Es ist endlich fix: Ousmane Dembélé verlässt Borussia Dortmund und wechselt zum FC Barcelona. Das Ende des wohl skurrilsten Wechseltheaters der deutschen Fußballgeschichte deckt einen großen Makel moderner Transfergeschäfte auf.

Fabian Teichmann
Ein Kommentar
von Fabian Teichmann

Paris Saint-Germain überweist dem FC Barcelona 222 Millionen Euro für Neymar. Im Gegenzug investieren die Katalanen mindestens 105 davon in die Verpflichtung von BVB-Störenfried Ousmane Dembélé.

Wir Fußballfans bekommen in dieser Transferperiode die mit Abstand irrwitzigsten Summen aller Zeiten um die Ohren gehauen.

Dembélé vs. Zidane? Unverhältnismäßig!

Eigentlich erscheint es nahezu grotesk, dass einst ein anerkanntes Jahrhunderttalent wie Zinédine Zidane für "lächerliche" 73,5 Millionen Euro von Juventus Turin zu Real Madrid wechselte. Das ist gerade mal 16 Jahre her.

Und anno 2017 soll ein 20-jähriger Landsmann Zidanes, der abgesehen von einem DFB-Pokalsieg mit Borussia Dortmund in seiner Karriere kaum etwas erreicht hat, so viel mehr wert sein? Es fällt schwer, hier eine vernünftige Verhältnismäßigkeit zu erkennen.

Dembélé ist unbestritten ein starker Fußballer. Schon für den BVB hat er in jungen Jahren überzeugt und Spiele im Alleingang entschieden. Der Franzose wird auch in Spanien seinen Weg gehen und viele Titel mit dem großen Barça gewinnen.

Dennoch stimmt einen der Ablauf dieses Transfers nachdenklich. Um nicht zu sagen: Er macht sogar wütend.

Problem sind nicht die Ablösesummen

Die bezahlte Summe für Dembélé ist hierbei übrigens egal. Man wird sich schlicht in Zukunft daran gewöhnen müssen. Der Markt verlangt geradezu nach diesen Beträgen.

Allein durch Merchandising und Sponsoring werden Geldflüsse kaum vorstellbarer Ausmaße auf der ganzen Welt in Bewegung gesetzt.

Auch wenn es so manch ein Fußballromantiker nicht einsehen will: Die Neymar- und Dembélé-Transfers dieser Zeit werden sich am Ende des Tages für die potenten Käufer rentieren.

Man kann davor die Augen verschließen oder es einfach akzeptieren. Denn aufzuhalten ist diese Entwicklung gewiss nicht. Und ob die 222 Neymar-Millionen auch im Jahr 2025 noch Weltrekord für den Wechsel eines Fußballspielers sein werden, darf zumindest arg bezweifelt werden.

Berichterstattung leidet unter wuchernden Gerüchten

Eine Entwicklung aber könnte mit wenig Aufwand und schon in naher Zukunft gestoppt werden. Nämlich die Art und Weise des Zustandekommens solcher Transfers.

Für viele Fußballfans hat die Berichterstattung über Transfers und Wechselgerüchte schon seit langem nahezu jeglichen Reiz verloren.

Man wird jeden Tag konfrontiert mit unzähligen Neuigkeiten um die Zukunft der Profis. Oft reichen als Quellen irgendwelche geistigen Ergüsse vermeintlicher Experten, um die nächste "Wende" in einem "Transferpoker" oder das nächste "Irrsinnsangebot aus Paris" oder sonst woher zu vermelden.

Gerade die Posse um Dembélé inklusive seines plötzlichen Verschwindens und all den Nebenkriegsschauplätzen macht diesen Trend besonders deutlich. Und schuld daran ist eine einzige Regel, die diesen Misstand des modernen Fußballs mit sich bringt.

Bitte! Schafft die zwei Monate Transfermarkt ab!

Dass der Transfermarkt im Sommer ganze zwei Monate geöffnet ist, ist vielen Fans schon lange ein Dorn im Auge - und diese wahnsinnig lange Periode lädt natürlich umso mehr zu oben genanntem Gerüchte-Wahnsinn ein.

Mit einer Verkürzung auf einen Monat könnte man zum einen dem vorbeugen, zum anderen den Vereinen schnellere Planungssicherheit in der Saisonvorbereitung bescheren - und auch die quälende Cause Dembélé hätte die Fußballwelt nicht über so lange Zeit verfolgt.

Also, liebe FIFA, UEFA und alle anderen, die an einer solchen Entscheidung beteiligt wären. Tut uns Fußballfans den Gefallen und öffnet den Transfermarkt bitte nur noch im Juli!

Freilich ist die Chance auf eine derartige Regeländerung momentan sehr gering. Doch träumen darf ja wohl erlaubt sein. Zu schön ist einfach die Aussicht auf eine Fußballwelt, in der wir uns ab dem 1. August nur noch mit dem Spiel, das wir alle so sehr lieben, beschäftigen - und nicht mehr mit den finanziellen Eskapaden drumherum.