Sie sind es beim FC Bayern München nicht gewohnt, einem besseren Gegner hinterherzurennen. Die sechs Punkte Rückstand des Serienmeisters auf Tabellenführer Borussia Dortmund aber sind Fakt. Die Bayern eröffnen die Rückrunde der Bundesliga bei der TSG 1899 Hoffenheim. Und betonen ihre Lust am Jagen - in der Hoffnung, dass sich der BVB verunsichern lässt.

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Satt sind sie beim FC Bayern München nie. "Die Herausforderung für die Jungs ist, den siebten Meistertitel draufzulegen, und nach dem siebten dann den achten. Unser Ziel ist, zehn Mal hintereinander Meister zu werden", bläst Bayern Münchens Cheftrainer Niko Kovac nicht nur zur Aufholjagd auf Spitzenreiter Borussia Dortmund.

Kovas vollmundige Aussage klingt danach, als habe seine Mannschaft den BVB im Kopf bereits überholt, ehe heute Abend ab 20.30 Uhr (bei uns im Live-Ticker) in Sinsheim der Anpfiff zur Rückrunde erfolgt ist.

Ihren Kopf, den im Sport so oft beschworenen Sitz des Mentalen, müssen die Bayern vom Start weg beieinander haben, um sechs Punkte Rückstand auf den seit Jahren hartnäckigsten Konkurrenten aufzuholen.

Müller setzt auf Dortmunds Angst

Beginnen wollen sie damit im Auswärtsspiel bei der TSG 1899 Hoffenheim. Ein Sieg dort soll die Dortmunder Borussia vor deren Gang nach Leipzig "unter Druck setzen" (Kovac) und signalisieren, was Thomas Müller im Sport1-Interview so formulierte: "Dortmund muss nur wissen, dass wir da sein werden, wenn sie schwächeln sollten."

Müller erinnert sich nur sehr ungern an die Saison 2015/16: Damals, so Müller, hatten die Bayern "auch immer fünf, sechs Punkte Vorsprung. Das ging über Wochen, und es war wirklich so, dass wir uns verfolgt gefühlt haben".

Damals jagten die Dortmunder hinter den Bayern her - und lösten bei Müller Verfolgungswahn aus. Erst am 33. Spieltag, bei fünf Punkten Rückstand, passierte den Borussen mit dem 0:1 in Frankfurt der entscheidende Patzer.

Dieses Gefühl, so hoffen die Bayern, soll den Dortmundern in der Rückrunde ihre Leichtigkeit nehmen. Das funktioniert aber nur über Ergebnisse. Ein solches müssen die Bayern gleich in Hoffenheim liefern.

Brazzo betont die Lust am Jagen

"Wir waren nicht oft der Jäger in den zurückliegenden Jahren", legte Hasan Salihamidzic, Bayern-Legende und Sportdirektor des Klubs, in der "Sport Bild" nach, "aber den Jungs gefällt das." Es muss ihnen gefallen. Der Tabellenstand lässt ihnen keine andere Wahl.

Andererseits ist die im Durchschnitt im Vergleich mit den Bayern um fünf Jahre (24 zu 29 Jahre) jüngere Elf der Borussia es nicht gewohnt, gejagt zu werden. So könnte sich aus dem Vorteil, nach Punkten vorne zu liegen, mit abnehmender Zahl der Spieltage ein Nachteil entwickeln.

Dede, der mit Borussia Dortmund die Meisterschaften 2002 und 2011 gewann, nannte im "kicker" das beste Mittel gegen aufkommende Nervosität, das "Gerede der Konkurrenz" auszublenden.

Nikas Süle ist sich sicher: "Der FC Bayern wird deutscher Meister"

Niklas Süle glaubt trotz sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund an den Gewinn der deutschen Meisterschaft. Aus seiner Sicht hat der FC Bayern die beste Mannschaft Deutschlands. © DAZN

Markige Sprüche von Uli Hoeneß werden aus Sicht der Münchner für den Titelcoup nicht genügen, so der BVB sich sportlich keine Blöße gibt.

Viele Fans wünschen BVB den Titel

39 Prozent der Fußballfans in Deutschland glauben nach einer repräsentativen Umfrage des Pay-TV-Senders Sky, dass Dortmund sich von den Bayern nicht mehr überholen lassen wird. 35 Prozent trauen dem Meister zu, nach dem 34. Spieltag zum siebten Mal in Serie die Schale in die Luft zu stemmen.

Anders sieht die Antwort auf die Sympathiefrage aus: 36 Prozent der Befragten würden lieber den BVB an der Spitze sehen, nur 23 Prozent votierten für den Serienmeister.

In Dortmund hoffen sie, so sagt Sportdirektor Michael Zorc, "dort anschließen zu können, wo wir leistungsmäßig im Dezember aufgehört haben".

Im Dezember aber gewannen die Bayern ein Bundesligaspiel mehr als der BVB, alle fünf möglichen. Im Trainingslager in Katar, so schrieb der "kicker", hätten sich die Bayern-Spieler stark geredet, indem sie die Dortmunder Hinrunde als Glück bezeichneten.

Nagelsmann glaubt an Dortmund

"Wenn Dortmund das Niveau hält, werden sie Meister", sagt trotzdem Julian Nagelsmann, noch Trainer des Bayern-Gegners Hoffenheim, ab Sommer Trainer des Dortmund-Gegners Leipzig.

"Bayern", setzte Nagelsmann nach, "wird auf jeden Fall noch gefährlich. Aber hoffentlich erst nach Freitag." (hau/AFP)

Julian Nagelsmann hat mit Hoffenheim gegen die Bayern daheim immer gewonnen

Daheim hat Cheftrainer Julian Nagelsmann mit seinen Hoffenheimern gegen den FC Bayern München immer gewonnen, beide Male sogar zu Null. "Wir sind in der Lage, den Bayern wehzutun." © DAZN
Teaserbild: © imago/ActionPictures/Peter Schatz/MAGICS