Die Liga ist ein Kindergarten, die Erziehung funktioniert aber nur in Wolfsburg. Und natürlich bei den Bayern – auch wenn Ancelotti mit seinem antiautoritären Ansatz eher wie ein Hippie rüberkommt. Einer macht sich derweil auf, zum Musterschüler zu werden. Nur das mit dem Anziehen klappt noch nicht ganz. Die (wie immer nicht ganz ernst gemeinten) Lehren des Spieltags.

1. Lehre: Der Kleine will doch nur spielen

Was war das denn? Da krabbelt ein erwachsener Mann unter einem anderen erwachsenen Mann hindurch, obwohl der doch gerade beschäftigt ist und mit vier anderen erwachsenen Männern im Kreis steht.

Gut, die geben sich nur die Hand und wetten dann, welche Münzseite oben landet. Aber trotzdem, macht man das denn, lieber Roman? Nur um an den Ball zu kommen? Das kennt man doch sonst nur aus dem Kindergarten.

Oder war da doch ein perfider Plan dahinter und Bürki wollte den Ball verhexen, wie die "Bild" spekuliert hat.

Hexerei und Aberglaube hin oder her, an so vereinfachende Antworten glauben wir nicht. Wir haben da eine ganz andere Theorie: Bürki wollte Schiedsrichter Daniel Siebert vor dem Anstoß mit der Krabbelaktion nur seine kindliche Ballverliebtheit demonstrieren.

Und offenbar hat das auch geklappt, denn als Bürki Ingolstadts Dario Lezcano kurz nach der Halbzeit das Bein stellte, wertete Schiri Siebert das etwa nicht als Foul und entschied auf Elfmeter.

Vielmehr dachte er sich wohl: Der will doch nur spielen, der kleine Roman aus der Krabbelgruppe.

2. Lehre: Wer neidisch ist, …

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Es gehört ja mittlerweile zum guten Ton, die Leipziger - wenn sie denn gegen die eigene Mannschaft spielen - mit herablassenden Spruchbändern, Plakaten oder noch Schlimmerem niederzumachen.

Schließlich ist es ja gar nicht fair, dass die sich mit Millionen von Red Bull einfach so in die Spitzengruppe der Bundesliga einkaufen.

Gemein ist es, dass die was haben, was man selbst nicht hat. Wer kleine Kinder hat, kennt das ja: Immer ist das besser, was der andere hat. Das wird dann natürlich auch lautstark kundgetan – zumeist mit Geschrei.

Manchmal wird es aber auch aufgeschrieben. Die Rechtschreibung ist dann natürlich zweitrangig – wenn man doch so neidisch ist:

3. Lehre: So funktioniert Erziehung

Genug der Gemeinheiten nun. Niemand ist perfekt und der nette Fan hat vielleicht nun einmal ein Defizit im Bereich Rechtschreibung.

So wie Mario Gomez im Spiel mit dem Ball. Aber dem nimmt das niemand übel. Und schon gar nicht Andries Jonker.

Denn Jonker ist nicht nur ein guter Trainer, sondern auch ein perfekter Erzieher. Und was bringen Erzieher ihren Kinderlein bei: Genau das zu machen, was sie können und alles andere lieber sein zu lassen. Deswegen darf Gomez jetzt nicht mehr richtig mit der Mannschaft spielen, sondern soll einfach nur noch "um Gottes Willen im Strafraum" bleiben (Jonker zu Gomez).

So einfach das pädagogische Rezept der klaren Anweisung auch klingen mag: Es wirkt. Denn unter Jonker trifft Gomez immer – gegen Darmstadt war es sein zwölftes Tor im achten Spiel.

Irre, wenn Erziehung funktioniert.

4. Lehre: Einfach mal laufen lassen

Noch irrer ist es aber, wenn man gar nicht mehr erziehen muss. Es also laufenlassen kann. So wie Carlo Ancelotti in München. Richtig schön antiautoritär in bester Hippie-Manier sozusagen.

Da kann man auch mal darüber hinwegsehen, wenn einem ein ausgewechselter Spieler nicht gleich um den Hals fällt. Der Robben ist halt ein Ehrgeizling, muss man verstehen. Und ein Ancelotti tut das natürlich. Er sei ja als Spieler auch nicht glücklich gewesen, wenn er ausgewechselt wurde. Schelte gibt's deswegen keine.

Ancelotti ist nun einmal von der ruhigen Sorte, sein Coaching wirkt eher wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang; halt an der Seitenlinie entlang. Und die Jungs, die sollen einfach frei aufspielen. Dem Erfolg tut's keinen Abbruch.

Das war in den letzten drei Jahren ganz anders. Also nicht, dass die Bayern nicht trotzdem 7,7 von 10 Spielen gewonnen hätten. Aber was war das immer für ein Ballyhoo an der Seitenlinie. Da stand – oder besser: zeigte, fuchtelte, schrie, brüllte und berserkerte – Pep Guardiola.

Von antiautoritärer Erziehung hält der nämlich so gar nix, vielmehr fordert er von jedem einzelnen seiner Spieler genau den Spielplan zu befolgen. Sonst droht Ärger. Davon können nicht nur die schwer erziehbaren Zlatan Ibrahimovic und Mario Mandzukic ein Lied singen.

Und mittlerweile auch nahezu das gesamte Team von Manchester City. So berichtet es zumindest die "Times". Demnach will sich Guardiola nach dem Champions-League-Aus von bis zu 15 Spielern trennen. Eine einfache Lösung: Wenn die Klasse nicht spurt, muss sie eben ausgetauscht werden.

Die "Sport Bild" berichtet hingegen, dass er durchaus selbstkritisch mit sich umgehe – und nicht alle Schuld seinen Lehrlingen geben will. "Jetzt ist der erste Moment in meiner Karriere, in dem ich fühle: Jetzt bist du als Trainer gefragt."

Wirkt ja fast so als wäre er davor Leiter einer sich selbst verwaltenden Klasse gewesen – und hätte einfach alles laufenlassen.

5. Lehre: Lieber cool als erfolgreich?

Es war schon immer so, die Coolen wollen ganz hinten sitzen. Davon hat sich nun offenbar die ganze Liga anstecken lassen. Weil Klassenprimus sein, das ist ja voll spießig und – wenn überhaupt – Bayern-like. Alle anderen kämpfen aktuell eher darum, cool als erfolgreich zu sein.

Gucken wir uns den angeblichen Kampf um Europa doch mal genauer an:

  • Leipzig: S – S – U – N – N
  • Dortmund: S – S – S – N – S
  • Hoffenheim: S – U – S – U – S
  • Hertha: U – S – N – S – N
  • Köln: U – N – N – U – S
  • Frankfurt: N – N – N – N - U

Vor allem angesichts der Europa-League-Jäger-Statistik ist es doch erfrischend, wenn man jemanden sieht, der – Cool-sein-wollen hin, Cool-sein-wollen her – mit aller Kraft nach ganz oben will. So wie Anthony Modeste, der sich mit seinen drei Treffern gegen die Hertha wieder näher an die Torjäger-Spitze herangeschossen hat.

Wenn der sich dann noch richtig anzieht, könnte er doch glatt zum Musterschüler werden.