Es ist der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte: Borussia Dortmund hat sich mit dem ukrainischen Klub Schachtjor Donezk auf einen Wechsel von Nachwuchs-Star Henrich Mchitarjan geeinigt. Auf den Armenier warten beim BVB große Herausforderungen. Wie tickt der Fußballer, der den Verlust von Mario Götze vergessen machen soll?

Ein Paradies-Vogel ist im Anflug auf die Bundesliga: Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang vom französischen Ligapokalsieger AS Saint-Étienne wechselt zu Borussia Dortmund. Aber wer ist überhaupt dieser Aubameyang und warum könnte er zum Problem für Dortmund werden?

Die Bosse von Borussia Dortmund scheinen ein Faible für Spieler mit unaussprechbaren Namen zu haben. Der von Henrich Mchitarjan beginnt mit drei Konsonanten und dürfte so manchen deutschen Reporter in Verzweiflung stürzen. Der Spitznamen-affine BVB-Trainer Jürgen Klopp wird wohl ähnlich wie bei Jakub Blaszczykowski ("Kuba") auch bei seinem Neuzugang auf eine Kurzform zurückgreifen. Einen Vorschlag gibt es schon: Mchitarjan soll auch auf "Heno" hören.

Was kann der Götze-Ersatz aus Armenien?

Der Druck auf den Mann, der in die Fußstapfen von Mario Götze treten muss, ist groß. Doch Mchitarjans Ex-Verein Schachtjor Donezk und Dortmund spielen ähnlichen Fußball, was ihm die Eingewöhnung erheblich erleichtern dürfte. Der Mittelfeld-Regisseur ist sowohl offensiv als auch defensiv stark, was gut in Klopps Spielkonzept passt. Im Angriff könnte Mchitarjan gut mit Marco Reus harmonieren, im Notfall aber auch Ilkay Gündogan in der hinteren Reihe ersetzen. In Donezk spielte der 24-Jährige meist zentral hinter der Spitze, von wo aus er in den Strafraum zieht und den Abschluss sucht. Seine größte Stärke dürfte seine Vielseitigkeit sein.

Der 24-jährige Armenier ist in seiner Heimat ein Star. Erst im Juni brillierte der Nationalspieler beim WM-Qualifikationsspiel gegen Dänemark. Die Armenier fegten den EM-Teilnehmer mit 4:0 vom Platz. Schon in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 traf Mchitarjan sechsmal, auch wenn es am Ende nicht für eine Teilnahme reichte. Die Verständigung in Dortmund dürfte mit dem Sprachentalent kein Problem sein - neben Armenisch und Russisch spricht er auch Englisch, Französisch und Portugiesisch.

Sein Vater Hamlet war früher selbst Fußball-Profi und spielte unter anderem in Frankreich, bevor er mit 33 Jahren an einem Gehirntumor gestorben ist. Die Erinnerung an ihn hält der Junior hoch. Neben seinem Vater nennt Mchitarjan auch Zinedine Zidane als sein Vorbild. Seit seiner Kindheit kreist das Familienleben um den Fußball. Seine Schwester Monika ist Assistentin von UEFA-Chef Michel Platini, seine Mutter Marina arbeitet beim armenischen Fußballverband. Mit nur 21 Jahren wurde er schon in seiner zweiten Saison bei Metalurg Donezk Kapitän, bevor er für 7,5 Millionen Dollar Ablöse zum ukrainischen Champion Schachtjor Donezk wechselte. Bei dem Oligarchen-Klub wurde er einer der wichtigsten Spieler und zum Publikumsliebling, allein in der vergangenen Saison traf er in 28 Ligaspielen 25 Mal - Rekord in der Ukraine. Er gilt als diszipliniert, bodenständig und sehr professionell.

Mchitarjan muss sich in der Champions League noch beweisen

So reifte Mchitarjan zu einem der interessantesten Jungkicker in Europa. Internationale Erfahrung, Führungsqualitäten und seine komplette Spielweise machten viele Topvereine auf den Armenier aufmerksam. Neben Dortmund sollen auch der FC Liverpool, Tottenham Hotspur und Paris Saint Germain um Mchitarjan gebuhlt haben.

Doch dass er sich für den BVB entschieden hat, dürfte ihm selbst zugute kommen. Das Leistungsgefälle in der ukrainischen Premier League ist im Vergleich mit der Bundesliga enorm. Schachtjor Donezk ist den anderen Klubs weit überlegen. Mchitarjan gewann in seinen drei Jahren bei den Orange-Schwarzen dreimal die Meisterschaft und den Pokal. Noch lässt der 24-Jährige exzellente Auftritte in der Champions League vermissen. In bisher 21 Partien in der Königsklasse schoss er nur zwei Tore, beide gegen den Kopenhagener Vorortklub FC Nordsjælland. Im Achtelfinale blieb er gegen Borussia Dortmund weitgehend blass. Ein Trainer wie Jürgen Klopp, der junge Spieler hervorragend weiter entwickeln und fördern kann, dürfte ihm auf seinem weiteren Weg enorm helfen.