Noch kann niemand voraussagen, wie die Bundesliga-Saison für Borussia Dortmund enden wird. Das 5:2 beim Saisonauftakt gegen Eintracht Frankfurt ist nicht mehr als ein Versprechen, dass Trainer Marco Rose das Verlangen des Publikums nach attraktivem Fußball versteht und seine Mannschaft den Offensiv-Fußball in gute Resultate umwandeln will. Eine Garantie auf Erfolg gibt es nirgendwo.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk

Aber zehn Jahre nach dem Klopp-Fußball, der in zwei Meisterschaften und einer Finalteilnahme in der Champions League mündete, können DFB-Pokalsiege kein Trostpflaster mehr sein. Wer Erling Haaland in seinen Reihen weiß, muss höhere Ziele als die dauerhafte Qualifikation zur Champions League hegen. Denn Haaland ist das vielleicht größte Investment der Vereinsgeschichte.

"Bayern nur nicht reizen"

In einem Jahr darf Haaland den BVB für eine kolportierte und bisher nicht dementierte Ablösesumme von 80 Mio. Euro verlassen. Wenn Borussia Dortmund bei ihm einen höheren Preis erzielen wollte, müsste der Transfer schleunigst bis zum 31. August 2021 erfolgen. Dann wären sogar die handelsüblichen 130 Mio. Euro drin. Also 50 Mio. Euro mehr als im Sommer im nächsten Jahr.

Der BVB hat darauf verzichtet, der Rest ist Mathematik: Jedes Haaland-Spiel kostet in der Saison 2021/22 rund eine Million extra. Keine Frage: Auftritte wie am vergangenen Samstag (zwei Tore und drei Torvorlagen) sind jeden Euro wert. Abgerechnet wird jedoch am Saisonende. Den Weg in die Königsklasse haben sie in Dortmund auch vorher schon gefunden. Da muss mehr kommen.

Aus gutem Grund windet sich BVB-Sportdirektor Michael Zorc bei der Frage, wie die wahren Saisonziele aussehen. Einerseits zeigt Dauerrivale Bayern München auf dem Weg zum zehnten Meistertitel in Folge Ermüdungserscheinungen. Andererseits könnten als zu forsche Ankündigungen neue Lebensgeister beim Rekordmeister wecken. "Bayern nur nicht reizen", gibt Vereinschef Aki Watzke intern als Parole aus.

Der BVB muss aus seiner Underdog-Rolle raus

Der direkte Vergleich heute Abend im DFL Supercup wird noch kein abschließendes Urteil über die tatsächlichen Kräfteverhältnisse zwischen Bayern München und Borussia Dortmund erlauben. Dafür ist die Saison viel zu jung. Beide Trainer haben ihre Arbeit gerade erst begonnen, die Mannschaften sind aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit mit den Nationalspielern noch nicht eingespielt.

Was man aber sagen kann: Borussia Dortmund wird sich auf eine Underdog-Rolle nicht mehr zurückziehen können. Das Titelrennen in der Bundesliga hat man in den vergangenen Jahren nicht gegen Bayern verloren, weil man nicht mithalten konnte, sondern weil man nicht die notwendige Haltung gegen vermeintlich kleinere Mannschaften aufbrachte. Zu viele dumme Punktverluste kosteten die Schale.

Bei Haaland gewinnt man die Überzeugung, dass er eine Nachlässigkeit, wie sie in der Vergangenheit zum Beispiel bei Marco Reus zu beobachten war, nicht ausströmt. Sein Hunger auf Tore wurde vielfach gewürdigt, der Spielstil seines neuen Trainers bringt seine Stärken, Antritt plus Entschlossenheit gleich Torgefahr, noch mehr zur Geltung. Kurzum: Der BVB hat das Geld sehr gut angelegt. Die Rendite wird schon irgendwie kommen.

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Pit Gottschalk ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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