Unter der Überschrift "Gastvereine sollen Polizeikosten mittragen" berichtet der Weser-Kurier von der vielleicht mutigsten Attacke, die Werder Bremen bisher in dieser Bundesliga-Saison gewagt hat. Das Argument zur Kostenteilung klingt bestechend: Zu einem Streit gehören immer zwei, und wenn die Polizei zu einem Fußballspiel mit hohem Gewaltpotenzial anrückt, dann auch deshalb, weil sich Fans aus beiden Lagern auf den Tod nicht ausstehen können. Warum also nicht beide Vereine in die Pflicht nehmen?

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Natürlich kommt man in der Diskussion schnell zu dem einen Punkt, wer grundsätzlich die Polizeikosten bei einem Bundesliga-Spiel tragen soll: der Staat oder doch der Veranstalter selbst. Die Bundesliga-Vertretung DFL hat die Schutzmaßnahmen rund um die Stadien immer als öffentliche Aufgabe verstanden und zur eigenen Entlastung die Benefits aus dem Profifußball vorgetragen, Steuerabgaben und Schaffung von Arbeitsplätzen zum Beispiel. Aber wo ist die Grenze, was mit Steuergeldern bezahlt werden soll?

Die Stadt Bremen ist da eindeutig: Alles, was über das übliche Maß an Kosten hinausgeht, bei Hochrisikospielen eben, will man der Deutschen Fußball-Liga in Rechnung stellen. Das geht schnell in die Millionen. Werder Bremen kommt diese Haltung womöglich teuer zu stehen. Der Weser-Kurier weiß von Plänen, dass der Verein diese Kosten zu 100 Prozent übernehmen soll. Man erkennt sofort: Werder Bremen würde ohne eigenes Verschulden einen erheblichen Wettbewerbsnachteil erleiden.

Die Bundesliga stößt hier an die Grenzen ihrer Solidarität. Es wäre ein Leichtes zu sagen, dass Polizeikosten, die von der Politik angeordnet wurden, nach dem Verursacherprinzip geteilt werden. Wenn der Hamburger SV irgendwann zurück in der ersten Liga sein sollte und es nicht schafft, dass seine Chaoten Ruhe geben: Warum sollte Werder dafür zahlen? Der Effekt wäre doch eher, dass der HSV motiviert sein müsste, das Risiko im Laufe der Zeit zu minimieren. Vermutlich wird das nur ein frommer Wunsch bleiben.

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Pit Gottschalk, 51, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de.
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