Der Fußball-Samstag war der Wahnsinn, darf sich aber nicht zu oft wiederholen. Sebastian Rode hätte lieber mal geschwiegen, beim HSV gibt's bald eine Menge Herzschmerz und Niklas Süle beweist seinen Torjäger-Instinkt. Unsere wie immer nicht ganz ernst gemeinten Lehren des 33. Spieltags.

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1. Lehre: Solche Samstage sind der Wahnsinn - und braucht's genau zweimal im Jahr

Ablösesummen im dreistelligen Millionenbereich, mithilfe von Eklats erpresste Spielertransfers und eine zunehmende Eventisierung dieses Sports: Der Profi-Fußball hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr von seinem wichtigsten Gut entfernt - dem Fan.

Wie wohltuend sind da die letzten beiden Spieltage einer Saison. Als ob einen eine Zeitmaschine knapp 20 Jahre zurückbefördert, in die goldene Premiere-World-Ära, in der auch damals schon ein Fritz von Thurn und Taxis sein "Huuuuuiiiiiiii" ins Mikrofon brunfte und Marcel Reif die verlierende Mannschaft genauso harsch beschimpfte, wie eine Mutter ihr Kind, das sich weigert, sein Zimmer aufzuräumen.

Neun Spiele, alle um 15:30 Uhr, Tore im Minutentakt. Gepaart mit der Tatsache, dass die finalen und letztlich auch dramatischen Entscheidungen um Europapokal und Ligazugehörigkeit stattfinden. Einfach weltklasse.

Und natürlich ist er da, dieser Reflex, der schneller kommt als der von Manuel Neuers Reklamierarm nach einem Gegentor: Das brauchen wir jedes Wochenende! Das ist Emotion! Das ist Fußball!

Ja, das wäre in der Tat schön. Und es wäre auch schön, wenn tägliches Pommesessen beim Abnehmen helfen und der Sommer in Deutschland ein dreiviertel Jahr dauern würde.

Doch auch der deutsche Profi-Fußball ist den Gesetzen des Marktes unterworfen. Die einfache Rechnung: Je mehr Spiele im TV gezeigt werden können, desto bester können diese vermarktet werden und umso höher sind die Einnahmen. Das generierte Geld fließt auf die Konten der Vereine, die mit diesem wiederum bessere Spieler holen können, um es auch mit der internationalen Konkurrenz aufzunehmen.

Wer von 15:30 Uhr an jedem Samstag träumt, darf sich nicht über das vermeintlich schwache Niveau der Bundesliga echauffieren. Samstag 15:30 Uhr ist ein schöner Traum. Freitag, Samstag, Sonntag, Montag die Realität. Auch wenn diese für so manchen härter ist als ein Naldo-Freistoß im Revierderby.

2. Lehre: Sebastian Rode hätte besser mal geschwiegen

Mensch, was war das für ein verkorkstes Wochenende aus BVB-Sicht. Mit 1:2 verlor die Mannschaft von Trainer Peter Stöger gegen den FSV Mainz 05, verpasste dadurch die vorzeitige Champions-League-Qualifikation. Zudem wurde Roman Weidenfeller sein von vielen Fans geforderter letzter Auftritt im eigenen Stadion verwehrt und der ungeliebte Nachbar aus Gelsenkirchen sicherte sich mit einem 2:1-Erfolg in Augsburg die Vizemeisterschaft.

Doch damit der negativen Schlagzeilen nicht genug. Am Sonntag machte es sich Sebastian Rode - ja genau, eben der Sebastian Rode, der bei Borussia Dortmund verletzungsbedingt noch seltener den Rasen betritt als einst beim FC Bayern - bei Jörg Wontorras Fußballtalk gemütlich.

Warum er da war? Man weiß es nicht. Und über den Auftritt des 27-Jährigen dürften alle, die es mit dem BVB halten, noch angefressener sein als über das, was die Mannschaft tags zuvor gegen Mainz abgeliefert hat.

Rode sprach das aus, was sich zwar ganz viele bereits denken, aber insbesondere ein BVB-Spieler nicht in die Öffentlichkeit tragen darf. "So wie er sich in der Kabine ausdrückt, gehen wir fest davon aus, dass wir in der kommenden Saison einen neuen Trainer haben werden", sagte Rode in der Runde und kündigte damit den Abschied Stögers live im Fernsehen an.

Den wahrscheinlichen Nachfolger Lucien Favre nannte Rode "spannend", weshalb er ausschloss, sich einen neuen Verein zu suchen. "Es geht dann einfach darum, wie ich mich dem neuen Trainer präsentieren werde. Dann werden wir sehen."

Wie sich Rode im TV präsentiert hat, haben viele gesehen. Und eines ist klar: Solch einen unprofessionellen Auftritt wird kein Trainer gutheißen. Erst recht nicht ein auf Anstand pochender Mensch wie Lucien Favre.

3. Lehre: Beim HSV gibt's bald mehr Herzschmerz als in der Bravo

Der HSV hält die Klasse. Er hält sie nicht. Er hält sie. Er hält sie nicht. Er hält sie. Er hält sie nicht... In den vergangenen Wochen erinnert das sportliche Hin und Her der Hamburger ein wenig an das Gänseblümchen-Spiel eines verliebten Teenagers.

Momentan sieht es nun doch wieder nach reichlich Herzschmerz für die HSV-Fans aus - mehr als in jeder noch so schmalzigen Bravo-Foto-Lovestory.

Zwar gaben sich einige HSV-Spieler wie beispielsweise Aaron Hunt nach der 0:3-Niederlage bei Eintracht Frankfurt trotziger als ein Kind, das von seiner Mutter beschimpft wird, weil es sein Zimmer nicht aufgeräumt hat (Moment mal, das kommt uns irgendwie bekannt vor), doch die Hoffnung auf Rettung schwindet.

Und selbst ehemalige Hamburger haben kein Mitleid mit dem Dino. Ex-HSV-Profi Niko Kovac coachte seine Frankfurter zum Sieg, Ex-HSV-Profi Alex Meier netzte sogar noch zum 3:0-Endstand ein.

Zum Glück gibt’s ja noch Ex-HSV-Trainer Bruno Labbadia. Der gibt mit seinem VfL Wolfsburg derzeit wahrlich alles, um die Hamburger doch noch irgendwie zu retten.

Doch wenn sich die Wölfe am Samstag gegen den 1. FC Köln doch irgendwie zum Remis duseln, ist das Hamburger Schicksal besiegelt und für die Fans ist es Zeit, das nächste Gänseblümchen zu pflücken.

Der HSV schafft den Wiederaufstieg, er schafft ihn nicht, er schafft ihn, er schafft ihn nicht, er schafft ihn ...

4. Lehre: Niklas Süle zeigt allen, wie es geht

In Italien wird jedes Jahr die "Goldene Mülltonne" für den schlechtesten Spieler der Serie A verliehen. Werder Bremens Ishak Belfodil gewann sie im Jahr 2014, damals noch als Spieler von Inter Mailand. Carsten Jancker schaffte es als Profi von Udinese Calcio 2003 immerhin auf den dritten Rang. Rekordsieger: der brasilianische Stürmer Adriano.

Wer solch eine Trophäe in der Bundesliga verdient hätte, wollen wir nicht beurteilen. Allerdings wäre es doch schön, wenn solche - vielleicht etwas weniger fiesen - Awards auch hierzulande eingeführt werden würden.

Der Gewinner in der Kategorie dreisteste Schwalbe bekäme den "Goldenen Andy Möller", für das schönste Freistoßtor der Saison gäbe es den "Goldenen Krassimir Balakow" und der Profi mit den meisten Eigentoren der Saison dürfte den "Goldenen Nikolce Noveski" mit nach Hause nehmen.

Letzteren Titel würde in dieser Spielzeit ohne jede Frage Bayerns Niklas Süle einheimsen - und damit hätte er dann am Ende vielleicht doch noch sein Triple errungen.

Beim 3:1-Sieg der Münchner in Köln bescherte der Innenverteidiger dem Gastgeber die Führung, als er eine Flanke von rechts einwandfrei im Winkel unterbrachte. Sven Ulreich hätte in diesem konkreten Fall zwar mit den Händen hingehen dürfen, war aber chancenlos.

Für Süle war es übrigens das dritte Eigentor in dieser Saison. Dieses Kunststück gelang zuletzt HSV-Legende Manfred Kaltz 1977/1978.

Süle hat damit nicht nur häufiger ins eigene Tor getroffen als ins gegnerische (zweimal), sondern auch mehr Eigentore erzielt als die HSV-Stürmer Jann-Fiete Arp (zwei), Bobby Wood (zwei), Luca Waldschmidt (eins) und Sven Schipplock (null) jeweils Tore ins gegnerische Gehäuse.

Damit das hier aber nicht wieder wie ein HSV-Bashing daherkommt, soll an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass auch zwei der drei Stürmer des HSV-Konkurrenten VfL Wolfsburg, namentlich Landry Dimata und Victor Osimhen, mit jeweils null Treffern Süle in Sachen Kaltschnäuzigkeit und Effektivität vor dem Tor in keinster Weise das Wasser reichen können.

Wer sich also fragt, wieso ausgerechnet Hamburg und Wolfsburg so tief im Schlamassel stecken, dürfte nun zumindest einen Teil der Antwort geliefert bekommen haben. Denn wenn sich in einem Team die Bewerbungen für den "Goldenen Francis Kioyo" häufen, wird es im Kampf gegen den Abstieg nun einmal eng.

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