Kann Werder den drohenden Abstieg in die 2. Liga verhindern? Der Neustart der Bundesliga birgt für die Bremer Chancen und Risiken zugleich. Wer im Tabellenkeller steckt.

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Neuer Start, neues Glück? Werder Bremen bleiben zehn Spiele, um den Sturz in die Zweitklassigkeit abzuwenden. Aber ist die Mannschaft dazu überhaupt in der Lage?

Vor der Saisonunterbrechung befand sich Werder jedenfalls in einer besorgniserregenden Form. Hatte der Bundesligist zu Saisonbeginn noch die internationalen Plätze als Ziel ausgegeben, droht nun der Abstieg in die 2. Bundesliga.

Nur eines der vergangenen elf Bundesligaspiele wurde gewonnen. Und dieser eine Sieg, der sich gegen Fortuna Düsseldorf am 18. Januar ereignete, kam lediglich wegen eines Eigentors zustande.

Werder Bremen: Schwacher Angriff, noch schwächere Verteidigung

Die Probleme zogen sich durch alle Mannschaftsteile: In der Offensive konnte Bremen den Abgang von Stürmer Max Kruse vor Saisonbeginn nicht kompensieren. Die einst so angriffsstarken Bremer haben diese Saison lediglich 27 Tore geschossen - kein Bundesligist traf seltener.

Ähnlich schwach präsentierte sich die Verteidigung bislang: 55 Gegentore sind der schwächste Wert der Liga. Besonders bei gegnerischen Standards herrscht in der Hintermannschaft von Bremen Chaos.

17 Gegentore kamen dadurch zustande. Auch das ist der höchste Wert der Liga. Allerdings war Bremen die ganze Saison über auch stark verletzungsgeplagt. Vor allem die Defensive musste regelmäßig umgestellt werden.

Immerhin: Während der zweimonatigen Bundesliga-Unterbrechung konnten viele verletzte Spieler generieren. Lediglich fünf Spieler fehlen aktuell noch verletzungsbedingt.

Gemeint sind die Stürmer Claudio Pizarro und Niclas Füllkrug, Mittelfeldspieler Kevin Möhwald und die beiden Abwehrspieler Ömer Toprak und Ludwig Augustinsson. Letztere beiden könnten aber schon bald wieder spielen.

Trainer Florian Kohfeldt äußerte sich nach den ersten Trainingseindrücken zufrieden: "Es hat sich bestätigt, dass wir uns athletisch und läuferisch auf einem deutlich höheren Level bewegen als vor der Pause."

Eggestein: Es könnte ein Neustart sein

Könnte für Werder Bremen die Saisonunterbrechung vielleicht sogar ein Vorteil gewesen sein? Können die Grün-Weißen der Negativspirale nun mit frischem Mut entfliehen?

"Es kann ein Neustart sein", sagt Offensivspieler Maximilian Eggestein auf der Vereinshomepage werder.de. "Doch wir fangen nicht bei null an, es ist kein Saisonanfang. Wir wissen, in welcher Situation wir uns befinden."

Die Situation ist weiter dramatisch: Bremen steht auf einem direkten Abstiegsplatz und hat vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, der momentan von Fortuna Düsseldorf belegt wird. Der Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz, auf dem der 1. FSV Mainz 05 steht, beträgt sogar acht Punkte.

Sogar das Tabellen-Schlusslicht, der SC Paderborn, hat nur zwei Punkte weniger auf dem Konto als Werder und könnte den Bremern noch gefährlich werden. Allerdings haben die Bremer auch noch das Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt vor der Brust und somit eine Partie mehr zu bestreiten als die Konkurrenz.

Der Spielplan hat es in sich: Montagabend steht das Heimspiel gegen den Tabellen-Fünften Bayer Leverkusen an. Auch der FC Bayern München, Borussia Mönchengladbach und der FC Schalke 04 sind noch zu bespielen.

Bremen mit Erfahrung im Abstiegskampf

Bremen steckte in den vergangenen Jahren schon öfter im Abstiegskampf und konnte sich daraus befreien. In der Saison 2015/2016 sicherte sich Werder den Klassenerhalt erst in der letzten Minute des letzten Spieltags.

Doch diesmal ist die Situation schwieriger. War früher die Unterstützung der treuen Fans ein Trumpf im Abstiegskampf, fehlt dieser Faktor nun aufgrund der Geisterspiele. Laut Pizarro ist es dadurch "total anders als sonst, aber wir müssen dann einfach unseren Job machen".

Ein weiteres Problem für Werder ist der Trainingsrückstand. Die Bremer Politik, allen voran Innensenator Ulrich Mäurer, sieht den Neustart der Bundesliga eher kritisch und gestattete Gruppen- und Mannschaftstraining später als andere Bundesländer.

Werder-Geschäftsführer Frank Baumann sprach von einem "Wettbewerbsnachteil, da an anderen Standorten bereits seit Wochen in zum Teil deutlich größeren Gruppen als in Bremen trainiert werden konnte".

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Abstieg würde Werder Bremen etwa 45 Millionen Euro kosten

Eines ist sicher: Ein Abstieg würde Werder in eine wirtschaftliche Krise stürzen. Laut einer Berechnung von der "Sport Bild" würden die Einnahmen um etwa 45 Millionen Euro sinken.

Dabei stecken die Bremer aufgrund der Coronakrise ohnehin schon in finanziellen Nöten.

Ende April kündigte Geschäftsführer Klaus Filbry an, dass der Verein einen Not-Kredit aufnehmen wird: "Der Staat hat das Instrument KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau, Anm. d. Red.) zur Verfügung gestellt. Und es ist sinnvoll, um diese Phase zu überbrücken und sinnvoll da herauszukommen."

Laut der "Bild"-Zeitung muss Werder ein Darlehen in zweistelliger Millionenhöhe aufnehmen. Wie hoch der Betrag genau sein wird, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, ob Werder kommende Saison ein Erst- oder Zweitligist ist.

Verwendete Quellen:

  • Sport Bild (Ausgabe 08/2020): Bis zu 40 Prozent weniger Gehalt bei Abstieg
  • Kicker (Ausgabe 41/2020): Kohfeldt lobt das neue Level
  • bild.de: Werder plant Not-Kredit
  • werder.de: "Das Mannschaftsleben fehlt"
  • kreiszeitung.de: Nie mehr Bundesliga? Werder-Stürmer Claudio Pizarro fehlt verletzt für "mehrere Wochen"
  • saarbruecker-zeitung.de: Mit "Lust auf Fußball" zum Klassenverbleib
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