Kevin Großkreutz beendet Karriere: Darum werden wir ihn vermissen - und darum nicht

Nach André Schürrle und Benedikt Höwedes beendet mit Kevin Großkreutz der nächste Rio-Weltmeister seine Profikarriere in vergleichsweise jungen Jahren. Künftig kickt er in der 6. Liga. Wir blicken zurück auf die Laufbahn des 32-Jährigen, die von Licht und Schatten gleichermaßen begleitet war.

Da es in der Jugend seines Herzensvereins Borussia Dortmund für ihn noch nicht reicht, arbeitet sich Kevin Großkreutz bei Rot-Weiß Ahlen hoch und debütiert schließlich im Alter von 18 Jahren im Herrenfußball in der Regionalliga und wird dort schnell zum Stammspieler.
Großkreutz' Traum vom BVB geht rund drei Jahre später dann doch noch in Erfüllung. Sein Bundesligadebüt feiert er am 8. August 2009 im Spiel gegen den 1. FC Köln.
In der Folgesaison holen die Dortmunder nicht nur die zweite Meisterschaft in Folge, sondern sichern sich nach einem 5:2-Sieg im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern auch den Pokal.
Im Jahr 2013 kommt Großkreutz mit dem BVB unter Trainer Jürgen Klopp bis ins Finale der Champions League, scheitert dort jedoch am FC Bayern. Ein Jahr später macht Großkreutz mit dem "Döner-Eklat" Schlagzeilen: Im Mai 2014 wird er beschuldigt, einem Mann in Köln einen Döner ins Gesicht geworfen zu haben. Er wird angezeigt, das Verfahren später aber eingestellt.
Nur kurz darauf, nach dem verlorenen Pokalfinale abermals gegen den FCB, gibt es wieder Aufregung um Großkreutz. Bei dem an die Niederlage anschließenden Mannschaftsabend soll er volltrunken gegen eine Säule in der Lobby eines Luxushotels uriniert haben. Dafür kassiert er unter anderem einen Rüffel von DFB-Manager Oliver Bierhoff.
Trotzdem reist Großkreutz wenig später mit der deutschen Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft nach Brasilien. Dort bleibt er zwar ohne Einsatz, wird aber trotzdem gemeinsam mit dem DFB-Team Weltmeister.
Beim traditionsreichen BVB lieben die Fans Großkreutz für seine Authentizität. Seine Titel mit der Borussia lässt er sich - ebenso wie den WM-Pokal - auf den Rücken tätowieren. Seine rechte Wade ziert außerdem die Skyline von Dortmund.
Wie es sich für einen Vollblut-Dortmunder gehört, hält Großkreutz auch mit seiner Abneigung gegen den Rivalen Schalke 04 nicht hinter dem Berg. "Dann kommt er ins Heim", sagte er mal auf die Frage, was er machen würde, sollte ein Sohn von ihm Schalke-Fan werden. "Die sind mein Feindbild Nummer eins", fügte er hinzu. "Für kein Geld der Welt würde ich dort spielen. Schalker hasse ich wie die Pest."
Unter dem neuen BVB-Trainer Thomas Tuchel findet Großkreutz im Jahr 2015 keine Berücksichtigung mehr und wird nur noch in der zweiten Mannschaft eingesetzt. Mit dem Abschied vom BVB geht es dann mit seiner Karriere bergab. Wegen einer Transferpanne darf er bei seinem neuen Klub Galatasaray Istanbul nur trainieren, aber nicht spielen. So wechselt Großkreutz im Januar 2016 zum VfB Stuttgart.
Mit dem VfB steigt Großkreutz in die 2. Liga ab. Im März 2017 verkündet er auf einer Pressekonferenz unter Tränen seinen Abschied. Der Pressekonferenz war eine nächtliche Schlägerei im Stuttgarter Rotlichtviertel vorangegangen, bei der Großkreutz übel zugerichtet wurde.
Nachdem er sich rund vier Monate bei der zweiten Mannschaft des BVB fit gehalten hat, wechselt Großkreutz zum SV Darmstadt 98. Für die "Lilien" absolvierte er 27 Spiele in der 2. Bundesliga und erzielte dabei drei Tore.
Nach nur einer Saison wechselt Großkreutz zum Drittligisten KFC Uerdingen. Am 9. August 2019, fast auf den Tag genau zehn Jahre nach seinem Bundesligadebüt für den BVB, trifft er in der 1. Runde des DFB-Pokals auf seinen ehemaligen Klub. Im Anschluss an die 0:2-Niederlage lässt sich Großkreutz gemeinsam mit Tochter Leonie von den mitgereisten BVB-Fans feiern.
Am 3. Oktober 2020 endet für Großkreutz auch das Kapitel Uerdingen. Nach Streitigkeiten um ausstehende Gehälter kündigt der Verein dem Weltmeister von 2014 fristlos. Vor Gericht erstreitet Großkreutz eine Auszahlung des Gehalts sowie eine Abfindung. Da der Verein allerdings vor der Insolvenz steht, steht der Zeitpunkt der Bezahlung noch in den Sternen.
Am 26. Januar 2021 unterschreibt der mittlerweile 32-Jährige einen Vertrag bei einem Sechstligisten, dem Dortmunder Vorortklub TuS Bövinghausen. Wenige Tage zuvor hatte er seine Profikarriere für beendet erklärt. In einem Videoabschied sagt er: "Ich habe als kleiner Junge auf Asche in Eving beim VfL Kemminghausen angefangen. Jetzt möchte ich dorthin zurückkehren, wo ich hergekommen bin – zum Amateurfußball. Ich möchte mit Freunden spielen und die nächste Geschichte schreiben."