Julian Nagelsmann ist genervt. Die Jagd auf den vermeintlich nächsten Trainer des FC Bayern gerät langsam, aber sicher zur Farce. Selbst Modefragen werden inzwischen in aller Länge und Breite analysiert. Das findet der Hoffenheim-Trainer gar nicht gut.

Ein bisschen ist er ja auch selbst Schuld an diesem Hype. Wäre er mit der TSG 1899 Hoffenheim in der vergangenen Saison nicht so erfolgreich gewesen und hätte er selbst nicht so erfrischend unbedarft davon erzählt, irgendwann gerne einmal den FC Bayern trainieren zu wollen, Julian Nagelsmann hätte wohl ein ruhiges Leben.

Stattdessen wird seit über einer Woche - genauer gesagt, seit der FC Bayern seinem Trainer Carlo Ancelotti den Laufpass gegeben hat - jede minimalste Regung Nagelsmanns bis ins kleinste Detail analysiert.

Es scheint allen völlig klar zu sein: Dieser Mann wird der nächste Trainer des FC Bayern.

Gerüchte werden befeuert

Die Spekulationen sind nicht neu. Auch die Bayern-Verantwortlichen befeuern derartige Gerüchte.

Sowohl Uli Hoeneß als auch Karl-Heinz Rummenigge betonen immer wieder, dass sich der Rekordmeister als nächste Dauerlösung einen jungen, deutschen Trainer wünscht.

Das schränkt den Kreis der Kandidaten ein. Dass Julian Nagelsmann auch noch Wurzeln in Bayern hat, ist so etwas wie die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

Die Verpflichtung von Jupp Heynckes als klare Interimslösung beim FCB tut ihr Übriges. Das verschafft den Bayern potenziell genug Zeit, Nagelsmann aus seinem Vertrag bei Hoffenheim herauszuverhandeln.

Das alles ist dankbares Futter für die Medien. Der Fußball lebt eben auch von solchen Diskussionen. Die Frage ist aber, wie weit man es treibt.

Privatsphäre gibt es für Nagelsmann nicht mehr

In der Länderspielpause war Julian Nagelsmann in München gesichtet worden. Sky-Reporter Torben Hoffmann hatte ein Bild, das Nagelsmann mit einem kleinen Fan auf einem Münchner Spielplatz zeigt, bei Twitter verwendet - und den kleinen Jungen abgeschnitten.

Dazu schreibt Hoffmann vielsagend: "Julian Nagelsmann heute am Nachmittag in München! Heimatbesuch, Familie ...!"

Das Ausrufezeichen am Ende des Satzes lässt keinen Zweifel aufkommen, was der Sky-Reporter mit den drei Punkten nach "Familie" sagen will.

Nagelsmann wird sich bestimmt mit den Bayern-Verantwortlichen getroffen haben. Nur zu Besuch? Undenkbar, allein schon, weil er auch noch eine rote Jacke getragen hat.

Es ist zwar nicht das erste Mal, dass Nagelsmann mit einer roten Jacke gesichtet wird.

Schon beim DFB-Pokalhalbfinale vergangene Saison zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund war Nagelsmann in einem knallroten Mantel auf der Tribüne der Allianz Arena gesichtet worden.

Und auch da wurde über den vermeintlichen Bayern-Flirt diskutiert. Da saß Ancelotti beim FCB noch fest im Sattel.

"Ich habe sogar ein rotes Auto"

Und schon damals sah sich Nagelsmann zu einem Statement gezwungen. "Ich bin Hoffenheim-Trainer - trotz rotem Mantel, roten Schuhen und roter Cola-Flasche. Ich habe sogar ein rotes Auto, uiuiuiui. Ich habe übrigens auch einen gelben Mantel, aber der steht mir nicht so gut wie der rote", versuchte er das Ganze mit Humor zu nehmen.

Inzwischen reagiert der TSG-Trainer zunehmend genervt auf eine derartige Berichterstattung. "Es gibt und gab keine Anfrage und auch keinen Austausch, keinen Kontakt (zum FC Bayern, Anm. d. Red.)", erklärt der 30-Jährige.

Ihm sei natürlich bewusst, dass spekuliert werde, wenn er in seine Heimat fahre und dort ein Trainer gesucht werde. "Aber ich kann ja schlecht meine Schwiegermutter bitten, ihr müsst jetzt umziehen, da ich nicht mehr nach München darf."

Julian Nagelsmann: "Werde dargestellt wie ein Nomade"

Zudem steigt bei Nagelsmann offenbar die Empfindung, die Gerüchte würden seiner Glaubwürdigkeit schaden. "Ich werde oft dargestellt wie ein Nomade oder Vagabund, der 500-mal den Verein wechselt." Dabei sei er nun schon seit sieben Jahren Trainer in Hoffenheim.

Den Humor und seines Leichtigkeit lässt er sich aber weiterhin nicht nehmen: "Ich mache mir keine Illusionen, dass meine Jackenfarbe Auswirkungen auf meinen künftigen Klub hat. Heute habe ich eine blaue Jacke, und ich kann Richtung Daniel Bierofka sagen: Er muss sich keine Sorgen machen, dass ich übermorgen bei 1860 anfange, auch Domenico Tedesco auf Schalke nicht."

Es ist zu hoffen, dass sich Nagelsmann bei all dem Hype um seine Person diesen Witz und diese Leichtigkeit bewahrt - auch dann, wenn er im Sommer vielleicht tatsächlich Nachfolger von Jupp Heynckes beim FC Bayern wird.

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