er eine Vorbildfunktion. Und seine Entschuldigungen verlieren in dem Moment ihren Wert, in dem Klopp wieder ausrastet. Sein Verhalten suggeriert Fans und Spielern: Auch aggressives Verhalten ist im Fußball erlaubt, wenn ich mich danach dafür entschuldige.

Das ist nicht in Ordnung.

Auch Klopps Opfer, die Schiedsrichter, haben keine Lust mehr auf seine Entschuldigungen. Bereits im November 2012 hatte Schiedsrichterleiter Lutz Michael Fröhlich Kritik am BVB-Trainer geübt. "Das Verhalten, was da zum Teil an den Tag gelegt wird, hat ein aggressives Potential. Auch wenn der Trainer Klopp sich hinterher immer hinstellt und sagt: 'Tut mir Leid', am Ende ist es so: Es bleibt immer irgendetwas hängen", sagte er im "Deutschlandradio".

Auch dieses Mal bleibt etwas hängen: die Erkenntnis nämlich, dass Klopp seine Emotionen schnellstens in den Griff bekommen muss. Sonst verliert der Erfolgstrainer von Borussia Dortmund bald jegliche Glaubwürdigkeit - und das können auch die schönsten Jubelsprünge nicht mehr wettmachen.