Karl-Heinz Rummenigge hat Titel und Pokale dutzendweise gewonnen. In der langen Geschichte des FC Bayern war der einstige Weltklasse-Stürmer nur an einem einzigen Gewinn des Europapokals der Meister bzw. der Champions League nicht beteiligt. Das war 1974; er kam erst danach aus Lippstadt.

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Er darf also nächstes Jahr auf eine 50 Jahre alte Verbindung zurückschauen, nur unterbrochen von Gastspielen bei Inter Mailand und Servette Genf, bei der ARD als Co-Kommentator und beim Versuch eines Ruhestands. Seit Dienstag ist er wieder offiziell Funktionär beim FC Bayern - als Mitglied des Aufsichtsrats.

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Das frühere "Rotbäckchen", wie man Karl-Heinz Rummenigge nannte, ist jetzt 67 Jahre alt und damit nur wenig jünger als Uli Hoeneß (71). Assistiert werden sie von Herbert Hainer, auch schon 68 Jahre alt und Vorsitzender im Aufsichtsrat. Der mal geplante Generationswechsel mit Oliver Kahn: Hiermit endgültig abgesagt.

Gemeinsam wollen die verkappten Ruheständler, bevor ein neuer Sportvorstand kommt, den Rekordmeister runderneuern, was einfach klingt (alle sind erfahren) und gleichzeitig sauschwer ist: Der Transfermarkt, inzwischen digitalisiert und komplex, funktioniert heute anders als vor Jahrzehnten in Hinterzimmern.

Profifußball als Warenhaus

Den dreien war schon suspekt, dass sich Oliver Kahn mit Beratern umgab, die ihn offenbar auf der Geschäftsstelle abschirmten und ihm Unnahbares verpassten. Was Kahn vorhatte, entsprang seiner BWL-Logik. Hoeneß aber steht für Bauchgefühl; Rummenigge mit seiner Kühle war immer sein Korrektiv.

Sei's drum. Dem FC Hollywood könnte man jetzt viele Filmtitel anhängen. Die FAZ hat's gestern mit "Zurück in die Zukunft" versucht. Einem fiel spontan die TV-Serie "Der große Bellheim" ein, in der alte weiße Männer eine heruntergekommene Kaufhauskette flottmachen wollen. Der Vergleich passt wie die Faust aufs Auge.

Irgendwie ist Profifußball ja ein Warenhaus: Spieler werden möglichst günstig eingekauft und möglichst teuer wieder verkauft. Man darf darauf vertrauen, dass Rummenigge und Hoeneß an den Grundsätzen des Geschäfts festhalten, dass eine Mannschaft eben nicht nur aus der Summe von Einzelspielern besteht.

Daran hat's ja ein halbes Jahr lang gemangelt: Die Bayern-Mannschaft bildete keine Einheit, die sich auflehnt, wenn's mies läuft. Rummenigge und Hoeneß werden den Schlendrian jetzt austreiben. Die jüngeren Manager der Liga sollten ganz genau hinschauen - und vielleicht sogar von den Alten filmreif lernen.

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