In Dortmund saß der Frust tief nach dem überraschenden und enttäuschenden 2:4 im Revier-Derby gegen den FC Schalke 04. BVB-Coach Lucien Favre erklärte das Rennen um die Meisterschaft gegen Titelverteidiger FC Bayern München schon drei Spieltage vor Schluss für beendet. Dabei kannte Favre das Ergebnis der Bayern beim Derby in Nürnberg noch nicht. Fünf Tage nach dem dortigen 1:1 korrigierte sich Favre.

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Lucien Favre hatte dem FC Bayern München bereits zur Titelverteidigung gratuliert. Das ebenso unerwartete wie unnötige 2:4 im Revier-Klassiker gegen Außenseiter FC Schalke 04 beraubte den Trainer von Borussia Dortmund am 31. Spieltag aller Hoffnungen, die Bayern auf dem Weg zu ihrem 29. Championat noch aufzuhalten.

Nürnberg hält den BVB im Titelrennen

Tags darauf aber knöpfte der 1. FC Nürnberg dem Rekordmeister im Derby beim 1:1 überraschend zwei Punkte ab und stand angesichts eines verschossenen Elfmeters in der 90. Minute selbst ganz dicht vor einer Sensation.

"Jetzt ist wieder alles möglich", betonte Favre fünf Tage später vor dem schweren Gang nach Bremen. "Alle haben gedacht, es ist vorbei. Nicht nur ich", verteidigte sich Favre nun trotzig. Nach dem Bayern-Ergebnis sei "es ganz anders".

Für seine voreilige Kapitulation war Favre zuvor vielfach heftig kritisiert worden. Selbst BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc widersprachen dem Coach.

Dass ausgerechnet Dortmunds früherer Trainer Ottmar Hitzfeld den BVB für seine Außendarstellung kritisierte, dürfte den Dortmunder Bossen aber noch weniger gefallen.

Hitzfeld kritisiert die Führung des BVB

Diese hätten sich laut Hitzfeld zu ihren Titelambitionen "früher klar positionieren sollen", monierte der 70-Jährige in der Schweizer Zeitung "Blick".

Dortmund mache auf ihn einen "sehr nervösen Eindruck", und es sei nach der Derby-Niederlage "nicht besonders geschickt" gewesen, zu sagen, "der Titel sei weg".

Zorc aber schützte Favre. Der 61-Jährige habe die Aussage unter dem Eindruck der bitteren Derby-Pleite getätigt und sei, wie andere auch, davon ausgegangen, dass die Münchner beim Club gewinnen und den Vorsprung in der Tabelle auf vier Punkte ausbauen würden.

Hitzfeld sieht seinen anderen Ex-Klub FC Bayern im Meisterrennen trotzdem klar im Vorteil. "Sie haben einen Riesenrückstand aufgeholt und haben es nun in der eigenen Hand. Dortmund ist den Beweis schuldig geblieben, Big Points machen zu können."

Der nun noch immer knappe Rückstand von zwei Zählern verleiht dem BVB jedoch frischen Mut. "Nach der Derby-Niederlage waren alle in einer tiefen Depression", sagte Zorc: "Jetzt ist wieder alles offen. Und wir werden - solange es möglich ist, Meister zu werden - alles dafür tun."

Marco Reus fehlt in Bremen und gegen Düsseldorf

Laut Favre wissen auch die Spieler, dass die Titelchance noch da ist: "Aber wir müssen in Bremen eine Top-Leistung bringen, wenn wir gewinnen wollen."

Noch dazu, da Kapitän Marco Reus nach seinem Platzverweis aus der Partie gegen Schalke ebenso gesperrt fehlt wie der zweite Rot-Sünder, Marius Wolf.

Den Ausfall von Reus wollte der von einer heftigen Erkältung geplagte und mit heiserer Stimme redende Favre nicht weiter kommentieren: "Es bringt nicht viel, darüber zu sprechen. Er ist nicht da, er ist gesperrt." (dpa/hau)

Lucien Favre gibt das Meisterrennen gegen den FC Bayern München vorzeitig auf

In der Enttäuschung über das unerwartete 2:4 im Revier-Schlager daheim gegen den Erzrivalen FC Schalke 04, erklärt Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre den Meisterschaftskampf mit dem FC Bayern München für beendet. © DAZN
Teaserbild: © picture alliance/dpa/Ina Fassbender