Fußball ist doch noch geil, Jupp Heynckes nervt schon jetzt und Hertha BSC hätte mal besser nicht so weit die Klappe aufgerissen: die Lehren des 8. Bundesliga-Spieltags.

Meine Meinung
von Swen Thissen

1. Lehre: Jupp Heynckes nervt schon jetzt

Kurze Zusammenfassung der deutschlandweiten Sportberichterstattung der Vorwoche: Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes, Heynckes.

Nach dem 5:0-Erfolg des FC Bayern über den SC Freiburg wurde der Heynckes-Overkill natürlich auch nicht kleiner. "Jupp Jupp hurra", "jupptastisch" oder "Was für ein Juppiläum" war da zu lesen. Von einem "historischen Tag" sprach man bei Sky.

All das ist schwer zu ertragen. Wenn man nicht gerade Jupp-Jünger oder Bayern-Fan ist, nervt der Hype um Heynckes schon jetzt gewaltig.

Hinzu kommt die Dauertiersendung von der Säbener Straße. Jüngste Kapitel im medialen Schäferhund-Schauspiel um Heynckes ist dessen Erzählung in der "Bild": "Cando frisst seit zwei Tagen nicht mehr. Ich habe ihm schon eine Videobotschaft geschickt. Das hat aber nicht geholfen. Stattdessen hat mein Kater Nero in einem Video meiner Frau geantwortet."

Und weil das nicht reicht, fragte die "Bild" später auch noch allen Ernstes, ob Menschen mit Hunden die besseren Trainer seien. Kurze Antwort: Nein, sind sie nicht.

Noch Fragen? Nein. Wirklich nicht. Nur eine Bitte: Könnten wir jetzt vielleicht wieder über Fußball sprechen – und nicht über Haustiere?

2. Lehre: Auf Berlin kommt Großes zu – die Hertha ist es nicht

Hertha BSC setzte am Samstag ein Zeichen für Toleranz, Solidarität und Respekt, als die Mannschaft vor dem Spiel gegen den FC Schalke 04 in Anlehnung an die Proteste der NFL-Spieler in den USA geschlossen auf die Knie ging.

Für die Aktion gab’s viel Lob, aber auch einiges an Kritik. Weil das an sich starke Signal schon sehr danach aussah, als sei es auch ein wenig von einer pfiffigen Medienagentur initiiert.

Auch nicht wirklich schön ist es, wenn man mit großem Getöse für Respekt werben will, die Fans dann aber keine halbe Stunde später sämtlichen Anstand längst wieder vergessen haben …

Unterm Strich war die Aktion aber erfolgreicher als eine Werbekampagne der Hertha für das Spiel gegen die Knappen. Denn die Herthaner rissen per Plakat ziemlich weit die Klappe auf …

… um dann Fußball zu spielen, wie man in Berlin Flughäfen baut: langsam, planlos und viel zu ruppig.

Mit nur neun Punkten aus acht Spielen rutscht die Hertha so langsam aber sicher in Richtung Abstiegskampf, in der Europa League blamierte man sich bisher auch nach bestem Wissen und Gewissen.

Da helfen auch ein paar clevere PR-Kampagnen nicht. Sondern werden eher zum Bumerang.

3. Lehre: Fußball kann so geil sein – nur nicht überall

Fünf Tore, Platzverweise, leidenschaftliche Zweikämpfe, grobe Abwehrfehler, wilde Diskussionen: Das Topspiel zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig war schlicht und einfach ein geiles Fußballspiel. Ganz egal, ob man sich nun über das Ergebnis freut oder nicht.

Das Wochenende war Balsam für manch geschundene Fanseele, die in dieser Saison schon viele, viele katastrophal schlechte Spiele ertragen musste.

Zumal das unfassbar spannende Ende in Stuttgart, die irre Schlussphase in Hoffenheim (Traumtor Uth, Eigentor Vogt) oder der Last-Minute-Geniestreich des Frankfurters Ante Rebic in Hannover auch dafür sorgten, dass endlich mal wieder richtig was geboten war in der Bundesliga.

Für den neutralen Beobachter ist das wunderschön. Nur in Köln haben sie wirklich gar nichts mehr zu lachen. Es riecht nach einer Katastrophensaison. Es muss sich die Frage aufdrängen, ob man nicht doch irgendwann Trainer Peter Stöger entlassen muss, auch wenn es an seinen Qualitäten keinerlei Zweifel gibt.

Und auch beim HSV wird die Laune schlechter. Nach dem Traumstart mit zwei Siegen hatte man ja schon geglaubt, die Hamburger seien auf einem guten Weg. Sechs Spiele später hat der "Dino" nur einen Punkt und nur ein Tor mehr auf dem Konto.

Wir verzichten an dieser Stelle noch auf Witze über die Abstiegsrelegation. Aber lange werden wir diese Selbstdisziplin wohl nicht mehr aufrechterhalten können …

4. Lehre: Breel Embolo wäre gerne Turner geworden

Erinnern Sie sich noch an Ihre Kindheit? Als Ihre Mutter Sie ermahnte, dass man auf einer Rolltreppe keinen Quatsch machen dürfe, weil das viel zu gefährlich sei?

Nun ja. Breel Embolo ist 20 Jahre alt, längst zuhause ausgezogen und darf nun machen, was er möchte.

Und so hatte der Schalker in der Halbzeitpause in Berlin auf ganz eigene Art und Weise seinen Spaß:

5. Lehre: Die Schiedsrichter brauchen ein neues Zeichen

Nein, wir diskutieren hier nicht über den die Video-Schiedsrichter-Entscheidung vom Freitag, die die Partie zwischen dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Köln de facto entschied. Korrekt entschied. Auch wenn FC-Manager Jörg Schmadtke das nicht kapieren wollte.

Wir würden viel lieber darüber diskutieren, wie es sein kann, dass andauernd jemand über den Videobeweis debattiert. Aber nie jemand über die Frage, warum die Unparteiischen andauernd unfassbaren Quatsch pfeifen, was den Einsatz des Video-Schiris ja überhaupt erst notwendig macht.

Doch seien wir ehrlich: Auf diese Frage werden wir heute keine Antwort finden.

Deshalb möchten wir hier den besten Vorschlag des Wochenendes zum Thema unterstützen: Die Schiedsrichter brauchen ein neues Zeichen, um klar signalisieren zu können, dass sie nicht wissen, was sie gerade gepfiffen haben – und die Situation daher gerne noch einmal anschauen möchten: