Der Nachfolger von Matthias Sammer beim FC Bayern schien gefunden: Philipp Lahm sollte der neue Sportdirektor werden, womöglich sogar schon im nächsten Jahr. Doch Uli Hoeneß hat offenbar andere Pläne.

Philipp Lahm soll der neue Sportdirektor des FC Bayern München werden. Offiziell bestätigt ist es zwar noch nicht, jedoch äußerte sich Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag zu dieser Personalie deutlich wie nie: "Wir werden in nicht allzu ferner Zukunft wieder einen Sportdirektor haben", sagte Rummenigge und wurde deutlicher: "Wir haben einen im Hinterkopf und werden den dann auch holen - den Namen haben Sie vielleicht auch schon gelesen. Nur er muss aktuell noch Fußball spielen, weil wir ihn auf dem Platz brauchen."

Nach dem 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen am Samstag nahm dann auch Lahm selbst Stellung zu den Gerüchten: "Ich habe immer gesagt, dass ich dem Verein gerne verbunden bin. Es wird sicher irgendwann Gespräche geben und dann werden wir weitersehen", sagte der Bayern-Kapitän nach dem Spiel.

Auch vom Teamkollegen Mats Hummels ("Dass er es wird, kann ich mir gut vorstellen") und Leverkusens Manager Rudi Völler ("Die Qualität dazu bringt er sicherlich mit") gab es Lob und Unterstützung für den siebenfachen Deutschen Meister Lahm.

Der neugewählte Präsident Uli Hoeneß versuchte im Anschluss an die Jahreshauptversammlung etwas Dampf aus der Debatte zu nehmen: "Karl-Heinz hat auch gesagt, dass Philipp noch einen Vertrag bis 2018 hat - als Spieler", sagte Hoeneß und fügte an: "Das ist kein Thema, das wir jetzt vor Weihnachten angehen müssen."

Max Eberl als Joker?

In der "Sport Bild" legte Hoeneß dann noch einmal nach. Ihm wäre es am liebsten, dass Lahm seinen Vertrag erfüllt. "Er ist immer noch ein überragender Spieler, den wir auf dem Spielfeld brauchen. Bis 2018 hätten wir genug Zeit, um in aller Ruhe zu schauen, in welcher Form Philipp bei uns im Klub tätig wird."

Da die Bayern aber gerne schon 2017 einen neuen Sportdirektor verpflichten möchten, bringt die "Sport Bild" den Namen Max Eberl ins Spiel. Der könnte schon im Sommer gegen eine Ablöse aus Mönchengladbach verpflichtet werden. Der Ex-Bayern-Spieler, der die Gladbacher zu einem Top-Klub in Deutschland geformt hat, brächte im Gegensatz zu Lahm einige Erfahrung mit.

Lahm würde in diesem Szenario dann 2018 in eine andere Führungsrolle der Münchner wechseln. Die Bayern suchen aktuell auch noch einen Sportvorstand und einen Leiter für das Nachwuchszentrum.

Spekulationen um ein vorzeitiges Karriereende Lahms

Zuletzt war in den Medien spekuliert worden, ob Lahm seine Spielerkarriere schon 2017 beenden will, um die Nachfolge des zurückgetretenen Matthias Sammer als Sportdirektor anzutreten. "Die Saison dauert noch sieben Monate, in denen viel passieren kann", erklärte Lahm. "Ich werde meine Zukunft sicher nicht von gewonnenen Titeln am Saisonende abhängig machen, sondern in meinen Körper hineinfühlen und dann entscheiden, wie es weitergeht", befeuerte der 33-jährige vor wenigen Wochen die Gerüchte um seine Person.

Doch ist Lahm überhaupt geeignet, einen Matthias Sammer, der vor allem als Mahner auftrat, ebenbürtig zu ersetzen? Kritiker werfen dem Ex-DFB-Kapitän vor, kein Anführer im klassischen Sinne zu sein, der wie Oliver Kahn seine Mitspieler zusammenstaucht, wenn die Leistung auf dem Platz nicht stimmt.

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Doch Lahm zeigt abseits des Platzes bei Interviews mehrfach, dass er durchaus bereit ist, den Finger in die Wunde zu legen, wenn es darum geht, Probleme in der Mannschaft oder im Verein anzusprechen. Im Jahr 2011 sorgte er für einen Eklat, als er seine Autobiografie "Der feine Unterschied" veröffentlichte. Darin holte Lahm zu einem Rundumschlag unter anderem gegen die Ex-Trainer Rudi Völler, Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal aus und handelte sich damit viel Kritik ein.

Interview sorgte im Jahr 2009 für Wirbel

Zwei Jahre zuvor hatte er in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" die Transferpolitik im eigenen Verein kritisiert ("Man darf Spieler nicht einfach kaufen, weil sie gut sind"). Die Bayern belegten den Rechtsverteidiger daraufhin mit einer Geldstrafe, die in ihrer Höhe bis dahin einzigartig in der Geschichte der Münchner war (ca. 50.000 Euro).

Doch unabhängig davon, ob Lahm für den Posten des Sportdirektors geeignet ist, birgt seine fehlende Erfahrung nicht nur ein Risiko für den Rekordmeister, sondern auch für Lahm selbst. Ex-Bayern-Torwart Kahn warnte ihn davor, direkt nach seinem Karriereende als Sportdirektor anzufangen. "Erst durch den nötigen Abstand bekomme ich einen klaren Blick auf das, was ich nach der aktiven Zeit wirklich möchte", sagte Kahn im "Kicker". "Fort- und Weiterbildung sind in einem immer komplexer werdenden Sportbusiness wichtige Voraussetzungen. Sonst ist das Risiko zu scheitern zu hoch."

Philipp Lahm soll neuer Bayern-Sportdirektor werden. Ist Lahm der richtige Mann für den Sportdirektor-Posten?
  • A
    Ja, die Qualität dafür hat er allemal.
  • B
    Nein, er ist viel zu unerfahren.
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    Ist mir egal.

Als Negativbeispiel dient sicherlich Ex-Bayern-Spieler Christian Nerlinger, der nach seiner aktiven Karriere ein BWL-Studium anfing, es aber zugunsten der Münchner abbrach. Im Jahr 2009 fing Nerlinger als Sportdirektor bei den Bayern an und wurde damit direkter Nachfolger von Uli Hoeneß. Nerlinger übernahm jedoch nur einen Teil der Aufgaben von Hoeneß, der als Manager noch mehr finanzielle Entscheidungen zu treffen hatte. Drei Jahre später wurde Nerlinger entlassen und musste Sammer Platz machen.

Hoeneß als gutes Beispiel

Dass der direkte Übergang vom aktiven Fußball in die Führungsebene eines Vereins aber auch gelingen kann, zeigte Hoeneß selbst. Im Jahr 1979 musste er seine Spielerkarriere aufgrund von Verletzungen im Alter von 27 Jahren beenden. Direkt im Anschluss fing er im Management des FC Bayern an - der Rest ist Geschichte.

Bei den Bayern will man Lahm aber nicht zum vorzeitigen Karriereende drängen. "Wann Philipp aufhört, muss er ganz alleine entscheiden", sagte Rummenigge, der gleichzeitig betont, dass man "für nur ein Jahr" keinen hauptverantwortlichen Sportdirektor verpflichten werde.

Trotz der Wiederwahl des 64 Jahre alten Hoeneß zum Präsidenten soll neben der Mannschaft auch die Führungsebene verjüngt werden. "Karl-Heinz Rummenigge und ich müssen in den nächsten Jahren den personellen Umbruch in der Führung einleiten, das halte ich für die wichtigste Arbeit der nächsten Jahre", sagte Hoeneß im ZDF-"Sportstudio". "Das Werk, das Karl-Heinz, andere und ich hier aufgebaut haben, müssen wir in gute Hände legen." Zwei dieser Hände dürften wohl Philipp Lahm gehören.

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