Das Revier-Derby zwischen dem BVB und Schalke 04 war Schwerstarbeit für Schiedsrichter Felix Zwayer. In den spielentscheidenden Situationen, etwa beim Handelfmeter für die Gäste, lag er jedoch richtig. Und so klagte Dortmunds Trainer Lucien Favre dann auch weniger über den Unparteiischen als über die Regelmacher.

Alex Feuerherdt
Eine Kolumne
von Alex Feuerherdt, Schiedsrichter-Coach und freier Publizist

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Eigentlich war die Schlüsselszene in der Bundesliga-Partie zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 (2:4) geradezu unscheinbar, zumindest hatte sie am Samstag im Stadion kaum jemand wirklich mitbekommen.

Als Julian Weigl in der 16. Spielminute im eigenen Strafraum den Schuss des Schalkers Breel Embolo aus kurzer Distanz mit dem linken Arm abblockte, regte sich jedenfalls kaum jemand. Es gab keinen Aufschrei des Fanblocks der Gäste und keinen nennenswerten Protest der Schalke-Profis.

Im Titel-Fernduell mit dem FC Bayern wollte der BVB vorlegen. Doch im Derby gegen den Erzrivalen Schalke 04 kassierten die Dortmunder eine dramatische Niederlage.

Auch Schiedsrichter Felix Zwayer reagierte nicht. Die Begegnung lief einfach weiter – bis der Unparteiische sie plötzlich unterbrach. Denn sein Video-Assistent Guido Winkmann hatte sich das nahezu unbemerkte Handspiel noch einmal angesehen und riet Zwayer nun, es in der Review Area ebenfalls zu tun.

Als der Referee auf das Feld zurückkehrte, gab er jenen Strafstoß, den Daniel Caligiuri zum 1:1 verwandelte und der dem Spiel dadurch eine Wendung gab. Aber durfte und musste Winkmann überhaupt eingreifen? Und war es richtig von Zwayer, auf Elfmeter zu entscheiden?

Elfmeter für Schalke: Eine klare Sache für den Schiedsrichter

Beide Male lautet die Antwort: ja. Denn der Schiedsrichter hatte das Handspiel überhaupt nicht wahrgenommen. Und da der Video-Assistent in überprüfbaren Situationen nicht nur bei einer falschen, sondern auch bei einer fehlenden Wahrnehmung des Referees intervenieren soll, handelte Winkmann richtig.

Zur Elfmeterentscheidung selbst erklärte der Unparteiische nach dem Spiel: "Der Arm ist auf Schulterhöhe waagerecht abgespreizt. Das ist eine Vergrößerung der Körperfläche, damit wird der Ball abgeblockt. Sowohl nach internationaler als auch nach nationaler Auslegung liege somit ein strafbares Handspiel vor.

Diese Auslegung gebe es seit Saisonbeginn und solle "immer so gehandhabt werden". Da eine "unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche" vorliege, sei die Sache "in diesem Fall sehr, sehr eindeutig".

Tatsächlich sind die Referees inzwischen gehalten, Handspiele mit ausgestrecktem oder abgewinkeltem Arm auch dann zu sanktionieren, wenn der Ball aus kurzer Entfernung kommt.

Zwayer: "Wir Schiedsrichter sind die ärmsten Schweine"

Auf die Kritik von BVB-Coach Lucien Favre, der die Vorgaben bei der Handspielauslegung "lächerlich" und "einen großen Skandal" nannte, entgegnete Zwayer: "Ich mache die Regeln nicht. Wenn Fußball-Experten mit dieser Regel nicht einverstanden sind, ist es deren Recht. Wir Schiedsrichter sind dann aber die ärmsten Schweine. Wir setzen das Regelwerk um."

Die Regelauslegungspraxis beim Handspiel, die mittlerweile stärker am Tatbestand der Fahrlässigkeit orientiert ist als an dem der Absicht, mag vielen nicht gefallen. Zur kommenden Saison wird sie jedoch sogar im offiziellen Regeltext festgeschrieben.

Das Spielen des Balles mit dem Arm, der ausgestreckt, über Schulterhöhe gehalten oder zur "unnatürlichen Vergrößerung des Körpers" eingesetzt wird, ist dann auch dem Wortlaut der Regeln nach ausdrücklich strafbar.

BVB-Kapitän Reus fand seine Rote Karte richtig

Richtig lag Felix Zwayer auch bei den beiden Roten Karten gegen die Dortmunder Marco Reus und Marius Wolf, die jeweils den Schalker Suat Serdar in hohem Tempo mit einer Grätsche von hinten zu Fall gebracht hatten.

Reus selbst räumte ein: "Wir brauchen nicht darüber zu reden, dass es eine Rote Karte war." Er habe den Gegner aber nicht verletzen wollen, sondern sei einen Schritt zu spät gekommen.

Auch der Schiedsrichter nahm den Kapitän des BVB in Schutz. "Ich bin total überzeugt, dass Marco Reus versucht hat, den Ball zu spielen", sagte er. Die Unparteiischen hätten jedoch "zu beurteilen, was passiert, und nicht, was die Absicht ist. Ein gestrecktes Bein auf die Achillessehne mit offener Sohle ist eine Gesundheitsgefährdung."

Warum Schalkes Serdar und McKennie nur Gelb sahen

Auf Schalker Seite gab es ebenfalls zwei rüde Fouls, die denen von Reus und Wolf auf den ersten Blick ähnelten. Begangen hatten sie Serdar in der 36. und Weston McKennie in der 72. Minute. Beide Male zeigte Zwayer jedoch nur die Gelbe Karte.

Zum Foulspiel von McKennie an Axel Witsel sagte der Referee, der Schalker sei nicht von hinten, sondern von der Seite eingestiegen und habe auch nur ein rücksichtsloses, aber kein brutales Vergehen begangen.

Darin kann man ihm folgen. Serdar und McKennie waren zwar jeweils mit hohem Tempo in ihren Zweikampf gegangen, doch sie trafen ihre Gegenspieler nicht an einer besonders empfindlichen Stelle wie der Achillessehne. Ihr Einsatz war damit nicht gesundheitsgefährdend. Dass sie nur verwarnt wurden, war deshalb angemessen.

Mag Felix Zwayer in diesem für ihn äußerst schwierigen Spiel bei der Zweikampfbeurteilung auch nicht immer einheitlich geurteilt haben – in den spielentscheidenden Szenen lag er richtig und zeigte Konsequenz. Von der Hektik in dieser Partie ließ er sich nie anstecken.

Hoch anzurechnen ist ihm auch, dass er sich den Fragen der Medien stellte und seine Entscheidungen erklärte. Nach einem derart emotionalen und turbulenten Spiel ist das nicht selbstverständlich.

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