Die hohe Belastung sowie der in der Breite nur unzureichend besetzte Kader des FC Bayern München zwingt Trainer Nico Kovac schon früh in der Saison zu vielen Spielerwechseln. Das rächte sich gegen den FC Augsburg - wird aber wohl keine Ausnahme bleiben.

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Niko Kovac warf im kleinen bayerischen Derby seiner Münchner gegen den FC Augsburg die große Rotationsmaschine an, wie man sie eigentlich nur aus der Schlussphase einer Saison kennt, wenn die Mannschaft längst als Meister feststeht und in der Champions League noch die großen Spiele anstehen.

Bei drei Spielen in sieben Tagen und einer sehr angespannten Personalsituation waren Kovac’ Maßnahmen nur zu verständlich. Wann sonst, als im Heimspiel gegen Augsburg hätte Kovac einigen seiner Spieler eine Auszeit gönnen sollen, wann mal etwas Außergewöhnliches ausprobieren sollen?

Die Bayern waren auch mit einer stark veränderten Mannschaft dominant, vergaßen aber, den Sack in der zweiten Halbzeiz zuzumachen und wurden am Ende dafür mit dem Verlust von zwei Punkten bestraft.

Leon Goretza als Linksverteidiger überfordert

Kovac war der Rekord von Carlo Ancelotti offenbar egal, der Italiener war vor zwei Jahren mit acht Pflichtspielsiegen in Folge so erfolgreich wie noch kein Bayern-Trainer zuvor in eine Saison gestartet.

Kovac' Bayern standen vor dem Augsburg-Spiel bei sieben Siegen, wirklich relevant war dem Kroaten die Statistik aber nicht. Er experimentierte und überraschte, etwa mit Leon Goretzka als linkem Verteidiger.

Der Nationalspieler hatte noch nie zuvor auf dieser Position gespielt, aber weil David Alaba offenbar eine Pause brauchte und die Bayern keinen gestandenen Ersatz für die Position haben, musste Goretzka ran - und scheiterte. "Wir haben nur zwei gesunde Außenverteidiger, die wir irgendwie schonen und vor Verletzungen schützen müssen", begründete Kovac auf der Pressekonferenz seine Wahl.

Augsburg machte sich die Umstellung in der bayerischen Viererkette zunutze und lief den Rekordmeister sehr hoch und aggressiv an. Die drei Spitzen pressten früh und lenkten den Spielaufbau immer wieder auf Goretzka, um dann dort massiv auf Ballgewinne zu gehen.

Goretzka traute sich weder Risikopässe noch Dribblings zu, blieb lediglich ein Verwalter der Angriffe, der mit Sicherheitspässen versuchte, den Ballbesitz zu sichern. Für Münchner Verhältnisse war das deutlich zu wenig.

Zu wenig Kreativität im Zentrum

Wie wichtig und unersetzlich Thiago und James im Bayern-Mittelfeld und wie knapp die Ressourcen sind, wurde gegen Augsburg erstmals so richtig deutlich. Gegen die vielen Mannorientierungen der Gäste wären die beiden Gestalter das perfekte Gegenmittel gewesen, so mussten die Bayern mit Javi Martínez auf der Sechs und Renato Sanches im Halbraum mit Körperlichkeit und Wucht auskommen.

Joshua Kimmich, der im Zentrum am ehesten Thiago ersetzen könnte, musste mangels Alternativen wieder als Rechtsverteidiger ran. In einigen Phasen funktionierte das Bayern-Mittelfeld trotzdem, gerade Sanches hatte sehr gute Szenen und eine ganze Handvoll Torchancen. Aber das spielerische Element und die gewohnte Dominanz im Positionsspiel fehlte den Bayern.

Augsburg ließ zwar einige Chancen zu und konnte sich bei seinem starken Torhüter Andreas Luthe bedanken, dass die Partie nicht schon nach einer Stunde entschieden war. Luthe parierte unter anderem auch gegen Sandro Wagner, den dritten Begünstigten der Rotation.

Wagner hatte in dieser Saison bisher erst wenige Minuten Spielzeit bekommen und sollte sich als Backup für Robert Lewandowski beweisen. Als Wagner dann Mitte der zweiten Halbzeit ausgewechselt wurde und nicht Lewandowski bereitstand, sondern der Mittelfeldspieler Thiago, war dem Angreifer der Frust über den gebrauchten Abend deutlich anzumerken.

Die Bayern ließen Augsburg am Leben, die Gäste verschleppten immer wieder das Tempo und prüften nadelstichartig die undichten Stellen der Bayern. Die Konterabsicherung des Rekordmeisters war ein Problem, Goretzkas Rückzugsverhalten ebenfalls. Und vorne gingen auch die Altmeister Arjen Robben, Franck Ribéry und Thomas Müller zu schludrig mit ihren Chancen um.

Die Bayern waren eine Spur zu selbstzufrieden, vielleicht auch sorglos und luden den Gegner mit einem individuellen Fehler von Manuel Neuer zum Ausgleich ein.

Bayerns Spieler waren "müde"

Eine Partie wie diese wird wohl die Ausnahme bleiben. Weder wird die Mannschaft noch einmal mit dieser Startelf auflaufen noch so viele kleine Fehler begehen. Das hofft zumindest Uli Hoeneß. Seine Spieler seien müde gewesen, sagte der Präsident.

"Da konnten sie nicht mehr so nachlegen, wie es nötig gewesen wäre. Wir haben in Lissabon gespielt mit einer langen Reise. Dann hatten wir ein sehr schweres Spiel auf Schalke. Auch da sind die Spieler erst spät heimgekommen." Damit mag Hoeneß recht haben. Allerdings ist der Spielplan nun auch nicht erst seit einer Woche bekannt, sondern die Bayern wussten, was auf sie zukommen würde.

Es ist die angespannte Personalsituation, die den Spielern derzeit an die Substanz geht. Dabei hat die Saison gerade erst begonnen. "Als ehemaliger Fußballer weiß ich, was es heißt, zweimal in drei Tagen zu spielen. Bei dem Kader, den wir haben, müssen wir rotieren," so Kovac. Gegen Augsburg haben seine Wechsel nicht gefruchtet. Trotzdem wird der Trainer an der Rotation auch in Zukunft festhalten - festhalten müssen.

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Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir Bayern-Trainer Nico Kovac leider mit seinem Bruder Robert verwechselt.
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