Der Aufsteiger hat Blut geleckt. Mit Winter-Transfers, einem höheren Gehaltsbudget und einem neuen Stadion könnte RB Leipzig endgültig zu einem Big Player der Bundesliga werden.

Das Fußballjahr 2016 endet mit einem echten Knaller: FC Bayern München gegen RB Leipzig, Tabellenerster gegen Tabellenzweiter. Der Sieger verbringt die Winterpause auf dem ersten Tabellenplatz. RB-Sportchef Ralf Rangnick gab bei "Sky 90" das Motto vor: "Wir können gar nicht anders, als auf Sieg zu spielen. Wir fahren nach München, um, wenn es geht, drei Punkte zu holen."

Der Erfolg ruft auch Red Bull Gründer Dietrich Mateschitz auf den Plan. Am Samstag, beim Sieg gegen Hertha BSC, war er erstmals in dieser Saison im Stadion. Auch beim Top-Spiel in München wird der Milliardär auf der Tribüne sitzen.

Der Unternehmer möchte sehen, wie die Erfolgsgeschichte seines Vereins weitergeht. Offiziell spricht zwar niemand im Verein von der Champions-League-Qualifikation oder gar der Meisterschaft. Intern könnte das allerdings anders aussehen.

Sportdirektor Ralf Rangnick wird kaum einen zweiten Fall "TSG Hoffenheim" riskieren wollen. Zur Erinnerung: In der Saison 2007/2008 wurde der Aufsteiger Herbstmeister. In der Rückrunde stürzte die Mannschaft, die damals von Rangnick trainiert wurde, auf den sieben Tabellenplatz ab. Hauptgrund war der schmale Kader. Verletzungsausfälle und Formkrisen einzelner Spieler konnten nicht kompensiert werden.

Dieser Fehler wird Rangnick nicht noch einmal unterlaufen. Noch vor einem Monat sagte der Sportdirektor zwar, Wintertransfers seien nicht geplant. Doch laut Informationen der "Sport Bild" hat sich das mittlerweile geändert.

Hauptgrund ist die Personalnot in der Defensive: Lukas Klostermann fällt mit seinem Kreuzbandriss noch länger aus, zudem verletzten sich am Wochenende Marcel Halstenberg und Naby Keita. Auch Innenverteidiger Marvin Compper hat seit Wochen mit einer Kapselverletzung zu kämpfen.

Gut möglich, dass sich RB Leipzig wieder beim Schwester-Verein in Salzburg bedient. Bei fünf Spielern aus dem aktuellen Leipziger Kader ist das bereits geschehen. Mit dem 18-jährigen Dayot Upamecano und dem 20-jährigen Duje Caleta-Car hat Salzburg zwei der talentiertesten Innenverteidiger Europas im Team. Es wäre wohl ein Leichtes, sie im Winter nach Leipzig zu transferieren.

Zudem soll der 21-jährige Mittelfeldspieler Seko Fofana vom italienischen Erstligisten Udinese Calcio und der 20-jährige Stürmer Moussa Dembele von Celtic Glasgow im Blickpunkt stehen.

Hartnäckig halten sich auch die Gerüchte, dass Kevin Trapp ein Kandidat für Leipzig werden könnte. Der Torwart ist bei Paris Saint-Germain nur noch zweite Wahl. Würde der 26-Jährige nach Deutschland zurückkehren wollen, wäre RB Leipzig als potentieller Champions-League-Verein eine gute Adresse.

Spieler dieser Qualität kosten viel Geld. Da trifft es sich gut, dass die interne Gehaltsobergrenze in Leipzig ohnehin nicht von Dauer sein soll. Zur Erklärung: Bei RB Leipzig verdient kein Spieler mehr als drei Millionen Euro im Jahr. Neuzugänge sollen die Gehaltsstruktur nicht sprengen. Möchte ein Spieler mehr kassieren, wird von einer Verpflichtung abgesehen. Dies geschah zum Beispiel bei Breel Embolo, der zum FC Schalke 04 wechselte.

Ralf Rangnick verriet im "kicker"–Sportmagazin, dass die Regelung auf dem Prüfstand steht: "Wenn wir in zwei, drei oder vielleicht fünf Jahren unsere Spieler halten und neue Top-Talente holen wollen, kommen wir wahrscheinlich nicht umhin, den Salary Cap gegebenenfalls anzupassen."

Momentan braucht der Sportdirektor keine Angst zu haben, dass die Konkurrenz ihm die Spieler wegkauft. Nahezu alle Leistungsträger haben langfristige Verträge.

RB Leipzig scheint in jeder Hinsicht schnell zu wachsen. Das 40 Millionen Euro teure Trainingszentrum zählt zu den modernsten in ganz Europa. Bald dürfte auch ein neues Stadion folgen. Die Red Bull Arena ist mit rund 43.000 Plätzen zu klein. Ein Beispiel: Beim Heimspiel gegen Schalke 04 hätte der Verein 70.000 bis 80.000 Karten verkaufen können.

Noch ist nicht entschieden, ob das bestehende Stadion erweitert oder ein neues errichtet wird. Sicher ist nur eins: Die Geschichte von RB Leipzig steht erst am Anfang.