Der Wechsel von Bastian Schweinsteiger zu Manchester United löst in England nicht nur Begeisterung aus. Es gibt auch Skeptiker. Zumal es beim englischen Rekordmeister einen Spieler gibt, an dem Schweinsteiger erst einmal vorbeikommen muss.

Einen schöneren Vergleich hätte der frühere englische Nationalspieler Gary Neville kaum ziehen können: "Rockmusik macht Spaß. Aber manchmal ist es schön, ein Piano zu hören. Ein Piano entspannt. Carrick ist das Piano auf dem Fußballplatz."

Michael Carrick, Mittelfeldspieler bei Manchester United, wird nicht nur von Neville in den höchsten Tönen gelobt. Gemeinhin gilt der 33-Jährige seit vielen Jahren als einer der meistunterschätzten Spieler auf der Insel. Seit fast zehn Jahren bespielt er beim englischen Rekordmeister das angesprochene Klavier im defensiven Mittelfeld still und präzise, und obwohl er in wenigen Wochen 34 wird, nahm seine Bedeutung auf das Spiel von Manchester in jüngster Vergangenheit eher noch zu.

Michael Carrick ist das Herz von Manchester United

Vor wenigen Wochen errechnete der "The Telegraph", dass die Erfolgsquote von ManUnited mit Carrick in der Startformation bei 72 Prozent liegt, ohne ihn gewinnt der Klub dagegen nur 35 Prozent seiner Partien. Carrick, da gibt es keine zwei Meinungen in Großbritannien, ist das Herz des Spiels von Manchester United.

Manchester bestätigt die Verpflichtung von Bastian Schweinsteiger.

Das Herz des Bayern-Spiels war Bastian Schweinsteiger in der jüngeren Vergangenheit immer seltener. Zu oft war der 30-Jährige angeschlagen oder verletzt. Die Zipperlein nahmen zu, dementsprechend die Einsatzzeiten ab. Nun aber soll der aus dem Tritt geratene Weltmeister der neue Taktgeber von Manchester United werden und die Rolle von Carrick im zentralen defensiven Mittelfeld einnehmen?

Ist Bastian Schweinsteiger fit genug für England?

Auf der Insel ist man skeptisch. "Braucht ManUnited Schweinsteiger, wenn es Carrick hat?", fragte das britische Online-Magazin "Think Football" vor wenigen Tagen. Immerhin kam der Autor des Artikels zu dem Schluss, dass Schweinsteiger im Gegensatz zum grundsoliden Carrick das Potenzial habe, ein Weltklassespieler zu sein. In England ist man sich nur nicht sicher, ob Schweinsteiger dieses Potenzial auch abrufen kann.

Die Pressestimmen zum Schweinsteiger-Wechsel nach Manchester United.

Auf der Facebook-Seite von Manchester United erinnern die Fans an die teuren Verpflichtungen Angel Di Maria und Radamel Falcao. Die beiden Südamerikaner, allen voran der verletzungsanfällige Falcao, konnten die Erwartungen nicht erfüllen. In keiner anderen Liga ist das Tempo so hoch wie in der Premier League. Nur wer zu hundert Prozent fit ist, kann mithalten. Deswegen fürchten manche ManUnited-Fans, dass die Liga für Schweinsteiger ein ähnliches Problem werden könnte wie für Falcao.

Und dann wäre da ja auch noch die Verpflichtung von Morgan Schneiderlin. Der 25-jährige Mittelfeldspieler kam am Montag für 35 Millionen Euro und ist eine jüngere Version von Schweinsteiger. Carrick, Schweinsteiger und Schneiderlin - zu dritt werden sie wohl kaum auflaufen.

Aber nicht nur auf der Insel, auch in Deutschland gibt es Skeptiker. "Ich finde es sehr mutig, in diesem Alter noch einen derartigen Schritt zu tun", sagte der Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer der "Passauer Neuen Presse". In München kenne man Schweinsteiger, "wir wissen, was er drauf hat. In England ist das nicht so", meinte Beckenbauer.

Louis van Gaal glaubt an Bastian Schweinsteiger

Dass Schweinsteiger die erhoffte Verstärkung wird, dafür will vor allem ManUnited-Trainer Louis van Gaal sorgen. Der Niederländer machte Schweinsteiger während seiner Zeit als Bayern-Coach zum Führungsspieler. Die beiden kennen und schätzen sich also, wie sie in den vergangenen Tagen mehrmals betonten. "Er ist der ultimative Profi, es gibt keinen Zweifel an seinem Talent und seiner Fähigkeit, Spiele zu kontrollieren", sagte Van Gaal.

Der 63-Jährige wird, davon gehen Beobachter aus, Schweinsteiger in seinem 4-3-3-System als zentralen Spieler im Mittelfeld aufbieten. Ihm assistieren dürften der Spanier Ander Herrera auf der linken Seite, sowie die bisherige Schaltzentrale Carrick auf der rechten.

Wie Carrick mit diesem mutmaßlichen Bedeutungsverlust auf dem Platz umgehen würde, ist eine spannende Frage. Die andere ist, ob Schweinsteiger dem Spiel von Manchester United auf Anhieb seinen Stempel aufdrücken kann. An der Motivation, das hat der Münchner in den vergangenen Tagen glaubhaft deutlich gemacht, wird es nicht mangeln.

Nach 17 Jahren beim FC Bayern München freut sich Schweinsteiger auf eine neue Herausforderung. Das klingt nicht nur so dahergesagt, sondern vor allem nachvollziehbar. Dass für ihn kein anderer Klub als Manchester United infrage gekommen sei, klingt dagegen erst mal wie eine Willkommensfloskel. Tatsächlich aber posierte Schweinsteiger schon als Kind mit einem ManUnited-Trikot und machte zeitlebens nie einen Hehl aus seinen Sympathien für den Klub. Insofern sind das gute Voraussetzungen, dass sich Schweinsteiger bei Manchester United noch für ein paar Jährchen ans Klavier setzt.