Erneut hat der FC Bayern mit Borussia Dortmund einen potentiellen Konkurrenten um die Meisterschaft überdeutlich besiegt. Selbst BVB-Trainer Thomas Tuchel ist davon überzeugt, dass den Münchnern in dieser Saison die Meisterschaft nicht mehr streitig gemacht werden kann.

Zur 26. Meisterschaft und dem historischen vierten Titel nacheinander wollte sich beim FC Bayern keiner gratulieren lassen: "So weit sind wir noch nicht. Wir haben einen wunderbaren Start hingelegt. Aber wir sind gerade mal Anfang Oktober", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem 5:1 und einem Klassenunterschied im Bundesliga-Gipfel gegen Borussia Dortmund. "Es ist der achte Spieltag, und wir bestreiten einen Marathonlauf", pflichtete Sportvorstand Matthias Sammer bei. Und nur mit der Meisterschaft allein ist es bei den ehrgeizigen Münchnern ohnehin nicht getan.


Das sagt die Presse zum vernichtenden Sieg des FCB über Dortmund.

Zwar mahnten die Bayern-Bosse pflichtgemäß, aber die erste Titelfrage der Saison ist seit Sonntagabend weitestgehend beantwortet. Der deutsche Rekordmeister stellte nicht nur seinen Startrekord von acht Siegen ein, sondern baute seinen Vorsprung in der Bundesliga-Tabelle auf für die Konkurrenz beängstigende Abstände aus. Sieben Punkte vor dem BVB, acht vor Schalke - die Saison verspricht im Kampf um den Meistertitel Langeweile.

Thomas Müller versteht Langeweile-Diskussion - Manuel Neuer nicht

Beängstigend ist vor allem, dass der Titelverteidiger keinen Gang runterschalten will. "Wir dürfen jetzt nicht nachlassen bis zum Winter und wollen versuchen, das Polster zu erweitern", betonte Nationaltorwart Manuel Neuer vor dem Start in die Länderspielpause. Mit Langeweile in der Liga will er sich erst gar nicht befassen. "Das interessiert uns nicht. Wir werden jetzt nicht absichtlich Spiele verlieren."

"Es könnte sicher für den neutralen Fan spannender sein aktuell", versteht hingegen Thomas Müller die Sorgen vieler Fußballliebhaber. Der Doppeltorschütze will von der Meisterschaft aber noch nicht sprechen. "Es kann noch so viel passieren." Deswegen will Müller weiter Vollgas geben: "Wenn wir die Spiele nicht gewinnen, kommt keiner und klopft uns auf die Schulter und sagt: 'Super, dass ihr die Liga spannend haltet'. Sondern dann gibt’s Kritik. Deswegen versuchen wir, die Liga so unspannend wie möglich zu halten." Bisher gelingt das den Münchnern, für die neben Müller auch die Ex-Dortmunder Robert Lewandowski und Mario Götze trafen.

Thomas Tuchel gratuliert FC Bayern schon zur Meisterschaft

Als Assistgeber glänzte Jerome Boateng, der mit zwei 50-Meter-Pässen jeweils ein Müller- und ein Lewandowski-Tor vorbereitet hat. Müller lobte ihn denn auch in höchsten Tönen: "Das ist schon etwas Besonderes für einen Verteidiger." Anschließend verriet er den neuen Spitznamen von Boateng: "Kaiser". Auch Guardiola lobt seinen Spielmacher aus der Innenverteidigung: "Jerome ist einer der besten Aufbauspieler überhaupt", sagte er auf "Sky". Vor allem die Diagonalbälle haben es dem Trainer angetan. Mit Kaiser Franz Beckenbauer will er ihn dennoch nicht vergleichen: "Das ist nicht gut für Jerome. Franz Beckenbauer ist die Nummer eins. Und Jerome ist Jerome."


Zum FC Bayern München verweigern wir die Aussage, Dieter Hecking ist unser neues Ruhetier, Küsschen sind zwar immer schön, aber manchmal nicht angebracht und Bernd Leno hat ein großes Herz für kleine Vereine. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Fußball-Bundesliga.


Guardiola mahnt weiter - und will nach der Machtdemonstration auch nicht an eine Feier auf dem Rathaus-Balkon denken. "Im Oktober ist niemand deutscher Meister", sagte der Spanier. Doch selbst BVB-Coach Thomas Tuchel sieht aktuell keine Mannschaft in Deutschland, die den Münchner Fußball-Express auf dem Weg zur nächsten Meisterschaft aufhalten könnte. Auf eine entsprechende Nachfrage antwortete der BVB-Coach am Sonntagabend im Münchner Pressesaal: "Tja, was soll ich sagen, Pep? Nein, natürlich nicht."

Tuchel, der im 15. Pflichtspiel als Dortmunder Trainer seine erste Niederlage hinnehmen musste, dürfte ziemlich sicher recht behalten. (cai/dpa)