Der FC Bayern kann vor dem Auftakt der Champions League am Mittwoch gegen Atlético Madrid insgesamt zufrieden sein mit seinem Saisonstart. Nur eine Niederlage in der Bundesliga trübt die Bilanz. Ansonsten wirkt der FC Bayern spielerisch gefestigt und mit den vier Neuzugängen zur Transferdeadline auch in der Breite endlich wieder gut aufgestellt.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
von Steffen Meyer

So gut die Lage insgesamt für den FC Bayern München derzeit ist: Es gibt auch kleine Verlierer. Beim 4:1-Sieg gegen Arminia Bielefeld schaffte es am Samstag mit Jamal Musiala nur noch ein einziger der zuletzt immer wieder hochgelobten Jungstars der Münchner in den Kader. Monatelang sah es so aus, als ob es den Münchnern zum ersten Mal gelingen könnte, wieder mehrere Spieler aus der eigenen Jugend in den Profikader zu integrieren.

FC Bayern-Campus mit vielen Talenten

Joshua Zirkzee (19), Sarpreet Singh (21), Lars Lukas Mai (20), Chris Richards (20), Oliver Batista-Meier (19), Leon Dajaku (19), Adrian Fein (21), Jann-Fiete Arp (20), Armindo Sieb (17), Angelo Stiller (19), Jamal Musiala (17) ‒ es ist lange her, dass so viele Nachwuchsspieler beim FC Bayern eine Chance bekamen sich zu zeigen.

Hinzu kommen mit den Abwehrmännern Tanguy Nianzou (18) und Bright Akwo Arrey-Mbi (17), Mittelfeld-Neuzugang Tiago Dantas (19) sowie Angreifer Nicolas Kühn (20) weitere Spieler, die bereits regelmäßig mit den Profis arbeiten können. Der dünne Kader und die Erweiterung auf fünf Auswechslungen nach der Corona-Pause waren zwei wesentliche Gründe dafür, dass Hansi Flick in den vergangenen Monaten immer wieder auf den Nachwuchs zurückgriff.

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Vorstandsmitglied Oliver Kahn hatte zudem immer wieder betont, wie wichtig der eigene Nachwuchs für die zukünftige Ausrichtung des Vereins sei. Die Meisterschaft in der 3. Liga mit vielen Nachwuchstalenten kann als Beleg gelten, dass sich die Münchner, knapp zehn Jahre nachdem mit David Alaba der letzte Nachwuchsmann den Durchbruch in München schaffte, wieder auf dem richtigen Weg befinden.

Als kurz vor der Transferdeadline noch nicht klar war, ob und wie viele neue Spieler noch dazukommen würden, deuteten die Münchner Verantwortlichen sogar öffentlich an, dass der Kader auch dauerhaft mit Nachwuchsspielern statt teuren Neuzugängen ergänzt werden könnte. Am Ende entschied man sich anders.

Ausleihen sowie Neuverpflichtungen

Und so ist die Aussicht heute alles andere als rosig für den Nachwuchs. Eine Reihe von jungen Spielern hat den Verein über Leihgeschäfte verlassen. Innenverteidiger Lars Lukas Mai versucht sein Glück in Darmstadt, Sarpeet Singh und Torwart Christian Früchtl wurden nach Nürnberg ausgeliehen.

Oliver Batista-Meier (SC Heerenveen) und Adrian Fein (PSV Eindhoven) sollen in der niederländischen ersten Liga Spielpraxis sammeln. Selbst der 21-jährige Michael Cuisance, für den die Münchner im Sommer zuvor immerhin 10 Millionen Euro Ablöse gezahlt hatten, flüchtete vor der Konkurrenz ‒ zunächst auf Leihbasis ‒ nach Marseille.

Nun ist gegen solche Leihgeschäfte grundsätzlich nichts zu sagen. Die Bayern verweisen mit Recht auf sehr positive Beispiele wie Toni Kroos, David Alaba oder vor noch längerer Zeit Philipp Lahm, die allesamt bei anderen Bundesligisten den nächsten Schritt machten und sich danach in München durchsetzten. Doch in den vergangenen zehn Jahren ist quasi keins dieser Leihgeschäfte mehr aufgegangen. Einzig Serge Gnabrys Leihe nach Hoffenheim kann als echter Erfolg gelten.

Ansonsten schaffte es kein Spieler sich nach einer Leihe in München festzusetzen. Das liegt auch etwas am fehlenden Commitment, einen Spieler mit einem festen Kaderplatz einzubauen. Genau das nutzte im Vorjahr zum Beispiel Alphonso Davies, der trotz ein paar Wacklern zu Beginn immer wieder das Vertrauen bekam und den Durchbruch schaffte. Auch Thomas Müller profitierte vor Jahren davon als ihm Louis van Gaal trotz gestandener Konkurrenz einen Stammplatz reservierte.

Dieses Vertrauen fehlt aktuell offenbar. Joshua Zirkzee bekam nun Eric Maxim Choupo-Moting vor die Nase gesetzt und muss sich nach vielversprechenden Ansätzen in der Vorsaison erstmal wieder hinten anstellen. Gleiches gilt für Defensivallrounder Chris Richards, der nach der Verpflichtung von Bouna Sarr nur noch Rechtsverteidiger Nummer drei ist.

Der FC Bayern hat sich mit den Neuzugängen entschieden alles darauf zu setzen, sofort weiter maximalen Erfolg zu haben. Das ist absolut nachvollziehbar, doch es hat eben auch direkte Konsequenzen für den eigenen Nachwuchs. Der Sprung aus der 3. Liga in die erste Mannschaft war ohnehin schon riesig. Durch den stark verbreiterten Kader ist er fast unmöglich.

Musiala muss spielen

So bleibt von der Armada junger Nachwuchshoffnungen für den Moment eigentlich nur Jamal Musiala übrig. Der 17-Jährige wurde mit seinem Treffer gegen Schalke zum Auftakt zum jüngsten Bayern-Torschützen der Geschichte.

Gegen Düren im DFB-Pokal durfte er in der Vorwoche von Beginn an ran. Der enorm dribbelstarke Offensivmann, der über den Flügel und durchs Zentrum kommen kann, könnte trotz der überraschenden Leihe von Douglas Costa als fünfter nomineller Flügelspieler seine Chancen bekommen, wenn einer der vier gestandenen Profis verletzt fehlt. So wie aktuell Leroy Sané.

Musiala ist gewiss kein Edeldiamant wie Joao Felix (20), für den Bayerns Champions League-Gegner Atlético Madrid im Vorjahr über 100 Millionen Euro bezahlte, aber er hat durchaus das Potenzial, in München dauerhaft eine Rolle zu spielen. Zumal Douglas Costa aktuell nur für ein Jahr eingeplant ist und dadurch schon im kommenden Sommer wieder ein Platz mehr frei werden könnte.

Musiala kann durch seine Beweglichkeit und enge Ballführung gerade gegen tiefstehende Gegner eine echte Unterstützung werden. Dafür muss seine gezielte Weiterentwicklung im Verein allerdings eine klare Priorität besitzen. Inklusive Einsatzminuten bei den Profis.

Es wäre fatal, wenn dem aktuell starken Münchner Nachwuchs dauerhaft das Signal gesendet wird, dass auch die Kaderplätze 15-18 einfach eine Nummer zu groß sind. Musiala ist eine Chance für die Münchner den ambitionierten Ankündigungen, mit Blick auf den Durchbruch junger Talente, auch Taten folgen zu lassen.

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