Beim Fernduell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern geht es, nach Ansicht unseres Kolumnisten, nicht nur um die deutsche Meisterschaft. Denn neben dem Titel steht auch die Zukunft von BVB-Trainer Lucien Favre auf dem Spiel.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

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Die Welt hat am Freitag ein Interview mit Dieter Hoeneß veröffentlicht. Der frühere Hertha-Manager erzählte von seinen Erfahrungen mit Lucien Favre. Zum Beispiel, wie ihn sein ehemaliger Trainer mit Personalentscheidungen überraschte, als Hertha BSC die Meisterschaft verspielte.

Sofort fühlt man sich an das Dortmunder 0:5 von München erinnert: Auch Anfang April verpokerte sich Favre bei seiner Aufstellung, indem er Marco Reus auf eine ungeliebte Position und Mario Götze auf die Ersatzbank setzte.

Man kann beide Fälle vermutlich nicht miteinander vergleichen. Aber wenn sich auf Dauer doch herausstellen sollte, dass Favre nicht lernfähig ist und kein Meistermacher, muss BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke intern die Trainerfrage stellen.

BVB darf sich nicht vor den eigenen Ambitionen drücken

Denn eines ist klar: In diesem BVB-Kader steckt meisterliches. Wer mit dieser Truppe neun Punkte verspielt, nachdem der Rivale schon am Boden gelegen hat, muss etwas falsch gemacht haben. Auf eine Debatte über Pech und Unerfahrenheit darf man erst gar nicht eingehen.

Mit Thorgan Hazard und womöglich Julian Brandt wird die Mannschaft zur nächsten Saison so dramatisch verstärkt, dass ein fortdauerndes Ignorieren der Favoritenrolle lächerlich wäre.

Der Verweis auf die ebenfalls verstärkten Bayern liefe ins Leere: Wenn die Dortmunder gerne eine Übergangszeit als Entschuldigung für Nervenschwäche anführen, gilt das in der umgekehrten Argumentation auch für Bayern.

Dann darf sich Borussia Dortmund nicht mehr vor den eigenen Ambitionen drücken.

Vielleicht löst sich jede Kritik in Luft auf, wenn Favre am Samstagnachmittag die Deutsche Meisterschaft gewinnt. Dann gebührt ihm großer Dank. Es ist unbestritten, dass er dem BVB Ruhe gebracht und Spieler verbessert hat. Die Konsolidierung einer Mannschaft aber schützt ihn nicht vor der Frage, ob er der richtige Mann für das letzte Stück des zweitteuersten Bundesliga-Kaders ist. Geschäftsführer Watzke hat erst vor zwei Jahren einen Pokalsieger vom Hof gejagt, weil er nicht an die gemeinsame Zukunft glauben konnte.
Pit Gottschalk, 50, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit'ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de.
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