Der FC Bayern gilt als Vorzeigeklub, was die Integration ehemaliger Spieler in den Geschäftskreislauf an der Säbener Straße betrifft. Eine Tatsache, die in naher Zukunft auch für Franck Ribéry oder Arjen Robben interessant werden könnte.

Eigentlich beginnt die ganze Geschichte mit Uli Hoeneß. Die Bayern waren damals noch nicht so gönnerhaft mit verdienten Spielern und als sich die große Zeit der damals größten Mannschaft des Kontinents dem Ende zuneigte, schoben die Verantwortlichen den Welt- und Europameister für ein Taschengeld an Leihgebühr zum 1. FC Nürnberg ab.

Ein Knorpelschaden hatte Hoeneß zu einem verzichtbaren Spieler werden lassen. Als er aber nur ein halbes Jahr später wieder zu den Bayern zurückkehrte, fand sich ein anderer Posten bei einem Klub, der damals rund zwölf Millionen D-Mark Jahresumsatz machte und dessen überdimensioniertes Stadion bei Heimspielen in der Regel nur zu einem Drittel gefüllt war.

Hoeneß machte den Anfang

Hoeneß war der erste ganz große Name, der die Karriere nach der Karriere bei den Bayern anschob. Dass daraus bis heute fast vier Jahrzehnte wurden, daran war damals nicht im Traum zu denken.

Auf Hoeneß folgten Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge oder Paul Breitner. Wolfgang Dremmler durfte jahrelang die besten Nachwuchsspieler scouten, Katsche Schwarzenbeck die Geschäftsstelle der Bayern an der Säbener Straße mit Büromaterialen aus seinem Kiosk versorgen. Raimund Aumann wurde Fanbeauftragter, Hansi Pflügler Leiter des Fanshops, Christian Nerlinger Sportdirektor.

Gerd Müller zeigten die Bayern einen Ausweg aus seiner Alkoholkrankheit und gaben ihm einen Job als Co-Trainer bei den Amateuren. In den diversen Jugendmannschaften sind unter anderem derzeit angestellt: Walter Junghans, Hoeneß-Neffe Sebastian, Tobias Schweinsteiger und Uwe Gospodarek. Alles ehemalige Spieler der Bayern, die mittlerweile in anderer Funktion beim Rekordmeister tätig sind.

Hasan Salihamidzic war der bisher Letzte, dem die Bayern einen Job offerierten und der fast selbstverständlich annahm. Die Bayern-Familie ist nicht nur ein Schlagwort oder ein Claim, ausgedacht von einer findigen Marketingagentur. Sie ist real und ein Mittel zum Zweck.

Kontinuität, Identität und ein bisschen Folklore

"Mia san Mia" heißt das dann wohl auf bayerisch. Es ist der Stallgeruch, der elementar wichtig ist für die Klub-DNA. Ein Gefühl soll transportiert und weitergegeben werden. Damit bedient man die Folklore und die Basis und schafft Kontinuität, Identität und Wiedererkennungswerte, von denen andere Klubs nur träumen. Sofern man sich bei einem hochrentablen mittelständischen Unternehmen Gefühle noch leisten kann.

Im November wiesen die Bayern auf ihrer Jahreshauptversammlung über 640 Millionen Euro Jahresumsatz aus. Seit der Gründung der FC Bayern AG vor 15 Jahren hat sich der Umsatz vervierfacht, die Mitgliederzahl auf 290.000 verdreifacht.

Mit Adidas, der Allianz, Audi und der Telekom haben die Bayern strategische Partner von Weltruf und wo so viel Geld umgesetzt wird, gelten trotz aller Emotion und Tradition im Fußball auch ganz nüchterne Kennzahlen.

Die Bayern haben sich deshalb für einen Mix entschieden: Neben den Altvorderen sitzen externe Experten an Schlüsselpositionen, die keine Tore für die Münchener erzielt haben, zumindest nicht in der Bundesliga. Der Vorstand setzt sich zusammen aus Jan-Christian Dreesen (Finanzen), Andreas Jung (Marketing) und Jörg Wacker (Internationalisierung), im Aufsichtsrat sitzen Größen der deutschen Wirtschaft und Politik. Früher ein paar Bälle ins Tor geschossen zu haben, hilft eben nicht in allen Lebenslagen. Know-how und Expertisen sind auf allen Ebenen gefragt.

Input von außen eingeholt

Auch die Jobs nah dran an den Mannschaften sind sauber abgestimmt. Zuletzt holten die Bayern Leverkusens Chefscout Laurent Busser, davor wurde Jochen Sauer als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von Red Bull Salzburg losgeeist.

Nur in seltenen Fällen bekommen die Bayern ihren Wunschpartner nicht mit ins Boot.

Philipp Lahm war nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn der designierte neue Sportdirektor. So wünschten sich das die Bosse. Lahm selbst wäre als Sportvorstand eine Etage höher wohl eingestiegen. Für den Vorstand um Chef Rummenigge eine denkbare Konstellation, für den Aufsichtsrat um Chef Hoeneß keine Option. Offiziell hat Lahm den Bayern damals abgesagt: "Ich habe am Ende der Gespräche beschlossen, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist, nach der Saison einzusteigen."

Auch Oliver Kahn sagte den Bayern im letzten Sommer ab. Fast schon selbstverständlich galt mit Mark van Bommel ein anderer ehemaliger Spieler als weiterer Kandidat. Dann entschieden sich die Verantwortlichen aus dem Bauch heraus für Salihamidzic.

Soziales, unbürokratisches Engagement

Aber nicht nur im grellen Rampenlicht sorgen die Bayern für ihre ehemaligen Spieler. Als Sammy Kuffour auf tragische Art und Weise seine 15 Monate alte Tochter verlor, waren die Bayern zur Stelle.

Als der ehemalige Angreifer Lars Lunde im Alter von 26 Jahren nach einem schweren Autounfall zum Sportinvaliden wurde, griff ihm Hoeneß moralisch wie finanziell unter die Arme.

Und Jürgen Wegmann, im FCB-Dress der Torschütze des Jahrhunderts, verschafften die Bayern einen Job im Fanshop in Oberhausen und bewahrten den abgestürzten Torjäger vor der Arbeitslosigkeit.

Davon sind Franck Ribéry und Arjen Robben derzeit noch ein gutes Stück entfernt. Womöglich bekommen beide Stars noch einen Folgevertrag über den Sommer hinaus bei den Bayern. Und falls nicht steht die Tür zurück an die Säbener Straße ganz sicher trotzdem weit offen.

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