Eine Legende tritt ab - Claudio Pizarro im Wandel der Zeit

Mit 41 Jahren hängt Claudio Pizarro seine Fußballschuhe an den Nagel. In 21 Jahren Bundesliga erzielte der Peruaner für Werder Bremen und für den FC Bayern in fast 500 Spielen 197 Tore und wurde zum am häufigsten eingesetzten ausländischen Fußballspieler. Wir blicken zurück auf eine beispiellose Karriere.

Am 26. August 1999 wechselt ein gewisser Claudio Pizarro vom peruanischen Erstligisten Alianza Lima nach Deutschland zum SV Werder Bremen. Nur zwei Tage später feiert der damals 20-Jährige gegen Hertha BSC sein Bundesligadebüt. Der Beginn einer großen Erfolgsgeschichte.
Schnell wird Pizarro unverzichtbar in der Werder-Startelf. Gleich in seinem zweiten Spiel schießt Pizarro sein erstes Tor für Werder. In seinem dritten Spiel gegen Wolfsburg (Foto) gelingt ihm ein lupenreiner Hattrick. Am Ende seiner ersten Saison kommt der Stürmer auf zehn Tore und fünf Vorlagen in 25 Bundesligaspielen.
In seiner zweiten Saison legt Pizarro nach und kommt nach 31 Bundesligaspielen auf 19 Tore und sieben Vorlagen. Spätestens nach seinem Doppelpack beim 3:2-Sieg der Bremer in München am 31. März 2001 (Foto) dürfte auch der deutsche Rekordmeister auf den Stürmer aufmerksam geworden sein.
Und so wird Pizarro (Mi.) am 7. Juni 2001 als Neuzugang (Abklösesumme rund 7,5 Millionen Euro) beim FC Bayern vorgestellt. Beim frisch gebackenen Champions-League-Sieger macht er munter mit dem Toreschießen weiter (15 Bundesligatore) und gewinnt im Winter den Weltpokal. Auf einen nationalen Titel muss Pizarro aber weiter warten.
Diesen kann er am Ende der folgenden Saison allerdings bejubeln. Mit dem FC Bayern gewinnt Pizarro im Jahr 2003 die Meisterschaft sowie den DFB-Pokal. Mit seinen abermals 15 Bundesligatoren hat der Peruaner entscheidenden Anteil an seinem ersten Meistertitel.
In den Jahren 2003, 2005 und 2006 gewinnt Pizarro mit dem FC Bayern jeweils das Double. Der zum 30. Juni 2007 auslaufende Vertrag wird nicht verlängert, nachdem Pizarro ein Angebot der Bayern abgelehnt hatte. Im Juli 2007 wechselt Pizarro daher ablösefrei in die Premier League.
Dort unterschreibt er beim FC Chelsea einen Vierjahresvertrag. Gleich in seinem ersten Einsatz in der Premier League schießt Pizarro ein Tor. In der gesamten restlichen Saison sollte allerdings nur noch ein weiteres folgen. Da er sich nicht durchsetzen kann und meist nur von der Bank kommt, wechselt Pizarro - zunächst auf Leihbasis - zurück in die Bundesliga.
Zum zweiten Mal heuert Pizarro an der Weser an. Mit 28 Toren und sechs Vorlagen in 46 Pflichtspielen macht der Leihspieler sich schnell wieder unverzichtbar. Am Ende der Saison steht der bislang letzte Pokal-Sieg von Werder Bremen. Nachdem er die folgende Saisonvorbereitung wieder in London verbringt, kehrt Pizarro fest nach Bremen zurück.
Pizarro bleibt (inklusive der Leihe) vier Jahre in Bremen. In dieser Zeit schießt er starke 89 Tore in 144 Pflichtspielen, womit er Giovane Élber als damals besten ausländischen Schützen der Bundesliga ablöst. Einen weiteren Titel - neben dem DFB-Pokal - gewinnt Werder in der Zeit nicht. Titel sammelt Pizarro dafür bei seiner nächsten Station.
Zur Saison 2012/2013 wechselt Pizarro wieder an die Isar. Dort gewinnt er im Finale von Wembley gegen Borussia Dortmund nicht nur die Champions League (Foto), sondern in Kombination mit deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal gleich das historische Triple.
Auch im Alter von 34 Jahren hat Pizarro das Toreschießen nicht verlernt: Am 30. März 2013 schießt er beim 9:2-Sieg der Bayern in der Bundesliga gegen den HSV vier Tore (Foto). Wenige Monate zuvor hatte er in der Gruppenphase der Champions League gegen LOSC Lille einen Dreierpack geschnürt.
Im Sommer 2015 kann sich Pizarro (Mi.) über den dritten Platz bei der Copa América mit der peruanischen Nationalmannschaft, die er dabei dreimal als Kapitän anführt, freuen. Beim FCB ist nach drei Saisons, in denen Pizarro hauptsächlich als Joker zum Einsatz kommt, Schluss. Nach kurzer Zeit ohne Verein, findet er allerdings wieder einen "neuen" Klub.
Wieder Werder! Im Septemeber 2015 unterschreibt Pizarro zum dritten Mal in Bremen. Sagenhafte 14 Tore schießt der mittlerweile 37-Jährige in 28 Bundesligapartien. Zur Belohnung wird sein Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Im Anschluss an diese zweite Saison findet Pizarro, nach erneuter kurzer vereinsloser Zeit, im September 2017 einen neuen Arbeitgeber.
Pizarro wechselt zum 1. FC Köln. Nach einigen kleineren Verletzungen erzielt er am 4. März 2018 im Spiel gegen den VfB Stuttgart seinen ersten (und einzigen) Treffer für die Geißböcke. Nach einer Saison verlässt Pizarro Köln wieder und macht sich auf für seine diesmal wirklich letzte Rückkehr.
Werder, die vierte! In der Saison 2018/2019 wird Pizarro mit dem 1:1-Ausgleichstreffer bei Hertha BSC am 16. Februar 2019 mit 40 Jahren und 136 Tagen zum ältesten Bundesliga-Torschützen (später baut er den Rekord auf 40 Jahre und 227 Tage aus). Mit dem Tor trifft er außerdem als erster Spieler der Bundesligageschichte in 21 aufeinanderfolgenden Jahren.
Die Saison 2019/20 lief nicht nur für Pizarro, sondern auch für Werder Bremen, das sich nur durch die Relegation in der Bundesliga halten konnte, alles andere als rund. Das schmälert die Karriere eines großen Bundesligaspielers allerdings nicht. Alles Gute, Claudio Pizarro, und vielen Dank für die letzten 21 Jahre!