Hertha BSC winkt der nächste Geldregen. Investor Lars Windhorst könnte mit weiteren 150 Millionen Euro seine Anteile im Verein bald auf 60 Prozent aufstocken. Doch umgeht er dabei nicht die 50+1-Regel?

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Alles glänzt, so schön neu. Was Peter Fox 2008 ins Mikrofon rappte, besitzt für Hertha BSC Berlin anno 2020 mehr denn je Gültigkeit. Während so mancher Bundesligist aufgrund der Coronakrise überlegen muss, wie er morgen seine Angestellten bezahlen soll, wartet die Hertha freudestrahlend auf die nächste Finanzspritze.

Auslöser der Ekstase ist Investor Lars Windhorst. Vor knapp einem Jahr stieg der 43-Jährige mit 224 Millionen Euro bei der Hertha ein und erwarb 49,9 Prozent der Kapitalanteile der Hertha BSC GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien, kurz KGaA.

Jetzt, ein Jahr später, sollen weitere 150 Millionen Euro folgen - und die Kapitalanteile damit auf rund 60 Prozent steigen. Windhorst plant in Berlin Großes. Und bei der Hertha baut man auf das einstige "German Wunderkind".

In Zeiten vor Hertha BSC: Das "German Wunderkind" Lars Windhorst

Windhorst ist 16, als er Anfang der 1990er seine eigene Firma gründet. Er schreibt Software und schraubt in der Garage der Eltern im Stil von Steve Jobs und Bill Gates an Computern. Mit seiner Electronic GmbH macht er direkt im ersten Jahr 80 Millionen D-Mark Umsatz.

Damit weckt er Begehrlichkeiten. Er begleitet den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl auf Wirtschaftsreisen nach Asien. Jeder spricht über den Teenie, der auf den Spuren von Gates wandelt. Er ist das "German Wunderkind".

Doch das Wunderkind wird erwachsen und muss am eigenen Leib erfahren, wie sich die Kehrseite anfühlt. Die Internetblase platzt, Windhorst geht 2004 in die Insolvenz und wird Jahre später vom Landgericht Berlin wegen Untreue zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und Bußgeld in Höhe von etwa 100.000 Euro verurteilt.

2010 gesteht Windhorst in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Ich habe mich zu wenig konsequent auf meine Geschäfte konzentriert. Es gab einfach so viele Ablenkungsmöglichkeiten. Ich war jung, neugierig, traf spannende Leute, da waren Partys und Presse. Natürlich hatte ich längst abgehoben, ohne es zu merken."

Einstieg bei Hertha BSC mit jeder Menge Geld

Windhorst entwickelt sich im Angesicht des Niedergangs zum Stehaufmännchen. Er wird 2004 Mitbegründer der Investmentgruppe Sapinda, heute Tennor Holding B.V., die mittelständischen und mittelgroßen Unternehmen Kapital zur Verfügung stellt.

2019 schließlich steigt Windhorst bei der Hertha als Investor ein. Er möchte Berlin den angemessenen Klub verpassen. Durch Windhorsts Einstieg steigt das Eigenkapital der Hertha vom 31. Dezember 2018 bis zum 31. Dezember 2019 von 12,6 Millionen Euro auf 182,5 Millionen. Im selben Zeitraum erhöht der Hauptstadt-Klub das Barvermögen von 3,2 Millionen Euro auf 109 Millionen. Jetzt sollen weitere 150 Millionen Euro fließen. Doch Moment mal: Was ist eigentlich mit der 50+1-Regel?

Zur Erinnerung: Die 50+1-Regel besagt, dass nur Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb der Lizenzligen teilnehmen können, an denen der jeweilige Verein die Mehrheit der Stimmanteile hält. Damit soll der Verein die Entscheidungshoheit gegenüber Investoren behalten. Nun würde Windhorst mit der neuerlichen Investition rund 60 Prozent der Kapitalanteile der Hertha KGaA halten. Auf den ersten Blick würde man sagen: 60 Prozent sind eine Mehrheit.

Allerdings beißt sich der Geldregen für die Hertha nicht mit der 50+1-Regel. So ist es Investoren oder Kapitalanlegern nur nicht erlaubt, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen. In diese haben viele Fußball-Klubs, auch Hertha BSC, ihre Profimannschaften nämlich ausgegliedert. Die Mehrheit des Kapitals darf sich allerdings sehr wohl im Besitz privater Investoren befinden.

Profitiert die Hertha von der Coronakrise?

Damit stellt sich nicht die Frage, ob, sondern wann die Hertha den nächsten symbolischen Scheck von Windhorst entgegennimmt. In Berlin machen die Verantwortlichen kein Geheimnis aus dem Umstand, dass die Hertha vor allem dank des neuen Geldgebers die finanziell mauen Jahre ad acta legen kann. "Unsere finanzielle Leistungskraft ist eine völlig andere als vor einem Jahr", erklärte jüngst Herthas Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller auf der virtuellen Mitgliederversammlung des Vereins. Und: Die Tennor-Gruppe sei dabei "der entscheidende Faktor".

Während andere Vereine finanziell straucheln (der FC Schalke lässt als Härtefall herzlich grüßen), kann und darf die Hertha also eine Transferoffensive planen. "Die Naturgesetze der Wirtschaft werden auch jetzt automatisch greifen", ist sich Windhorst sicher.

Was er damit meint? Die Ablösesummen, die Gehälter, alles kühlt in Zuge der Coronakrise herunter. Spieler, die vorher eine wirtschaftliche Utopie waren, sind plötzlich finanzierbar. Und Hertha könnte dank der Windhorst-Millionen Nutznießer sein. Damit in der kommenden Saison auch ja alles schön neu glänzt in Berlin.

Verwendete Quellen:

  • tagesspiegel.de: "Hertha BSC kommt plötzlich neureich daher"
  • sueddeutsche.de: "Und dann verlor ich das Bewusstsein"
  • businessinsider.de: "Einmal Wahnsinn und zurück: Das irre Leben des Hertha-Investors Lars Windhorst"
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